Neues von Silverwingkiller, Infinideaux, Memorials und Alma Negra

Die Radio X Musikredaktion stellt dir wöchentlich ihre schönsten Neuentdeckungen genauer vor. Die Rubrik “Früsch” gibt es live jeden Donnerstag um 14 Uhr und in der Wiederholung am Sonntag um 16 Uhr. von Mirco Kaempf

Ein Duo aus Manchester mit dem Namen SILVERWINGKILLER – bestehend aus James Baca und Ni Yushang – bewegt sich irgendwo zwischen Band, DJ-Act und Performance-Kunst. Aus der lokalen Underground-Szene heraus gewachsen, in der die Grenzen zwischen Live-Set und Club-Performance ständig verschwimmen, verstehen sie sich selbst als „Electronic Punk Band“.

Nach ihrer Debüt-EP “Triad Thunder” (November 2025) folgt nun die neue Single “Shang Film”. Statt roher Club-Energie zeigt sich das Duo hier von einer deutlich schwebenderen Seite: glitchy, digital fragmentiert und atmosphärisch aufgelöst. Der Track wirkt wie ein Zustand zwischen Erinnerung und Datenrauschen – typisch SILVERWINGKILLER, nur noch entrückter.

Mit “Bond for Life at the Afterparty” erscheint der neueste Track von infinideaux, der am Freitag 24. April über das Basler Label Too Much Fun Records veröffentlicht wird. Der Song versteht sich als hyperaktive Ode an Freundschaft im digitalen Zeitalter – chaotisch, emotional übersteuert und bewusst überladen.

Infinideaux beschreibt den Entstehungsprozess als eine Art „Reverse-Remix“: Inspiriert von SoundCloud-Hyperflip-Ästhetiken wurde nicht ein bestehender Track zerlegt, sondern eine eigene Melodie geschrieben, die anschließend gesampelt, verfremdet und komplett neu strukturiert wurde. Das Ergebnis ist ein glitchiger, hochenergetischer Mix aus Breakdowns, Pop-Fragmenten und digitalem Overdrive.

Nach der 2025 erschienenen DIY-EP “Angel of My Eyes” markiert der Song das Label-Debüt auf Too Much Fun Records.

Etwas organischer, aber nicht weniger experimentell präsentieren sich MEMORIALS mit “Watching the Moon” vom aktuellen Album “All Clouds Bring Not Rain”.

Hinter dem Projekt stehen Verity Susman und Matthew Simms – beide mit Vergangenheit bei einflussreichen Acts wie Electrelane und Wire. MEMORIALS sind bereits mit Stereolab getourt, was sich in ihrer Klangsprache indirekt widerspiegelt: eine Mischung aus Psychedelia, Art-Pop und experimenteller Studioproduktion.

Der Song entfaltet sich langsam, fast filmisch, und entwickelt aus einfachen Strukturen eine vielschichtige, organische Dramaturgie. Ein Stück, das gleichermassen an Broadcast, experimentellen Folk und 60s-Avantgarde erinnert, ohne sich je festzulegen.

Alma Negra veröffentlichen mit “Free” eine neue EP auf dem Berliner Label Toy Tonics.

Das Duo – die Brüder Dersu und Diego Figueira – verbindet darin einen klar cluborientierten Sound mit starkem 90s-Deep-House-Einfluss. Gleichzeitig bleibt ihre Musik tief organisch: Viele Elemente werden selbst eingespielt, von Beats über Synths bis hin zu Strings, was den Tracks eine warme, lebendige Textur verleiht.

Der Titeltrack “Free” steht exemplarisch für diesen Ansatz: House mit Groove, Soul und einer spürbaren Leichtigkeit – irgendwo zwischen klassischem New York-Feeling und zeitgenössischer Clubkultur.