Playlist of the Month

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Bei der "Playlist of the Month" handelt es sich um exklusiv zusammengestellte Playlists von Künstler:innen, Musik- und Kulturschaffenden (aus Basel). Wie immer gilt das Motto: Mehr Kontrast, mehr Vielfalt! On Air: Jeden letzten Mittwoch im Monat von 16:00 bis 17:00.

 

 

 

Musikförderung im Städtevergleich: "Es geht nicht darum, Klassik zu bashen"

Zwischen 76 und 95 Prozent der öffentlichen Musikförderung fliessen in den untersuchten Schweizer Städten in die klassische Musik. In Genf wird pro Kopf viermal mehr Geld für «Musiques Actuelles» ausgegeben als in Zürich. Eine neue Recherche der Musikvielfaltsinitiative zeigt grosse Unterschiede in der öffentlichen Musikförderung – und will damit eine Debatte über deren Verteilung anstossen. von Mirco Kaempf

Musikvielfalt Recherche Städtevergleich

Wie fördern verschiedene Schweizer Städte aus unterschiedlichen Sprachregionen Musik? Die Musikvielfaltinitiative hat eine Recherche ausgehend aus dem Jahr 2024 veröffentlicht.

 

Für die Recherche wurden die Musikfördergelder von Basel, Bern, Zürich, Genf, Lausanne und Lugano verglichen. Untersucht wurden kantonale und städtische Mittel sowie Beiträge aus Lotteriefonds. Besonders deutlich wird dabei die unterschiedliche Gewichtung von klassischer und aktueller Musik: Während in Zürich rund 90 Prozent der Musikförderung in die klassische Musik fliessen, sind es bei «Musiques Actuelles» gerade einmal drei Prozent.

Für Kim Bollag von der Musikvielfaltsinitiative sind diese Zahlen keine Überraschung. Dass die breite Bevölkerung die Verteilung der Fördergelder kaum kennt, hingegen schon. Die Recherche soll deshalb nicht die klassische Musik gegen andere Genres ausspielen, sondern die Frage stellen, ob die heutige Verteilung noch zu einer vielfältigen Musiklandschaft passt.

Eine weitere Erkenntnis betrifft die Art der Förderung. Über 80 Prozent der Musikförderung sind in den untersuchten Städten mehrjährig gebunden. Etablierte Institutionen erhalten dadurch langfristige Planungssicherheit, während freie Musiker häufig von Projekt zu Projekt arbeiten und für jede Förderung neue Anträge stellen müssen. Für Bollag ist deshalb nicht nur entscheidend, wie viel Geld in eine Sparte fliesst, sondern auch, wie es vergeben wird.

Der Vergleich zeigt zudem Unterschiede zwischen den Sprachregionen. In der Romandie wird deutlich mehr in «Musiques Actuelles» investiert als in der Deutschschweiz. Kim Bollag verweist etwa auf Lausanne, wo mehrere Clubs über gute Räume, technische Infrastruktur und grössere Budgets verfügen. Das schaffe mehr Plattformen, Sichtbarkeit und Publikum für aktuelle Musik.

Die Musikvielfaltsinitiative versteht die Recherche als Grundlage für eine längerfristige kulturpolitische Diskussion. Es gehe nicht darum, fertige Lösungen vorzulegen, sondern darum, die bestehende Verteilung sichtbar zu machen und zu fragen, wie öffentliche Kulturförderung eine vielfältige Musiklandschaft ermöglichen kann.

infografik
Musikausgaben pro Kopf (Quelle: https://musikvielfalt.ch/de/news/staedtevergleich/)
infografik
Ausgaben nach Genres pro Kopf (Quelle: https://musikvielfalt.ch/de/news/staedtevergleich/)