Woche gegen Rassismus 2019

So Chlopfts: Radikale Zärtlichkeit im Mundartpopformat

Liebe, Zweifel, Einsamkeit, Begehren – und die Frage, wie man sich in dieser Welt mit der eigenen Stimme zurechtfindet: Auf seiner Debüt-EP So Chlopft’s macht Dominic Röthlisberger daraus sechs persönliche Songs. In poetischen schweizerdeutschen Versen singt Lauber über das Innenleben eines Menschen, der sich nicht gegen seine Verletzlichkeit panzern will. von Mirco Kaempf

pop

Lauber - So Chlopfts

Dominic Röthlisberger veröffentlicht seine Mundart Debüt EP als Lauber

 

«Isch es zue / Wott’s uf / Isch es off / Tuet’s weh / Tuet’s weh / Macht’s wider zue / So chlopft’s / So chlopft’s / So chlopft’s lang no so»

Im Titeltrack wird das Herz zum kleinen Perpetuum mobile der EP. Es öffnet sich, schliesst sich, wird verletzt und klopft trotzdem weiter. So Chlopft’s sind Liebeslieder, aber nicht nur. Liebe ist hier weniger romantisches Thema als eine Form, sich der Welt auszusetzen. «Was bewegt mein Herz?» sei für ihn beim Schreiben die entscheidende Frage gewesen, erzählt Röthlisberger. Darin stecken Unsicherheit und Zweifel, aber auch die Schönheit, «dass man sich verbinden will».

So tönt’s

Musikalisch übersetzt Röthlisberger diese Innenschau in ein zurückhaltendes Kammerspiel. Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug bilden das Songgerüst, dazu kommen Violine, Viola, Cello, Klarinette, Flügelhorn, Posaune – und eine Viola da Gamba, die Röthlisberger selbst einspielte.

«Einfach weil es ein schönes Instrument ist», sagt er auf die Frage, warum ausgerechnet eine Viola da Gamba auf einen Mundartpop-Song gehört.

Der Komponist und Songwriter, der sonst Musik für Film und Bühne schreibt, denkt auch hier vom Text her: «Beim Schreiben fange ich immer beim Text an.» Die Instrumente erweitern die Stimme, legen sich um einzelne Zeilen und geben den Emotionen Raum.

Sechs Jahre und ein halbes Jahr Paris

Das Projekt Lauber begann 2020. Danach verschwand es erst einmal hinter Theater- und Filmmusik. Eine halbjährige Residenz in Paris brachte das Songwriting wieder in Bewegung. Dort schrieb Röthlisberger «sehr, sehr viele Texte» und merkte, «dass viel Material in mir herumschlummert, das darauf wartet, herausgebracht zu werden».

Dass dieses Material ausgerechnet in Paris auf Schweizerdeutsch entstand, ist kein Widerspruch. Eher scheint die räumliche Distanz die Sprache näher an ihn herangerückt zu haben.

Mundart als Ehrlichkeit

«In Mundart kann ich mich wirklich hinter nichts verstecken», sagt Röthlisberger. Fremdsprachen können Distanz schaffen, eine Rolle ermöglichen. Mundart ist dagegen die Sprache, in der Alltag, Erinnerung und Intimität ineinanderfallen.

Das ist riskant. Schweizerdeutsch ist als Pop- und Literatursprache mit Kitschverdacht belastet – zwischen Ohrewürm-CDs und anbiedernden Mundartpop-Playlists. Röthlisberger selbst ist mit Mani Matter aufgewachsen und besteht trotzdem darauf, dass Mundart «eine poetische Sprache» sein kann.

Vielleicht liegt genau darin eine Stärke von So Chlopft’s: Die Texte wollen nicht besonders cool klingen. Sie wollen genau sein. Schweizerdeutsch wird hier nicht zum Gimmick, sondern zur direktesten verfügbaren Sprache.

Das Herz als politischer Ort

In «Löwezahn» heisst es: «Es isch immer e so gsi / I bi so wieni bi / Wie söui’s säge / Haut ebe normau / Wie dr Löwezahn au»

Ein paar Zeilen später wird es expliziter: queer, polyamor, ein Mensch unter Menschen. Trotzdem versteht Röthlisberger Lauber nicht als politisches Projekt. Es gehe ihm um Ehrlichkeit.

Gerade dadurch wird die Sache interessant. Diese Ehrlichkeit betrifft auch die Frage, was ein Mann zeigen darf. Röthlisberger singt über Bedürftigkeit, Einsamkeit, Zärtlichkeit und Verletzlichkeit, ohne daraus ein Statement über Männlichkeit zu machen.

«Dass ich, auch wenn ich männlich gelesen bin, nicht irgendwie keinen Zugang zu meinen Gefühlen habe. Das ist völlig absurd. Natürlich bin ich genauso verletzlich und genauso zärtlich wie andere Wesen.»

Vielleicht liegt darin die radikalste Idee dieser EP: Nicht die Welt erklären zu wollen, sondern sich selbst nicht von ihr abspalten zu müssen. «Letztlich kann ich, glaube ich, nur wirklich bei mir anfangen, irgendetwas über die Welt zu verstehen.»

So Chlopft’s erzählt deshalb nicht von der grossen Welt. Es erzählt davon, wie die grosse Welt in einem Menschen weiterklopft.

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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