Woche gegen Rassismus 2019
TEMPESTA - Wenn der Sturm zum Kunstwerk wird
Die Ausstellung TEMPESTA in der Fondation Fernet-Branca fragt, was Kunst in einer stürmischen und unsicheren Zeit bewirken kann. Sieben internationale Positionen aus Skulptur und Installation geben unterschiedliche Antworten und suchen nach Orientierung im Sturm der Gegenwart. von Mathis Zeiser
Tempesta: Kunst in stürmischen Zeiten
Die Fondation Fernet-Branca in Saint Louis zeigt die Ausstellung Tempesta.
Tempesta
Wie gehen wir mit einer Welt um, die von Unsicherheit, gesellschaftlichen Spannungen und grossen Veränderungen geprägt ist? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Ausstellung «Tempesta», die aktuell in der Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis zu sehen ist.
Übergangsritual
Die Ausstellung ist aufgebaut wie ein Rundgang durch die Fondation, die sich in einer ehemaligen Fernet-Branca-Destillerie befindet. Die Spuren der industriellen Vergangenheit sind bis heute sichtbar und viele Arbeiten interagieren mit der Architektur.
Hier ist zum Beispiel ein Brunnen von Andreas Waldmeier gleich am Eingang. Er lädt dazu ein, sich die Hände zu waschen. Ein kleines Ritual, bevor man die Ausstellung überhaupt richtig betreten hat. Es ist als eine Art Übergangsritual gedacht. Von Raum zu Raum geht es um unterschiedliche Schwellen: zwischen innen und aussen, Leben und Tod, Natur und Kultur, aber auch um ganz persönliche Zustände.
Sturm der Gegenwart
Es geht nicht unbedingt darum, bei jedem Werk sofort zu wissen, was es bedeutet. Manchmal geht es eher darum, etwas auszuhalten: Irritation, Unsicherheit, vielleicht auch ein persönliches Unbehagen.
Der Name der Ausstellung «Tempesta» bedeutet Sturm. Das passt zu einer Ausstellung, die in einer Zeit entstanden ist, in der viele Menschen mit Krisen, Krieg, wirtschaftlicher Unsicherheit und einem Gefühl von Orientierungslosigkeit konfrontiert sind. Olga Osadtschy, die künstlerische Direktorin der Fondation, beschreibt die Kunstwerke darum auch als eine Art kleine Hilfestellung für den Umgang mit dieser Gegenwart.
Am Ende des Rundgangs wartet dann wieder Wasser: In der Arbeit «Step by Step Towards Home» von Annie Wan Lai-kuen geht es um einen fragilen Weg, eine Schale Wasser und die Frage, wie man vorsichtig Schritt für Schritt seinen Weg findet. Die Ausstellung beginnt also mit einem Ritual und endet mit einem Bild von Bewegung, Vorsicht und Spannung.
Performance Day x Kunsttage Basel
Morgen am Sonntag wird «Tempesta» im Rahmen der Kunsttage Basel mit Performances erweitert. Die Gast-Performance-Kuratorin Wiebke Wiesner hat dafür Arbeiten ausgewählt, die den Körper und die direkte Begegnung mit dem Publikum ins Zentrum stellen.
Eine dieser Performances ist «The Wizard is Not Real» von Lisa Laurent. Die Choreografin aus Genf arbeitet darin mit dem Thema Tränen und Weinen – und damit mit etwas, das eigentlich sehr persönlich und gleichzeitig allen Menschen vertraut ist.
Die Performance dauert rund dreiviertel Stunden. Sie bewegt sich durch einen Ausstellungsraum und macht das Weinen selbst zum Material der Performance. Es geht dabei nicht darum, eine Geschichte zu erzählen oder etwas eindeutig zu erklären.
Damit führt der Performance-Tag eine Idee von «Tempesta» weiter: Kunst nicht nur als etwas, das vor einem steht, sondern als etwas, in das man selbst hineingerät.
Wer «Tempesta» erleben möchte: Die Ausstellung ist noch bis zum 20. September in der Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis zu sehen.
Der Performance-Tag im Rahmen der Kunsttage Basel findet morgen am Sonntag statt. Um 2 Uhr findet eine Führung mit dem Kurator statt. Später am Nachmittag steht unter anderem Lisa Laurents «The Wizard is Not Real» auf dem Programm, und um 7 Uhr folgt die Premiere der Performance «Oiseau de nuit».
Die Woche
Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.
Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019
Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm
Das Programm
Montag, 18. März 2019
Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus.
19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)
Eintritt frei.
Dienstag, 19. März 2019
Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo
19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)
Eintritt frei.
Mittwoch, 20. März 2019
Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.
17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Donnerstag, 21. März 2019
Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.
Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).
Moderation: Bernard Senn, SRF
Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.
19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Freitag, 22. März 2019
Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)
Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch
19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Samstag, 23. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien
The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required.
14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen
Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg
16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr
Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.
20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Sonntag, 24. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch
14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)
Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.
Eintritt frei.
* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.
** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.
Ausstrahlungstermine
Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)
Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus
u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus
Donnerstag 21.3., 18 h & Samstag 23.3.19, 13 h
Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein
Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h
Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen
Kontakt
tatiana.vieira@radiox.ch
rebecca.haeusel@radiox.ch
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