Woche gegen Rassismus 2020
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020
Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.
Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier.
Die Woche
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Album der Woche: Elink von Kasimyn
Der Producer des ikonischen indonesischen Duos Gabber Modus Operandi hat vor Kurzem sein neues Album «Elink» veröffentlicht. Über eineinhalb Stunden, 20 Songs und mit der Hilfe der Physikalität von synthetischen Klängen erkundet Kasimyn fiktionale Formen von Spiritualität. Wir hören schnelle, verzerrte, elektronische Rhythmen, dichte Stimm-Samples, dicke Synthie-Schichten und Einflüsse von unter anderem Ambient, Drum and Bass und Hardcore. von Dion Monti
26.09.21 – ADW - Kasimyn - Elink - podcast
Das neue Album, Elink von Kasimyn
In den letzten 6 bis 7 Jahren ist in Kreisen von anspruchsvollen Musikhörerinnen immer wieder der Name Gabber Modus Operandi aufgetaucht. Ein Duo aus Bali, das schnelle, verzerrte, elektronische Rhythmen mit indonesischen Tonalitäten, Instrumenten und Praktiken vereint. Mit diesem Projekt wurde das Duo mittlerweile auf die halbe Welt eingeladen und hat es mit ihrem Sound geschafft, in lokalen, indonesischen aber auch globalen Clubs begeisterte Ohren zu finden – und auch faszinierte Hörerinnen bei namhaften internationalen Festivals.
In diesem Arktikel fokussieren wir uns auf eine Hälfte des Duos, den Musikproduzent Kasimyn, der nämlich letzte Woche sein neues Album «Elink» veröffentlicht hat – ein Album voller Einflüsse, von Ambient und Electronica bis Hardcore. Kasimyn stammt ursprünglich aus dem Norden von Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien, hat sich aber vor ca. 10 Jahren ein neues Zuhause in Bali gemacht, und dort hat er auch Ican Harem, den Vocalisten und Band-Partner, kennengelernt. In den Jahren seit ihrem ersten Release 2018 hat Kasimyn auch eigene weitere Projekte unter anderen Alias kreiert und auch eine Karriere als Producer und Komponist aufgebaut – mit Arbeiten für Theater, Ballett und im 2022 Songs mit Björk auf ihrem damaligen Album «Fossora».
Während das letzte Album «Bunyi Bunyi Tumbal» konzeptuell war und sich direkt einem Thema widmete, ist das neue Album «Elink» eher wie ein Mixtape – also eine Sammlung von Songs, die aus verschiedenen Gründen und mit verschiedenen Einflüssen in den Jahren 2020 bis 2025 entstanden sind. Zum Beispiel sind viele der Ideen im Ramen von Zusammenarbeiten mit anderen Künstler*innen aus Ballett, Theater und Film entstanden. Und trotzdem sagt Kasimyn, dass das Album ein übergreifendes Thema hat: In «Elink» geht es um fiktionale Formen von Spiritualität, die mit Hilfe der Physikalität von synthetischen Klängen untersucht werden. Was das bedeuten könnte, ist vielfältig zu interpretieren – und was das für Kasimyn heissen könnte, lässt sich hoffentlich in der Musik finden.
Das fast eineinhalbstündige Album ist – wie auch der Name, je nach Interpretation – voller Gegensätze. Auch das Albumcover hat etwas Widersprüchliches. Auf dem Bild sehen wir einen Golok, ein grosses Messer, das in verschiedenen Formen und Namen in ganz Südostasien zu finden ist. Es ist vergleichbar mit einer Machete und ist einerseits ein alltägliches Werkzeug, aber auch eine Waffe, die traditionell von Männern an der Hüfte getragen wurde – in den 70er Jahren aber vom indonesischen Staat verboten wurde. Auf dem Bild ist ein Golok abgebildet, der anstatt aus Stahl aus einer Platine mit elektronischen Komponenten gebaut ist. Auf instagram nennt Kasimyn das Golok, ‘Future Golok’.
Die Songtitel, die ich mit hife von Deepl aus dem Javanischen übersetzen konnte, erzählen eine eigene Geschichte. Der erste Song heisst «Ishi Bathi», was «der Stein sagt» heisst. Es ist ein mysteriös klingender Song, der als Eröffnungslied mit synthetischen Klängen, die teils wie Flöten klingen, eine Art unklare Antizipation und Spannung erzeugt. Es ist nicht immer klar, was natürliche und was synthetische Klänge sind.
Im siebten Song «Gandrung Liyane», was «Andere Sehnsüchte» heisst, hören wir Kasimyns typische Arbeit mit Stimm-Samples, wo kleine Stimmausschnitte als tonale und perkussive Mittel und ohne Wörter benutzt werden. Bei ungefähr 2:30 minuten, im letzten Drittel, gibt es mit Hilfe von choralen Schichten dann einen Moment der Erlösung von den doch irgendwie beunruhigenden Schrei-Samples.
In der Mitte des Albums ist der für mich zugänglichste Song, der ‘Saru’ – ‘der Hund’ heisst. Dort hören wir den berühmten Amen-Break in Jungle-Manier angewendet. Ein Rave- und trance-inspirierter, seltener «Hands in the Air»-Moment im Album.
Die zweite Hälfte des Albums wird deutlich lärmiger, verzerrter und rhythmisch anspruchsvoller, findet mit den zwei letzten Songs aber auch ein ruhiges Ausklingen.
Der 19. Song heisst «Asmaradhana Selamanya» (ewige Romantik / Liebe). In meinen Recherchen bin ich auch auf ein Javanisches Gedicht aus aus dem 12. Jahrhundert das (A)Smaradhana heisst gestossen. In diesem Gedicht aus der indonesischen Mythologie, geht es um die Geister von zwei verstorbenen Liebesgöttern, die für Liebe, Lust und Anziehung und die damit verbundenen Freuden und Leiden bei den Menschen verantwortlich sind.
«Elink» von Kasimyn ist ein anspruchsvolles, langes Album mit vielen spannenden Einflüssen und Songs, die durch Repetition und grelle Verzerrung, je nach Tagesstimmung, einen teils an Grenzen treiben können. Es ist als Ganzes aber auch sehr stimmig, und wer will, findet garantiert viel geistig Spannendes und Stimulierendes zum Thema Spiritualität, indonesischer Kultur, Klangsynthese, Physikalität und vielem, vielem mehr.
Programm
Montag, 16. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Internetcafé Planet 13
20.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
- Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)
Dienstag, 17. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Verein Mitstimme
Mittwoch, 18. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Donnerstag, 19. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Projekt Netzwerk Antirassismus
18.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
Freitag, 20. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Awareness Basel
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.
Samstag, 21. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider
13.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.
16.00 Uhr
- Sendung zur beruflichen und sozialen Integration mit Personen aus Eritrea und Somalia auf Radio X, von Vitamin B/Radioschule klipp+klang
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.
22.00 Uhr, doors: 21 Uhr
- +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.
Sonntag, 22. März
10.00 Uhr
- Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Kantonspolizei Basel-Stadt
16.15 Uhr
- +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.
Samstag, 28. März
16.00 Uhr
- Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)
Kontakt
rebecca.haeusel@radiox.ch
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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: