Gertrud Dübi-Müller: Kunst fördern und befördern
Vermutlich war sie die erste Solothurnerin mit Auto: Gertrud Dübi-Müller war Alpinistin, Fotografin, Sammlerin und Mäzenin. Ihr Porträt im «Blick ins Unendliche» von Ferdinand Hodler hängt seit Jahrzehnten im Treppenhaus des Kunstmuseums Basel. Die Ausstellung «Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet» rückt nun eine Frau ins Zentrum, die in der Schweizer Kunstgeschichte lange eher im Hintergrund geblieben ist. von Mirco Kaempf
Gertrud Dübi-Müller
Das Kunstmuseum Basel zeigt eine Ausstellung zur Sammlerin und Mäzenin Gertrud Dübi-Müller in "Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet"
Über den Kunstsammler Oskar Miller fand Dübi-Müller Zugang zur Kunst. Mit knapp 20 Jahren kaufte sie bereits ein Werk von Vincent van Gogh. Später unterstützte sie Künstler:innen wie Hodler, Cuno Amiet oder Alice Bailly nicht nur finanziell, sondern pflegte Freundschaften mit ihnen und machte ihre Werke durch Ankäufe und Leihgaben einem breiteren Publikum zugänglich. Dabei sammelte sie auch Kunst, die zu ihrer Zeit noch umstritten war und längst nicht den heutigen kanonischen Status besass.
Ihr Vermögen eröffnete Dübi-Müller Freiheiten, die für Frauen ihrer Gesellschaftsschicht keineswegs selbstverständlich waren. Sie fuhr Auto, ging in die Berge und betätigte sich als Fotografin. Doch sie nahm sich diese Freiheiten auch aktiv. Die Ausstellung erzählt deshalb nicht nur von einer Sammlerin mit aussergewöhnlichen Möglichkeiten, sondern auch von einer Frau, die diese Möglichkeiten nutzte, um Kunstschaffen zu fördern.
«Es gibt kein Künstlergenie ohne ein Netzwerk, das es unterstützt», sagt Kuratorin Géraldine Meyer im Gespräch. Der Satz bringt einen zentralen Gedanken der Ausstellung auf den Punkt: Kunstgeschichte entsteht nicht allein durch die grossen Namen, sondern auch durch jene, die ihnen Vertrauen schenken, Werke kaufen und Beziehungen aufrechterhalten.
Das Cabriolet im Ausstellungstitel steht für diese Bewegungsfreiheit – und für Dübi-Müllers Rolle in diesem Netzwerk. Mit einem Van-Gogh-Gemälde im Gepäck fuhr sie über die Alpen, um Giovanni Giacometti und Cuno Amiet zu besuchen, damit diese es inihren Ateliers studieren konnten.
«Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet» ist damit nicht nur ein Rundgang durch die Schweizer Kunstgeschichte. Die Ausstellung zeigt, wie sehr diese Geschichte von Freundschaften, finanziellen Möglichkeiten und Menschen geprägt wurde, die Kunst sichtbar machten – auch wenn sie selbst lange im Hintergrund blieben.