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Album der Woche: Have a Heart von The Klittens

Have A Heart – es ist ein Ausruf, eine Klage, eine Bitte. Es ist auch das Debütalbum der niederländischen Band The Klittens, die einen ganzen Longplayer gemacht haben, in dem es genau darum geht: sich ein Herz zu fassen, inmitten verschiedener Zustände von Hilflosigkeit. von Mirco Kaempf

Album der Woche: Have a Heart von The Klittens

Die Klittens veröffentlichen ihr Debütalbum. Wir haben im August nach einem Gig mit ihnen gesprochen.

Vor acht Jahren haben sich The Klittens zusammengefunden, unter anderem als Ersatz für politischen Aktivismus. Kurz nach ihrem ersten Gig überhaupt in Basel, diesen August, haben sie im Interview davon erzählt. Musik aber, das haben sie gelernt, ist nicht per se rebellisch.

“I don't think music can really serve as an activist tool. But maybe it can capture what's happening right now. It's a moment in time, or a reflection of the world, more than being a political platform.” (Winnie Conradi, Gitarre)

The Klittens sind und bleiben ein work in progress, im besten Sinn. Statt fertige Antworten und Refrains zu produzieren, suchen sie im gemeinsamen Spielen nach Reibung, nach Überraschungen, nach Lösungen. Was persönlich und politisch ist, wird so zum gemeinsamen Resonanzraum.

“I really like disrupting songs, especially when I feel like the structure is too steady. I often like to either make it very dissonant or add a crazy noise part.” (Winnie Conradi, Gitarre)

Das hört man den Songs auch an. Gitarren kommen sich in die Quere, ein Groove wird plötzlich unterbrochen, eine Melodie nimmt eine unerwartete Wendung. Die einzelnen Stimmen der fünf verschwinden dabei nie ganz in der Masse. Im Gegenteil: Gerade weil nicht alles von einer einzelnen Person vorgegeben wird, bleiben die individuellen Ideen hörbar. Die Reibung wird zum Sound.

The Klittens sind eine FLINTA-Band und die Interpretation der Songs entlang einer feministischen Linie liegt nahe. Der gleichnamige Opener «Have A Heart» lädt dazu ein. Im ersten Moment erinnern die Lyrics ans Wütendsein, vielleicht an eine patriarchale Dominanz im Alltag, wo Männer das Wort ergreifen, statt zuzuhören, was im Back-and-forth von Lead- und Backingvocals lässig zur Schau gestellt wird. Wenn man weiterdenkt, ist es aber universeller. Sich ein Herz zu nehmen und der eigenen Stimme zu vertrauen – das braucht Mut.

Um Universalität geht es vielleicht auch im Song «Zelda», wo eine Form von Zeitlosigkeit verhandelt wird. Nach einer Konversation über Existenzialismus schwankt man zwischen Gleichgültigkeit und Allgemeingültigkeit. Leises Klatschen – und die Offenheit der Möglichkeiten bleibt. Bis es im nächsten Track plötzlich wieder haptischer wird, mit einer klaren Ansage in «Nothing To Teach». Vielleicht ein Song über performative Männlichkeit. Vielleicht aber auch über jeden Menschen, der meint, immer etwas zu sagen haben zu müssen.

Es spricht für die Songs von The Klittens, dass man sie mehrfach auslegen kann. Musik, sagt Winnie, sei kein Aktivismus. Aber sie könne Communities bewegen, den Fächer aufmachen. Bei The Klittens wird sie so zum punkphilosophischen Prosaalbum. Eben weil verschiedene Stimmen Eingang finden: mit verschiedenen Meinungen, Themen, Verses und Licks, weil vieles zugelassen und gemeinsam erarbeitet wird.

Eine fluide Stringenz, die mit einer einzigen Person als Chef in der Band gar nicht möglich wäre. Und vielleicht ist genau das auch der Unterschied zu einer gewissen traditionellen Punk-Geste: Es geht nicht darum, möglichst sicher zu wissen, wogegen man ist. Sondern darum, empfänglich zu bleiben – für die Mitmusikerinnen, für Widerspruch, für Unsicherheit.

“The actual work that people can do to change things – in your own surroundings, in your own personal life, or in the way you think – works better with some sensibility than just screaming your anger off the stage.” (Winnie Conradi, Gitarre)

Wer die Revolution will, muss zuerst einmal emotional verfügbar sein.