Woche gegen Rassismus 2020
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020
Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.
Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier.
Die Woche
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Kultur ohne Bühne: Warum der Kulturjournalismus verschwindet
Die Medien sind in der Krise. Der Wandel in die digitale Welt, die sinkenden Einnahmen und der Vertrauensverlust betreffen die gesamte Branche. Besonders stark leidet der Kulturjournalismus darunter. Wieso das so ist, was die Folgen sind und mögliche Lösungen hörst du in diesem Beitrag. von Brais Jequier Ramos
26.03.11. SOS Kulturjournalismus
Stell dir vor, in Basel fände ein Festival statt – aber niemand erfährt davon. Ein Theaterstück rüttelt an unserer Bequemlichkeit – aber kein Medium schreibt darüber. Eine lokale Band veröffentlicht das Album – aber es findet nicht statt. Zumindest nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Kultur ohne Journalismus ist wie ein Schrei in einem schallisolierten Raum. Sie ist da, aber erreicht niemanden. Doch genau dieses Schweigen breitet sich aus. Redaktionen müssen sparen, und Kultur ist oft das erste Opfer. Aber ist Kulturjournalismus wirklich nur ein Nice-to-have für Bildungsbürger Oder sind wir dabei, den gesellschaftlichen Zugang zu Kultur zu verlieren? Wieso als erstes am Kulturjournalismus eingespart wird, was das für Folgen hat und was mögliche Lösungen sein könnten – darum geht es in diesem Beitrag. Dafür habe ich mit Personen aus Kultur, Politik und Medienwissenschaft gesprochen.
Die Abnahme an Kulturjournalismus
Dass der Platz für Kultur in Zeitung, Radio und Fernsehen schrumpft, ist eine Beobachtung, die sich durch die Aussagen aller Interviewpartner:innen zieht.
GLP-Grossrat Johannes Sieber bemerkt diesen Rückgang schon lange: «Er ist abnehmend. In der «Basler Zeitung» gab es vor 15 oder sogar 20 Jahren eine Beilage, ein Tabloid-Format, das eine Kulturbeilage war, wo Vorschauen, aber auch Rezensionen in einer Extrabeilage publiziert wurden, einmal pro Woche in der «Basler Zeitung». Das gibt es heute nicht mehr. (…)»
Es geht einerseits also um die Sichtbarkeit. Dabei ist aber nicht nur die Menge der Artikel ausschlaggebend. Ines Goldbach, Direktorin des Kunsthaus Baselland, macht sich auch Sorgen um die Qualität der Beiträge: « (...) Man merkt natürlich schon sehr deutlich, dass man sowas sehr schnell und leicht einspart. Von dem her denke ich, wäre es schon gut, wenn mehr Geld für mehr Zeit da wäre. Auch für euch im Kulturjournalismus, damit man etwas auch fundiert machen kann und die Zeit dazu hat. (...)»
Die Berichte werden weniger, die Berichterstattung verliert an Tiefe und der Fokus verschiebt sich. Das beobachtet Tobias Brenk, Künstlerischer Leiter der Kaserne: Es würde mehr über die Rahmenbedingungen als über die Kultur selbst berichtet werden: «(…) Der Kulturteil, den wir so kennen im Kulturjournalismus, ist ja eigentlich so ein Beschrieb von Lifestyle-Magazinen geworden, wo man merkt, es geht eigentlich um Kochrezepte, um das Design eines Sofas oder darum, wie wir irgendwie unser Leben im Digitalen und im Analogen vereinbaren können. Es ist fast so eine Lebensberatung geworden. «Und Kultur und Kunst und die Auseinandersetzung mit uns als Gesellschaft und auch die komplexe Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, die ist eigentlich fast nicht mehr präsent.»
Ein reales Problem mit realen Auswirkungen
Es klingt nach einem theoretischen Problem für Feuilleton-Liebhaber*innen Aber für Institutionen geht es um mehr. Wenn es keine Berichte gibt, zeigt sich das an den leeren Plätzen. Kulturjournalismus würde ganz klar das Publikum beeinflussen, so Matthias Grupp, Co-Theaterleiter des Vorstadttheaters Basel.
Doch jetzt stellt sich die Frage: Brauchen wir im Jahr 2026 überhaupt noch klassische Medien? Reichen Instagram, Tiktok und Facebook da nicht aus? Die Institutionen und Kulturschaffenden könnten doch einfach selbst Werbung machen. Und obwohl Social Media durchaus eine wichtige Plattform ist, kann sie Kulturjournalismus trotzdem nicht ersetzen. Social Media ist Werbung – Journalismus setzt sich mit den Inhalten auseinander: kritisiert, interpretiert, vermittelt. Und: Er erreicht ein breites Publikum, anstatt einer spezifischen Bubble, so Friedrich von Bose, Direktor des Museum der Kulturen.
Die Finanzierung ist das Problem
Warum wird im Kulturjournalismus also immer mehr eingespart? Die Antwort liegt beim Geld – und der Art, wie wir heute Informationen konsumieren. Einnahmen, die Zeitungen früher mit Werbeanzeigen generieren konnten, gehen heute an Social-Media-Plattformen verloren. Und wo wir früher eine ganze Zeitung abonniert haben oder das Radio und Fernsehen im Hintergrund liefen, wählen wir uns heute ganz gezielt aus, was wir konsumieren möchten, meist aus vielen verschiedenen Quellen. Jeder Artikel muss also interessant genug sein, um sich allein zu verkaufen. Da zieht der spektakuläre Skandal mehr Klicks als der «unspektakuläre», regionale und nichige Kulturjournalismus. Das sagt auch Matthias Zehnder, Publizist und Medienwissenschaftler: «Die grossen Zeitungen in Basel sind ja heute Kopfblätter. Das heisst, sie gehören zu grossen Verlagen, die Zeitungen für die ganze Schweiz produzieren. Deshalb kommt ein grosser Teil der Kulturberichterstattung nicht mehr aus Basel und widmet sich Baselthemen, sondern widmet sich schweizerischen oder internationalen Themen und setzt sich nicht mehr so direkt mit der Kultur in Basel auseinander. Dazu kommt, dass sich viele Medien heute auf den Erfolg im Internet ausrichten. Sie orientieren sich nach Klicks und nicht mehr an der wichtigen Auseinandersetzung mit vielleicht zum Teil komplexen Themen. Das führt dazu, dass die Medien heute lieber über Lebens- und Gesellschaftsthemen berichten und das unter Kultur fassen, als über ein wichtiges Buch oder eine komplizierte Theateraufführung. Das sieht man sogar an den Titeln der Kulturseiten. Bei der Basler Zeitung heisst die Kulturseite heute «Kulturgesellschaft und Wissen» und bei der BZ heisst sie «Kultur und Leben». Dazu gehört unter Umständen auch etwas über die Ovomaltine oder die Kultur des Aromats und nicht mehr nur das Theater und das Museum."
Die Förderung durch die öffentliche Hand
Die Kulturberichterstattung hängt also an der Finanzierung. Und diese scheint nicht mehr auszureichen, obwohl der Staat die Medien bereits unterstützt. Zeitungen erhalten Presseförderung – konzessionierte Radio- und Fernseh-stationen erhalten Serafe-Gebühren. Onlinemedien gehen leer aus. Dass diese Art von Finanzierung nicht mehr auszureichen scheint, führte auch dazu, dass im 2022 ein Massnahmenpaket zur Medienförderung zur Abstimmung vors Volk kam. In Basel-Stadt stiess das zwar auf positive Resonanz, national wurde es jedoch abgelehnt. Es müssten also die Kantone einspringen, doch auch da ist bisher im Kanton Basel-Stadt wenig passiert.
Doch welche Optionen gäbe es denn überhaupt?
Johannes Sieber, Grossrat der GLP, schlug im Basler Parlament vor, den Kulturjournalismus über das kantonale Kulturfördergesetz zu unterstützen. Journalismus als Teil der Kulturvermittlung. Damit könnte man dann die individuellen Kulturjournalist*innen finanziell unterstützen.
Während Johannes Sieber sich eine Förderung des Kulturjournalismus als Teil der Kulturvermittlung per Kulturfördergesetz vorstellen kann, sieht Tobias Brenk, künstlerischer Leiter der Kaserne, einen anderen möglichen Ansatz: «Das, wovon die Stadt profitiert, ist ja immer, attraktiv zu sein für Menschen von aussen. Und die bringen Geld in die Stadt und das Kulturprogramm dieser Stadt und auch die grossen Landmarks oder die grossen Institutionen profitieren alle davon, von einer lebendigen Szene. Und diese lebendige Szene besteht nicht nur aus Künstler*innen und Menschen, die etwas schaffen, sondern auch aus Menschen, die darüber sprechen, und dass wir uns dafür interessieren und darüber diskutieren. Und ich würde mir eigentlich wünschen, dass da wie so eine Art, ja, dass die Einnahmen von sowas dann vielleicht zum Beispiel in die Presse fliessen würden oder in einen Kulturbeitrag oder eine Kulturkritik, eine stärkere Kulturkritik in dieser Stadt.»
Gefährdung der Unabhängigkeit durch staatliche Förderung?
Aber gefährdet eine solche Förderung die Unabhängigkeit der Medien? Das gibt der Basler Regierungsrat in der Stellungnahme zu den Wünschen von Johannes Sieber betreffend die kantonale Förderung des Kulturjournalismus zu bedenken. Matthias Zehnder, Publizist und Medienwissenschaftler, sieht das anders. Bereits heute könnte man, bei Werbeinseraten gegen die Unabhängigkeit argumentieren. Das sei nicht eine Sache der Finanzierung, sondern der Ethik der einzelnen Journalisten*innen.
Ist eine öffentliche Förderung überhaupt richtig und machbar?
Ein zu geringes Vertrauen in die Medienlandschaft und eine zu geringe Wertschätzung des Kulturjournalismus könnten eine öffentliche Förderung erschweren: Denn neben Politik, Wirtschaft und weltweiten Krisen wird die Kultur oft als Luxusgut angesehen. Die Öffentlichkeit von der Wichtigkeit zu überzeugen, sei schwierig, meint Marcus Rehberger, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit im Theater Roxy.
Während für die einen eine staatliche Förderung die Lösung für die finanzielle Krise der Medien ist, sehen andere darin keinen Sinn. Denn wenn sich niemand für den Kulturjournalismus interessiert, liegt da nicht das Problem bei den Medien selbst? Für Sebastian Schlegel, Fachleiter für Kommunikation im Musikbüro Basel, muss der Kulturjournalismus selbst wieder an Relevanz gewinnen. Dann würde es auch ganz automatisch wieder konsumiert werden.
Die Folgen
Wir stehen an einem Wendepunkt. Dass sich der Journalismus an die digitale Welt anpassen muss, mit neuen Formaten auf Social Media, wie es auch Studien der Universität Zürich nahelegen, ist klar. Doch die Kernfrage bleibt: Was ist uns eine reflektierte Gesellschaft wert? Eines ist sicher: Wenn die Kultur aus dem öffentlichen Diskurs verschwindet, dann stirbt die Stadt nicht von heute auf morgen. Aber sie wird leiser, Perspektiven und Diskurse gehen verloren, und der Zugang zu Kultur wird schwieriger.
Programm
Montag, 16. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Internetcafé Planet 13
20.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
- Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)
Dienstag, 17. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Verein Mitstimme
Mittwoch, 18. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Donnerstag, 19. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Projekt Netzwerk Antirassismus
18.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
Freitag, 20. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Awareness Basel
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.
Samstag, 21. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider
13.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.
16.00 Uhr
- Sendung zur beruflichen und sozialen Integration mit Personen aus Eritrea und Somalia auf Radio X, von Vitamin B/Radioschule klipp+klang
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.
22.00 Uhr, doors: 21 Uhr
- +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.
Sonntag, 22. März
10.00 Uhr
- Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Kantonspolizei Basel-Stadt
16.15 Uhr
- +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.
Samstag, 28. März
16.00 Uhr
- Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)
Kontakt
rebecca.haeusel@radiox.ch
Social Media
Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: