Woche gegen Rassismus 2020
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020
Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.
Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier.
Die Woche
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Album der Woche: Nathalie Froehlich - Et la Fin sera Belle
Im langersehnten Debütalbum von Nathalie Froehlich „Et la Fin sera Belle“ („Und das Ende wird schön sein“) dreht sich alles um Freiheit: Konventionen infrage zu stellen und durch Musik und Bilder die rohe Wahrheit der menschlichen Existenz zu erfassen und zu fühlen. Sie bewegt sich in einer Welt, in der die Apokalypse beinahe zur Fantasie wird. Wir haben Nathalie Froehlich zum Gespräch eingeladen. von Danielle Bürgin
26.03.23 ADW Nathalie Froehlich
Et la fin serra belle: Auf dem Debütalbum von Nathalie Froehlich geht es auch um Utopien.
Nathalie Froehlich: “Even if everything is falling apart, we’ll keep creating”
Die Schweizer Künstlerin Nathalie Froehlich nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit einer Mischung aus Techno, Rap und Baile Funk schafft sie einen Sound, den sie selbst als „happy, angry music“ beschreibt – energiegeladen und gleichzeitig politisch aufgeladen. Bei ihrem Besuch bei Radio X in Basel sprach die in Lausanne lebende Musikerin über ihr neues Album, künstlerische Freiheit, den Druck sozialer Medien und warum es heute wichtiger denn je ist, sich zu äussern.
Eine Stimme aus dem Underground
Bevor Nathalie Froehlich ein grösseres Publikum erreichte, war sie tief in der Underground-Rave-Szene verwurzelt – ein Einfluss, der ihre Arbeit bis heute prägt.
„Für mich ist es unmöglich, Musik ohne eine Botschaft zu machen“, sagt sie. „Ich komme aus der Rave- und Underground-Szene, wo Ausdruck und Freiheit zentral sind.“
Doch dieser Anspruch lässt sich nicht immer leicht in den Mainstream übertragen. „Wenn man international wachsen will, wird es schwierig, wirklich alles zu sagen, was man denkt“, erklärt sie. „Die Welt wirkt im Moment sehr gespalten – fast wie zwei gegnerische Lager. Das ist schon beängstigend.“ Trotzdem sieht sie auch Hoffnung: „Viele Menschen wollen über Ungerechtigkeit und Diskriminierung sprechen. Ich bin damit nicht allein – und das ist wichtig.“
„Happy, angry music“ in einer zerfallenden Welt
Ihr Debütalbum Et la fin serra belle fängt genau diese Spannung ein. Es ist Musik, die zum Tanzen bringt – und gleichzeitig zum Nachdenken. „Die Welt fällt auseinander, ganz klar“, sagt Froehlich. „Aber es wird immer Menschen geben, die versuchen, etwas Gutes zu schaffen – Gemeinschaften aufzubauen und für ihre Rechte zu kämpfen.“
Diese Haltung stammt direkt aus ihrer Zeit in der Rave-Kultur. „Ich habe so viele Menschen getroffen, die kaum etwas hatten und trotzdem versucht haben, etwas Schönes entstehen zu lassen. Selbst wenn alles zerbricht, werden wir weiter reden, weiter Momente geniessen – und weiter feiern.“
Keine Grenzen zwischen Genres
Froehlich gehört zu einer Generation von Künstler:innen, die sich nicht mehr an Genregrenzen halten. Was früher strikt getrennt war – etwa Techno und Hip-Hop – verschmilzt heute ganz selbstverständlich. „Heute wird alles gemischt“, sagt sie. „Rap mit Reggaeton, Dembow, Techno oder sogar klassischer Musik – alles ist möglich.“
Dabei geht es ihr weniger um Neuerfindung als um Weiterentwicklung: „Wir erfinden nichts komplett Neues, wir remixen bestehende Codes. In den 90ern gab es schon MC-Kultur in elektronischer Musik. Wir greifen das wieder auf und machen etwas Neues daraus.“ Ihr eigener Stil entstand eher zufällig: „Ich habe Raves organisiert, meine Freund:innen haben aufgelegt – und ich habe einfach über alles gerappt: Disco, Techno, experimentelle Sounds. So hat sich das entwickelt.“
Leben im „Metaverse“
Mit ihrer Single Métavers greift Froehlich ein Thema auf, das viele Künstler:innen betrifft: den Druck sozialer Medien. „Heute muss man ständig online sein – vor allem als Künstler:in“, sagt sie. „Man muss permanent Content produzieren. Das kann sich völlig verrückt anfühlen.“ Die Widersprüchlichkeit ist ihr bewusst: „Alle kritisieren Social Media, aber wir sind trotzdem darauf angewiesen. Genau darum geht es in dem Song.“
Zwischen Wüste und digitaler Welt
Diese Spannung zwischen realer und digitaler Welt zeigt sich auch im Musikvideo zu Metaverse. Gedreht in der marokkanischen Wüste, erinnert es an eine dystopische Mad-Max-Ästhetik. „Wir wollten einen Ort im Nirgendwo – mit Pferden, Pick-ups und einer Party mitten in der Wüste“, erzählt sie. „Gleichzeitig gibt es überall Kameras, als Verbindung zum Metaverse-Thema.“ Die Produktion war aufwendig und nicht ohne Probleme. „Es war extrem anstrengend – viele Schwierigkeiten, steigende Kosten. Aber ich bin sehr stolz auf das Ergebnis. Es war ein Traumprojekt.“
Kritik, Hass und Realität
Als politisch positionierte Künstlerin ist Froehlich immer wieder mit Kritik konfrontiert – oft weit über sachliche Kritik hinaus. „Ich habe alles erlebt – Morddrohungen, Vergewaltigungsdrohungen, Kommentare über meinen Körper oder mein Aussehen“, sagt sie. Sie sieht darin auch ein strukturelles Problem: „Als Frau, besonders mit politischen Inhalten, wird einfach alles bewertet – nicht nur deine Kunst, sondern auch dein Aussehen.“
Besonders frustrierend: Der Umgang damit ist schwierig. „Ich habe weder die Zeit noch das Geld, rechtlich dagegen vorzugehen. Und wenn ich Namen nenne, könnte ich selbst Probleme bekommen.“ Trotzdem versucht sie, sich davon nicht bestimmen zu lassen: „Ich spreche darüber in Interviews und mit Freund:innen. Aber im Alltag versuche ich, dem nicht zu viel Raum zu geben.“
Persönliches wird politisch
Viele Songs des Albums greifen persönliche und gesellschaftliche Themen auf. La foule beschreibt das Gefühl, allein in einer Masse zu stehen: „Wenn alle in eine Richtung gehen und du nicht verstehst warum – dann fühlst du dich komplett isoliert.“
Fantasy thematisiert sexuelle Belästigung und toxische Beziehungen. „Fast jede Frau hat so etwas erlebt. Wir sprechen darüber, aber es ändert sich zu wenig. Deshalb ist es wichtig, das Thema sichtbar zu machen.“
Selbst energiegeladene Tracks wie My House sind mehr als nur Party-Songs – sie sind auch eine direkte Antwort auf Kritik und Anfeindungen, besonders in der Live-Performance.
Ein leiser Abschluss
Das Album endet überraschend ruhig – mit dem fast balladenartigen Song La fin du monde. „Man kann ihn als Liebeslied verstehen“, sagt Froehlich, „aber auch als Metapher für Abhängigkeit.“ Es geht um das Gefühl, zu wissen, dass einem etwas nicht guttut – und trotzdem nicht loslassen zu können. „Es ist eigentlich mein erstes richtiges Liebeslied“, sagt sie. „Live spielen wir es nur mit Klavier und Stimme. Das ist ein sehr emotionaler Moment zum Abschluss.“
Weitermachen – trotz allem
Trotz aller Herausforderungen der heutigen Zeit bleibt Nathalie Froehlich optimistisch. La fin serra belle – oder: „Selbst wenn alles auseinanderfällt, machen wir weiter. Wir sprechen weiter, wir erschaffen weiter – und wir kommen zusammen.“
Und vielleicht ist genau das heute wichtiger denn je.
Das Gespräch mit Nathalie Froehlich hat Danielle Bürgin im Radio X Studio aufgezeichnet.
Programm
Montag, 16. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Internetcafé Planet 13
20.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
- Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)
Dienstag, 17. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Verein Mitstimme
Mittwoch, 18. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Donnerstag, 19. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Projekt Netzwerk Antirassismus
18.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
Freitag, 20. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Awareness Basel
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.
Samstag, 21. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider
13.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.
16.00 Uhr
- Sendung zur beruflichen und sozialen Integration mit Personen aus Eritrea und Somalia auf Radio X, von Vitamin B/Radioschule klipp+klang
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.
22.00 Uhr, doors: 21 Uhr
- +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.
Sonntag, 22. März
10.00 Uhr
- Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Kantonspolizei Basel-Stadt
16.15 Uhr
- +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.
Samstag, 28. März
16.00 Uhr
- Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)
Kontakt
rebecca.haeusel@radiox.ch
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