Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Was tun diese Schweizer Festivals für unsere Zukunft?

Festivals sind mehr als Musik – sie spiegeln Zeitgeist, Träume und zunehmend auch ökologische Verantwortung. Doch wie gelingt nachhaltiges Feiern wirklich? Ein Blick auf vier kleine Festivals in der Schweiz, die neue Wege gehen.  von Mirco Kaempf

25.07.15 Kleine Festivals und Nachhaltigkeit

Wir reden mit dem Summerfest vom Terrain Gurzelen, Cycloton, Landskron und One of a Million über Nachhaltigkeit

Die Schweiz gilt immer noch als eines der Länder mit der höchsten Festivaldichte weltweit. Kein Wunder also, dass Festivals hierzulande oft als kulturelle Seismografen dienen – Orte, an denen sich der Zeitgeist beobachten lässt, an denen Unterhaltung, Gesellschaftspolitik und Zukunftsvisionen aufeinandertreffen. Vor allem im alternativen Bereich versprechen Musikfestivals oft eine Art von Utopie. Doch dieses Versprechen hat seinen Preis.

Wenn riesige Bühnen auf leere Felder transportiert werden, Dieselgeneratoren laufen und Essen in Einwegplastikschalen serviert wird, entstehen nicht nur eindrückliche Bilder – sondern auch messbare Umweltauswirkungen. Die Müllberge auf den Campingplätzen am Tag danach sind in unser mediales Gedächtnis gebrannt, besonders kritisch wird es jedoch bei den weniger offensichtlicheren Auswirkungen, so vor allem bei den CO₂-Emissionen durch An- und Abreise, die in der Regel kaum mit dem öffentlichen Verkehr erfolgt. Je grösser das Festival, desto grösser die Belastung.

Der 2023 erschienene Dokumentarfilm Musikfestivals: Zwischen Aktivismus und Greenwashing, produziert von Music Declares Emergency Switzerland, zeigt einige der Massnahmen, mit denen Schweizer Festivals gegensteuern: Das Openair Frauenfeld ersetzt zwei von 18 Dieselgeneratoren durch Batterien, das Openair Zürich verkauft Secondhand-Kleidung, und am Montreux Jazz Festival fischen freiwillige Helfer:innen Müll aus dem Genfersee – und erhalten dafür Kaffee und Gipfeli vom Festival.

Doch ist das alles nur Greenwashing? Oder sind es erste, wichtige Schritte? Diese Frage stellen die Regisseurinnen Daniela Weinmann und Céline Werdelis in den Raum. In diesem Beitrag wollen wir den Blick auf vier kleinere Schweizer Festivals richten, die das Thema Nachhaltigkeit auf ihre ganz eigene Art angehen – denn Wandel beginnt oft im Kleinen.

Summerfest im Terrain Gurzelen (Biel)

Zwischennutzung trifft Musikfestival: Seit bald zehn Jahren findet in Biel das Summerfest statt – ein alternatives Musikfestival im ehemaligen Fussballstadion des FC Biel, das heute als kreatives Zwischennutzungsprojekt dient. Das Terrain Gurzelen ist inzwischen Heimat für Gärten, Musikstudios, Ateliers, Tennisplätze und ist kurz gesagt ein Ort für kollektive Ideen und gelebte Nachhaltigkeit.

Matthias Rutishauser, einer der Mitorganisatoren, betont die starke Verankerung in der Community: Alles geschieht ehrenamtlich, das Booking ist dezentral organisiert, die Bühnen werden von verschiedenen Gruppen kuratiert. Besucher*innen kommen meist zu Fuss, mit dem Velo oder per ÖV. Plastikbecher gibt es zwar – aber mit Pfandsystem. Die grösseren Bühnen werden von aussen gebracht und aufgebaut, der Rest bleibt minimal. Nachhaltigkeit sieht man hier vor allem als Community Arbeit.

Cycloton - Tour de Suisse en Musique

Ein Festival welches auf dem Fahrrad Platz hat: Hinter dem "Cycloton" Projekt steht Schlagzeugerin und Aktivistin Béatrice Graf (u.a. bekannt von Ester Poly), die gemeinsam mit Musiker Domi Chansorn und wechselnden Gästen durch die Schweiz tourt – per Velo. Während drei Wochen im Juli radeln sie von Ost- nach Westschweiz, geben Konzerte mit regionalen Musiker*innen, und der Strom fürs Konzert wird live erradelt.

Mit dabei sind Künstler:innen wie Odd Beholder, Donat Kaufmann, Sebastian Rotzler oder Claudia Masika. Der Cycloton ist ein Statement gegen den Gigantismus und für regionale, klimafreundliche Kultur – und ein konkreter Appell, Tourneen lokal zu denken. Auch hier sei neben grünem Strom Community wichtig, sie beschreibt diese Konzertorte auch als Safer Spaces, um miteinander Momente zu teilen. Diese Woche machen sie Halt in Zofingen (Donnerstag), Huttwil (Freitag), Solothurn (Samstag) und Langnau (Sonntag).

Festival Landskron (Basel-Leymen)

Hier ist die Natur Teil des Lineups: Das Festival Landskron ist wahrscheinlich das spartanischste und gleichzeitig eines der exquisitesten Formate in der Schweizer Festivallandschaft. Es findet einmal jährlich mit nur rund 120 Besucher*innen statt – auf einer Wanderung von Basel über die Landesgrenze nach Leymen zur Burg Landskron.

Alexandra Adler und Sandro Bernasconi, die das Festival organisieren, kuratieren Musik und Kunst als Teil eines Erlebnisses in der Natur – oft mehrsprachig, immer experimentell. Neben Konzerten gibt es Beiträge von Fachpersonen aus den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik. Alles ist handverlesen, hochwertig und bewusst minimalistisch. Im Zentrum stehen persönliche Begegnungen, zwischen den Künstler:innen und den Besucher:innen. Die nächste Ausgabe findet am Sonntag, 31. August statt - und ist bereits ausverkauft.

One Of A Million Festival (Baden)

Das klimaneutrale Indoor-Festival: Seit 2017 ist das One Of A Million Festival (OOAM) klimaneutral – und seit 2019 ist Fabian Mösch Teil der Festivalleitung. Das Festival nutzt verschiedene Spielorte in der Stadt Baden und denkt Nachhaltigkeit konsequent mit: Strom stammt aus lokaler Wasserkraft, ÖV-Tickets sind im Eintritt enthalten, und das Booking wird unter klimapolitischen Gesichtspunkten geplant.

Das Festival setzt nicht nur auf ökologische, sondern auch auf soziale Nachhaltigkeit. Diversität, niederschwelliger Zugang, soziale Werte und bewusster Umgang mit Machtstrukturen stehen im Zentrum. Das OOAM versteht sich als Plattform für kulturelle und gesellschaftliche Möglichkeiten – ein Ort der gelebten Haltung.

Kleine Festivals, grosser Impact?

Man kann sagen: All diese Initiativen sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Solange Kriegsmaschinerien laufen, fossile Industrien subventioniert werden und soziale Ausbeutung Alltag ist, scheint der Einfluss von Festivals verschwindend gering. Doch das wäre zu einfach. Denn Festivals erreichen viele Menschen – und sie setzen Trends. Was bei kleinen Veranstaltungen beginnt, landet  später auf den grossen Bühnen. Stars wie Billie Eilish setzen sich heute für nachhaltigere Tourbedingungen ein. Aber oft waren es die kleinen, engagierten Formate, die zuerst gehandelt haben.

Laut dem Nachhaltigkeitsbericht von Music Declares Emergency (2022) entfallen rund 67 % der CO₂-Emissionen von Schweizer Festivals auf die An- und Abreise von Besucher:innen und Künstler:innen. Danach folgen Verpflegung und Strom. Die Botschaft ist klar: Kultur braucht Energie – aber ein bewussterer Umgang ist möglich und notwendig. Denn: Wofür musizieren, wenn man nicht an eine Welt glaubt, die morgen noch existiert?

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

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