Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Album der Woche: Mindsuckers von Harvey Rushmore & The Octopus

Harvey Rushmore & The Octopus entwerfen auf ihrem vierten Studioalbum eine emotionale Landkarte der öffentlichen Ohnmacht. Vieles ist gezeichnet von digitaler Paranoia und sozialer Verwahrlosung. Und trotzdem: Der Psych-Rock Sound der vier Freunde schlägt Wellen einer trotzenden Gemeinschaft – back in the garage. von Mirco Kaempf

ADW Harvey Rushmore & The Octopus - Mindsuckers

Das vierte Album der Basel-Bern Psychrock Band ist dunkler als vorherige. Die Mindsuckers lauern.

Man male sich mal diese Landschaft aus: Säurehaltige Flüsse schlagen Kurven wie Narben durch das Gemüt der warmen Haut. Der Mond liegt kalt im Himmel und am Rand der Szenerie warten trippende Hasen auf den Sprung ins Nirvana. Weitläufig – und doch klaustrophobisch. Das Zürcher Label Taxi Gauche, welches am Freitag, den 13. März die neue Rushmore Scheibe veröffentlicht, nennt diese Spannungen auch:  Nostalgie vs Future Dread. 

Als Harvey Rushmore & The Octopus im 2017 ihr erstes Album rausbrachten, war die Welt noch eine andere. Trump griff gerade erst zum Zepter, Federer spielte wieder mal gegen Nadal, Stranger Things war bloss zwei Staffeln alt. Das klingt eigentlich gar nicht mal so anders, und doch lagen massgebende gesellschaftliche Wandlungen wie Pandemie, ChatGPT oder ein russischer Angriffskrieg auf die Ukraine ausserhalb unseres täglichen News Feeds. Man könnte hier jetzt noch viele weitere grässliche Dinge aufzählen, und umso mehr verstehen, wie es zur Geburt der titelgebenden Monster des Albums kam, den “Mindsuckers”. Wie bleibt man da bitte noch bei Verstand?

Massimo Tondini: Mich hat in den letzten zwei Jahren stark beschäftigt, wie ich mit meiner Aufmerksamkeit umgehe. Es gibt so viele düstere Themen, die unsere Aufmerksamkeit beanspruchen wollen. Die Idee war, diesen Kräften ein Gesicht zu geben – eben die „Mindsuckers“, die dir den Geist aussaugen.”

Sind B-Movies heute eine gute Form von Eskapismus? 

Massimo Tondini: “Ja, weil sie schwere Themen mit einer gewissen Ironie oder Leichtigkeit verbinden. Diese Prise Humor tut gut.”

Auch der Rest der Bande – Stefan Cecere (Keys, Projections), Jonathan Meyer (Bass) und Jakob Läser (Drums) ist nach bald zehn Jahren zu so etwas wie einer eigenen Kreatur herangewachsen. Harvey Rushmore & The Octopus, mit ihren motorischen Beats, ausschweifenden (aber nicht ausufernden) Tone-Bender Soli, den atmosphärischen Synths und dem treibenden Bass bespielen seit jeher einen Raum, der sich soundmässig zwar gut und gerne an den Psych & Garage Roots der amerikanischen 1960s bedient, und doch einer ganz eigenen Ästhetik folgt, einer B-Movie Ästhetik, wenn man so möchte.

Glücklicherweise ist Mindsuckers, das neue Album der erfahrenen Psychrockern kein reiner Eskapismus Trip. Obwohl der Entstehungsprozess teilweise digital stattfand, wurde das Album erneut auf Tape aufgenommen – was dem Sound eine warme, leicht verwaschene Psychedelia verleiht. Trotzdem flackert das Licht der Dunkelheit das ganze Album hindurch mit, oder wie es im Song Acid River noch besser ausgedrückt wird, «the shadows start to sing». Thematisch bewegen wir uns also praktisch in einem Albtraum, der natürlich viel zu nah an unsere IRL Existenz andockt, wenn es weiter heisst:

I wanted to be free, never wanted to be me / I need to stick a needle in this marvel dream

Es ist nicht aus der Luft gegriffen, diesen wunderbaren Marvel Dream mit einem digitalen Raum zu vergleichen, welcher so viel Platz von uns beansprucht, und auch in unsere organische Gedankenwelt eindringt, bis uns im schlimmsten Fall der eigene Kopf platzt. So auch passiert im Kultfilm „Scanners“ (1981) von David Cronenberg. Massimo erzählt, wie sie den Film zusammen geschaut haben, was «eine ziemlich surreale Erfahrung» gewesen sei. Schliesslich sei dieser Film auch der Ideengeber für den Song Mindsucker gewesen, mit Samples aus dem Film inklusive. Heute gilt der Film als Body Horror Kultklassiker, dank seiner Auseinandersetzungen mit den Themen Mensch & Maschine oder auch Macht & Männlichkeit.

Stefan CecereIch sehe vieles erst im Nachhinein. Die düsteren Sounds, Sirenen, diese Atmosphäre – und gleichzeitig darf es auch bizarr oder unperfekt sein. Nicht alles muss hochglanzpoliert sein. Das Spielerische ist schön. 

Ist „Mindsuckers“ ein politisches Album?

Massimo Tondini: Ein bisschen, ja. Aber nicht anklagend oder mit erhobenem Zeigefinger.

„Mindsuckers“ ist das vierte Album der Basel-Bern-Bande Harvey Rushmore & The Octopus. Neun Songs legen eine emotionale Landkarte aus Nostalgie und Future Dread frei: motorischer Garage-Rock, psychedelische Klangflächen und die Paranoia einer digital überreizten Gegenwart. Anstatt vor der Dystopie abzuhauen, surfen Harvey Rushmore & The Octopus mitten durch sie hindurch – mit Fuzzpedalen, treibenden Beats und einer Prise B-Movie-Ironie. More exploding heads, please!

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: