Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Zwei in Schwarz gekleidete Frauen stehen vor einer grauen, besprayten Wand

"Es ist ein unfassbares Privileg, sich nicht für Männergewalt an Frauen zu interessieren"

Alle zwei Wochen tötet ein Mann in der Schweiz seine Frau, Freundin oder Ex-Partnerin. Was führt zu dieser geschlechtspezifischen Form von Gewalt? Miriam Suter und Natalia Widla haben mit ihrem Buch "Niemals aus Liebe" beleuchtet, was wir gegen diese tödliche Form der toxischen Männlichkeit ausrichten können. Am Donnerstagabend sind sie zu Gast im Humbug. von Mirco Kaempf

Niemals aus Liebe (Miriam Suter & Natalia Widla)

Niemals aus Liebe - Männergewalt an Frauen ist ein Sachbuch, welche auf die Täterperspektive bei sexualisierter und partnerschaftlicher Gewalt eingeht. Am Donnerstag 5.12. sind die Autor:innen zu Gast im Humbug.

TW: Sexualisierte Gewalt

"Während wir dieses Buch geschrieben haben, wurden in der Schweiz 31 Frauen getötet. Sie mussten sterben, weil sie ihren Ex-Partner verlassen wollten. Weil sie zu erfolgreich in ihrem Job waren. Weil sie abends allein unterwegs waren. Weil sie schlichtweg in einer patriarchalen Gesellschaft lebten. So könnte dieses Buch beginnen. Aber wir möchten es so anfangen: Während unserer Arbeit an diesem Buch haben in der Schweiz 31 Männer Frauen getötet. Sie brachten sie um, weil diese Männer ihre Ex-Partnerinnen als ihr Eigentum ansahen, das sich nicht von ihnen trennen durfte. Weil sie ihren Selbstwert über ihre Karriere definierten, unter dem Druck, Alleinversorger zu sein, zerbrachen und mit niemandem darüber sprachen. Oder weil sie in ihren Augen nicht ertragen konnten, dass ihre Partnerin erfolgreicher war als sie. Weil sie schlichtweg in einer Welt leben, die von Männern für Männer geschaffen wurde."

Die Gründe, warum ein Mann zum Täter wird, seien genauso vielfältig wie die Täter selbst. Auch die gesellschaftlichen Strukturen, die Gewalt begünstigen, sind komplex und betreffen Aspekte wie Umfeld, Kultur oder Sozialisierung. Im Buch schaffen es die Autor:innen aber, bestimmte Mechanismen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Denn Gewalt, insbesondere sexualisierte und partnerschaftliche Gewalt, ist für Aussenstehende oft unsichtbar oder wird gar romantisiert, normalisiert und ignoriert, bis es zu spät ist.

Ein so triviales wie eindrucksvolles Beispiel liefern die Autor:innen gleich zu Beginn mit zwei Hits aus der Popgeschichte: In Where the Wild Roses Grow von Nick Cave und Kylie Minogue schwärmt der Protagonist von der Schönheit der Frau – bis er sie am Ende tötet. Ein Beispiel dafür, wie gewalttätige Männer in den Medien romantisiert werden.

Oder, wer hat den Song Farbfilm von Nina Hagen mal als Ausdruck partnerschaftlicher Gewalt interpretiert? Es zeigt, wie oft Hilfeschreie und unsichtbare Verletzungen ignoriert werden. (Lyrics).

Diese Beispiele sind symptomatisch für ein grösseres Problem: Gewalt wird oft nicht erkannt, nicht gehört oder nicht ernst genommen – bis es zu spät ist. Das Buch macht deutlich, dass Täter in den meisten Fällen keine „Monster“ oder „Psychopathen“ sind, sondern unsere Nachbarn und Kollegen. Es zeigt auf, dass jeder zum Täter werden könnte, selbst Männer, die sich als aufgeschlossen und progressiv sehen. Es sei zentral zu verstehen, welche Verhaltensmuster sozial angeeignet werden und aber destruktiv sind (Kritische Männlichkeit). Und es ist wichtig zu wissen, welche Anlaufstellen es gibt und wo noch einiges passieren muss. Vor allem in der Prävention - dies allerdings auf fundamentaler Ebene. #Patriarchat.

Niemals aus Liebe ist ein wichtiges, kritisches Buch über toxische Männlichkeit und deren Folgen. Auf knapp 300 Seiten beleuchten Miriam Suter und Natalia Widla die politische Arbeit in der Schweiz, die Perspektive der Täter und Massnahmen zur Prävention. Sie sprechen mit Opfern, Tätern, berichten aus Gerichtssälen und analysieren bspw auch die digitalen Räume wie die 'Manosphere' oder die Incel-culture, die Rolle der Medien und zeigen neue, "Transformative" Ansätze auf. Ausserdem präsentieren sie zwölf konkrete Vorschläge, wie unsere Gesellschaft diese Form von Gewalt reduzieren könnte. Das brauche vor allem von Männern (welche in der Rolle des unterdrückenden Geschlechts agieren) vor allem ein erhöhtes Mass an Selbstreflektion. Das Buch richtet sich also nicht nur an Gesetzgeber:innen, sondern explizit auch an Männer. Es sei eine "Entscheidung ob man(n) ein Teil des Problems bleiben will oder Teil der Lösung".

Heute Abend sind Miriam Suter und Natalia Widla im Humbug zu Gast und sprechen über ihr Buch Niemals aus Liebe. Moderiert von Mia Ackermann. Doors 19:30 / Beginn ist um 20 Uhr. Das Buch ist erschienen im Limmat Verlag.

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: