Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Ein Plakat zur Zerschlagung des Patriarchats und des Kapitalismus

Frauenschutz als rechtsextreme Fassade

Am 8. März in Basel nutzte eine rechtsextreme Gruppe den feministischen Aktionstag für rassistische Propaganda. Der Vorfall zeigt: Ihr vermeintlicher Frauenschutz dient nicht Gleichberechtigung, sondern nationalistischer Hetze. von odile šobačić

26.03.19 Rechtsextreme im Baselbiet

Rechtsextreme aus dem Baselbiet propagieren unter dem Vorwand "Frauen zu schützen" ihre rassistische Ideologie.

Am internationalen Tag der Frau, dem 8. März, gehen weltweit Millionen von Frauen auf die Strasse, um für Gleichberechtigung zu demonstrieren. In Basel waren es rund tausend Frauen und queere Personen, die an diesem Tag gegen das Patriarchat und für feministische Anliegen demonstrierten.

Doch nicht alle, die sich an diesem Tag auf der Strasse zeigten, setzten sich tatsächlich für Frauen ein. Für kurze Zeit tauchten in der Basler Innenstadt rund dreissig junge Männer aus der rechtsextremen Szene auf. Unter dem Vorwand, Frauen „beschützen“ zu wollen, verkündeten sie während einer Viertelstunde ihre rassistische Ideologie in der Freien Strasse. Wenn die Rechtsextremisten von Frauenschutz sprechen, meinen sie damit die Zwangsausschaffungen von Menschen mit Migrationshinntergrund.

Die Rechtsextremismusexpertin Natascha Strobl ordnet solche Aktionen eindeutig ein: Die extreme Rechte greife das Thema Gewalt gegen Frauen nur dann auf, wenn sie es mit Hetze gegen Ausländerinnen und Ausländer verbinden könne. Mit echtem Frauenschutz habe das nichts zu tun.

Echte feministische Politik, so Strobl, bedeute, Frauen wirtschaftlich abzusichern, Zugang zu Bildung und Arbeit zu schaffen und Schutzräume zu fördern – also Strukturen, die Selbstbestimmung ermöglichen.

Rechtsextreme Gruppen dagegen suchen mit solchen Auftritten vor allem Aufmerksamkeit. Strobl erklärt, dass die Aktionen nur stattfinden, um daraus Bilder und Videos für Social Media zu produzieren. Fakten oder Überzeugungsarbeit spielen dabei keine Rolle. Es zählt allein die Inszenierung.

Fachleute beobachten schon länger, dass sich junge Männer im Internet zunehmend radikalisieren. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram verbreiten rechtsextreme und antifeministische Influencer ihre Inhalte mit hoher Reichweite. Auch rechte Personen und Jugendgrupppen aus dem Baselbiet posten regelmässig Fotos und Videos von ihren Aktionen. Mit ihren hypermaskulinem Social Media Auftritt haben sie augenscheinlich Erfolg. Immer mehr Jugendliche aus der Region suchen den Kontakt zu solchen Gruppen – online und zunehmend auch offline bei Wanderungen oder beim gemeinsamen Kampsporttraining.

Rechtsextreme Strukturen existieren im Baselbiet nicht im luftleeren Raum. Verbindungen in die Parteijugend der Rechten sind mehrfach belegt. Eine antifaschistische Website enthüllte kürzlich, dass Lionel Müller, Präsident der Jungen SVP Baselland, Geld an die rechtsextreme Organisation „Junge Tat” gespendet haben soll. Die Jungpartei reagierte bislang nicht auf die Anfrage der Redaktion für eine Stellungsnahme dazu.

Schon 2023 sorgten Fotos für Aufsehen, die den damaligen Präsidenten David Trachsel und Wilhelm Wyss, damaliges Vorstandsmitglied der Jungen SVP Baselland gemeinsam mit zwei bekannten Rechtsextremen zeigten. Und auch die heutige Strategiechefin der Jungen SVP Schweiz, Sarah Regez, nahm im selben Jahr an einer von Rechtsextremen organisierten Veranstaltung teil. Dort trat der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner auf – einer der führenden Köpfe der sogenannten Identitären Bewegung.

Im Zentrum der Veranstaltung stand Sellners Vortrag über Remigration. Laut Strobl stammt der Begriff ursprünglich aus der Soziologie, wird von der extremen Rechten aber genutzt, um Zwangsausschaffungen von Menschen mit Migrationshintergrund zu propagieren. Die Ideologie dahinter: Staatsbürgerschaft allein gilt nicht, sondern nur Abstammung, Religion oder Hautfarbe – eine zutiefst rassistische Logik.

Nichtdestotrotz verbreitet Sarah Regez den rechtsextremen Kampfbegriff in den sozialen Medien und auf ihrem Blog. Während einzelne Stimmen ihren Rücktritt fordern, schweigt die Mutterpartei SVP. Kontakte zwischen rechten Politiker:innen und rechtsextremen Gruppen werden meist als Einzelfälle abgetan. Strobl warnt jedoch: In diesem Bereich gebe es keine Einzelfälle – die Netzwerke seien europaweit verknüpft und funktionierten systematisch.

Rechtsextreme Gruppen arbeiten gezielt daran, den öffentlichen Diskurs zu verschieben. Rassistische, frauenfeindliche und nationalistische Botschaften sollen gesellschaftlich akzeptabel erscheinen. Besonders wirkungsvoll ist dabei aggressiver Angstrhetorik, gerade in Krisenzeiten wie jetzt. So werden anti-feministische und rassistische Positionen zu intuitiv „verstehenden“ Erklärmodellen für komplexe Krisen.

Für viele, die sich ohnmächtig oder orientierungslos fühlen, wirken diese Botschaften verführerisch. Doch Strobl betont: Die vermeintliche „anti-system“ Ideologie richte sich nicht gegen Machtmissbrauch, sondern gegen die Demokratie selbst. Die extreme Rechte befeuere Unsicherheit, um sich selbst als Lösung zu präsentieren.

Eine gesellschaftliche Gegenstrategie sieht Strobl in demokratischen Krisenlösungen, feministische Perspektiven, Vielfalt und Solidarität. Nur so lasse sich verhindern, dass Angst und Wut in Feindbilder umschlagen. Diese Haltung teilen auch die rund tausend Frauen und queere Menschen, die am 8. März in Basel für echten Frauenschutz ohne Rassismus demonstrierten – und für eine Zukunft, die auf Solidarität statt Spaltung baut.

 

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: