Woche gegen Rassismus 2020
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020
Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.
Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier.
Die Woche
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Schwarz/Weiss: Die Frage nach der Wiedergutmachung
Letzten Dezember entschuldigt sich die niederländische Regierung offiziell für die Rolle des Landes in der Sklaverei. In der Schweiz steht eine offizielle Entschuldigung von Seiten der Regierung für die Beteiligung der Schweiz an der Sklaverei noch aus. Dabei sind auch hier Stimmen laut, die genau dies fordern. Und weiter, eine Wiedergutmachung. von Claire Micallef
23.03.23 Die Frage nach der Wiedergutmachung
Eine dieser Stimmen ist der Historiker, Politiker und Aktivist Hans Fässler. Er teilt den Prozess der Wiedergutmachung in drei Phasen ein: Phase eins beinhaltet, die Rolle des Landes oder der Gesellschaft im Sklavenhandel aufzuarbeiten. Phase zwei fordert eine Entschuldigung, einen Ausdruck des Bedauerns, des Respekts gegenüber den Opfern. Bei Phase drei geht es dann um die Wiedergutmachung. Die Schweiz befindet sich in diesem Prozess in der ersten Phase. „In den letzten 20 Jahren wurde in der Schweiz sehr viel Richtung Anerkennung der Schweizer Beteiligung an der Sklaverei und am Kolonialverbrechen gemacht“, sagt Fässler. Vor allem seit dem Tod von George Floyd (2020) hätten sich diese Bestrebungen nochmals intensiviert. „Daher kann man sagen, die Schweiz ist auf dem guten Weg, sich bewusst zu werden, dass es eine Schweizer Beteiligung gibt.“ Von einer Diskussion über eine materielle Wiedergutmachung, über Reparationszahlungen, ist die Schweiz noch weit entfernt.
Allerdings sind Reparationszahlungen auch unter Historiker:innen aus Afrika oder der Karibik nicht unumstritten. Die Befürchtung: Europäische Länder würden mit dem Zahlen der Reparationen ihre Schuld als abgezahlt ansehen. Trotz dieser Befürchtungen spricht sich Hans Fässler für Reparationszahlungen aus. Für ihn stehe unter anderem der Prozess im Zentrum. „Ich glaube, auf dem Weg zu diesen Reparationen wird es so viel Austausch und Erkenntnisse zwischen den Ländern geben, dass der Prozess ein wichtiger Schritt für eine Veränderung der Beziehungen zwischen Europa oder dem globalen Norden und dem globalen Süden ist.“
Wer soll aber zahlen? Wer erhält die Reparationszahlungen? Wie kann deren Höhe überhaupt berechnet werden? Hier existieren verschiedene Ansätze. Für Fässler ist klar, zahlen soll der Staat. Um die Höhe der Reparationszahlungen festzulegen, würde es Forschungsarbeiten und Verhandlungen brauchen, die versuchen, so gut wie möglich historisch und wirtschaftlich belegt eine Summe festzulegen. „Jetzt kann man natürlich sagen, das Leid von Jahrhunderten der Sklaverei liesse sich nicht in Geld ausdrücken. Und tatsächlich werden es letztendlich sehr grobe Schätzungen sein“, sagt Fässler. Erhalten würden diese Reparationszahlungen jene Staaten, die durch die Sklaverei geschädigt worden sind, beispielsweise die Staaten in der Karibik. Diese sollten dann laut Fässer in Zusammenarbeit mit den Geberländern Projekte entwickeln, bei denen das Geld vernünftig eingesetzt wird.
Zurück in die Schweiz. Vor vier Jahren hat Hans Fässler die Historikerkommission der Caricom (die Vereinigung der Karibischen Staaten) aufgefordert, die Schweiz auf ihre Liste der Staaten zu setzen, die Reparationen für die Sklaverei zahlen sollen. Im gleichen Jahr folgte die Caricom seiner Forderung. Damit die Schweiz offiziell mit den Forderungen der Caricom angegangen wird, braucht es allerdings noch die Zustimmung der Staats- und Regierungschefs der karibischen Staaten. „Wenn dies geschieht, wäre es das erste Mal, dass die Schweiz offiziell von staatlichen Institutionen zu Reparationszahlungen aufgefordert wird.“ Ob und wann dies der Fall sein wird und ob es davor Bewegungen in der Schweiz Richtung Entschuldigung oder Wiedergutmachung gibt, wir werden es sehen. Fest steht auch hier, es ist ein Prozess.
Programm
Montag, 16. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Internetcafé Planet 13
20.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
- Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)
Dienstag, 17. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Verein Mitstimme
Mittwoch, 18. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Donnerstag, 19. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Projekt Netzwerk Antirassismus
18.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
Freitag, 20. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Awareness Basel
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.
Samstag, 21. März
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider
13.00 Uhr
- Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.
14.00 Uhr
- +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.
16.00 Uhr
- Sendung zur beruflichen und sozialen Integration mit Personen aus Eritrea und Somalia auf Radio X, von Vitamin B/Radioschule klipp+klang
19.30 Uhr
- +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.
22.00 Uhr, doors: 21 Uhr
- +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.
Sonntag, 22. März
10.00 Uhr
- Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn
11.30/16.30 Uhr
- Beitrag auf Radio X: Kantonspolizei Basel-Stadt
16.15 Uhr
- +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.
Samstag, 28. März
16.00 Uhr
- Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)
Kontakt
rebecca.haeusel@radiox.ch
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