Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Kinosaal mit roten Stühlen

The Odyssee - Fragen zum langen Heimweg eines Mannes

Christopher Nolans neuer Blockbuster The Odyssee zeigt die Heimreise eines Veteranen im alten Griechenland. Aber was sagt Nolans Inszenierung über aktuelle Kriege, Grenzpolitik, Kolonialismus und Geschlechterrollen aus?  von Luisa Later

26.07.29 The Odyssee - Fragen zum langen Heimweg eines Mannes

Glosse zu Christopher Nolans Odyssee

Eine Inszenierung mit viel Liebe zum Handwerk und Schwächen in der inhaltlichen Auswahl

Christopher Nolan hat einen neuen Blockbuster für 250 Millionen US-Dollar gedreht: The Odyssey, eine Neuinszenierung der alten griechischen Sage um Odysseus, der mit einer List Troja besiegen konnte und nun nach Hause zurückkehren will. Das Internet ist nicht nur fasziniert von der aufwändigen Produktion mit IMAX-Kameras sondern auch von dem weitgehenden Verzicht auf CGI und der Rückkehr zu analogen Filmtricks.

Nach einem Kinobesuch bleiben allerdings Fragen offen: Warum begeistern uns in unserer heutigen politischen Realität Bilder von Krieg und Zerstörung? Warum lässt Nolan insbesondere die wichtigen Rollen der Frauen aus, die in Homers Version entscheidend über das Schicksal des Odysseus mitbestimmen? Warum wird ein Mann als Held inszeniert, der Frau und Kind durch seine Abwesenheit in Ithaka Gefahr und Gewalt aussetzt?

In der ursprünglichen Überlieferung ( Homer gab es als einzelne Person wahrscheinlich gar nicht; Historiker*innen gehen davon aus, dass die griechischen Mythen kollektiv entstanden) hat Odysseus zunächst keine Lust auf den Krieg und versucht, sich seiner Pflicht zu entziehen. Der Odysseus in Nolans Version kämpft dagegen mit Schuld, Reue und PTSD und wirkt wie ein fragiler Mann, der die Konsequenzen seines Handelns nicht wirklich begreift.

Ein entpolitisierter Blick auf den Mittelmeerraum

Die Moral der Geschichte scheint zu sein: Widersetze dich nicht dem Schicksal, das die Gött*innen für dich bestimmt haben ( außer, du bist ein weißer, starker Mann). Doch was bedeutet diese Erzählung, wenn man sie auf das politische Mittelmeer der Gegenwart überträgt? Auch heute entscheiden unsichtbare Mächte darüber, wer ankommt und wer scheitert. Nur sind es keine Gött*innen mehr, sondern europäische Grenzregime. Frontex, die Grenzschutzagentur der EU, überwacht die Außengrenzen der Union und bestimmt mit darüber, wer sich frei bewegen darf und wer nicht.

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) suchten in diesem Jahr bereits über 42.000 Menschen über den Seeweg Sicherheit in Europa. Mindestens 1.800 Menschen starben oder gelten als vermisst. Mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) werden ab 2026 neue Grenzverfahren eingeführt: Menschen sollen registriert, biometrisch erfasst und bereits an den EU-Außengrenzen in beschleunigten Verfahren geprüft werden. Die Irrfahrt über das Mittelmeer endet heute nicht an den Launen Poseidons, sondern an politischen Entscheidungen.

„The Odyssey“ zwischen rechten Identitätsdebatten und antikolonialer Kritik

Das Internet diskutiert jedoch nicht nur positiv über Nolans Odyssey. Von rechten selbsternannten Kulturkämpfern wie Elon Musk gibt es Kritik am diversen Cast, der angeblich nicht zum antiken Griechenland passe. Dabei war der Mittelmeerraum zu allen Zeiten von Wanderungsbewegungen geprägt, und die weißgewaschene Vorstellung des antiken Griechenlands entspricht nicht der historischen Realität.

Auf der anderen Seite kritisieren antikoloniale Stimmen den Film, weil Teile des Blockbusters in Dakhla in der besetzten Westsahara gedreht wurden. Das Gebiet wird seit 1975 von Marokko kontrolliert und gilt für viele als die letzte Kolonie Afrikas. Die Sahrauis, die indigene Bevölkerung der Westsahara, leben dort seit Generationen und kämpfen für ihr Recht auf Selbstbestimmung. Viele wurden vertrieben und leben bis heute in Flüchtlingslagern bei Tindouf in Algerien. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von Repressionen in den von Marokko kontrollierten Gebieten. Gleichzeitig profitiert Marokko wirtschaftlich von den Ressourcen der Region, etwa von Phosphatvorkommen, Fischereigebieten und der strategisch wichtigen Küste.

Diese Kulisse scheint Christopher Nolan für seine Heldenreise um Odysseus perfekt geeignet. Während die Geschichte der Sahrauis kaum bis nach Europa vordringt, kann eine Hollywood-Produktion auf demselben Boden eine Heldenreise inszenieren. Sahrauische Aktivist*innen kritisieren, dass die Dreharbeiten die marokkanische Kontrolle über die Westsahara normalisieren, und rufen deshalb zum Boykott des Films auf.

Am Ende bleibt die Frage, warum die Heldenreise des Odysseus doch so klassisch erzählt wird: ein weißer, starker Mann, der trotz seines Versagens als Vater und Ehemann als Held dargestellt wird; Frauen, die kaum Redezeit haben und meist nur über Männer sprechen; und schlussendlich die Entpolitisierung eines Mittelmeerraums, in dem Grenzen als selbstverständlich dargestellt werden, obwohl sie Ausdruck kolonialer Machtverhältnisse sind.

Das Internet ist ein guter Ort, um über all das zu diskutieren und darauf aufmerksam zu machen, dass ein diverser Cast allein noch keine Geschichte garantiert, die frei von diskriminierenden und unterdrückenden Strukturen ist.

 

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: