Radio X und das Jugendkulturfestival sind seit Gründungszeiten eng miteinander verbunden. Radio X sendet auch in der Ausgabe 2021 live vom Festival: Wir übertragen Konzerte, Talks, Interviews, Slams und Lesungen von den Standorten Sommercasino und Klybeck live zu dir ins Wohnzimmer. Und an unserem "Bad-Taste-Henna"-Stand verunstalten JKF Artists deine Haut mit Motiven, die das "Wheel of Destiny" für dich bestimmt hat.

Wir senden an beiden Festivaltagen zwischen 17h und 01h live von den Standorten "Sommercasino" und "Padelhalle Klybeck".

Das Festivalprogramm ist online! Folgende Programmpunkte werden bei uns auf dem Sender stattfinden:

Freitag, 3.September 2021

Konzerte:

Talks/Lesungen/Slam-Poetry:

 

Samstag, 4.September 2021

Konzerte:

Talks/Lesungen/Slam-Poetry:

 

 

#badtastehenna

Wir wollen euch am JKF alle etwas aufhübschen! Deswegen gibt es an unserem Sendebus vor dem Sommercasino eine Henna-Tattoo-Session der etwas anderen Art. Kulturschaffende, die am JKF auftreten, sind die Tattoo-Artists, du ihre Leinwand. Schöne Schnörkel und Mandalas werden wohl eher Seltenheitswert haben, denn unsere Artists sind mehrheitlich Masters of Trash - dafür vollgas! Und auch bei der Wahl des Motivs hast du nicht viel mitzureden, denn die liegt ganz beim "Wheel of Destiny". Die Wahl des Orts, an dem du dein Henna-Tattoo willst, die überlassen wir dir aber natürlich noch, schliesslich gehört dein Körper dir und nur dir allein - vergiss das nicht! Vor zwei Jahren gab es einen regelrechten Ansturm und es entstand ein Sammelsurium an grandiosen Trash-Kuriositäten. Komm vorbei, triff die JKF-Artists und lass ein bisschen Trash in dein Herz!! wir sind an beiden Tagen zwischen 17h und 01h für dich da! #badtastehenna

Goldener Sound: Ethio-jazz Ikone Hailu Mergia in der Kaserne

Er führte ein Restaurant, arbeitete als Taxifahrer und chauffierte Reisende zum Flughafen. Er ist aber auch ein Star der goldenen Jazz Ära der 70er Jahre in Äthiopien. Morgen Abend spielt Hailu Mergia, der fast 80-jährige Keyboarder, Akkordeonist und Synthie-Pionier, in der Kaserne Basel. von Mirco Kaempf

24.08.22 Hailu Mergia

Hailu Mergia gilt als Ikone des äthiopischen Jazz der 70er Jahre. Eine Reissue seines 1985 Solo Albums gab ihm neuen Wind, wieder zu touren. Am Freitag bespielt er die Kaserne Basel.

Als Hail Mergia rund zehn Jahre alt war, war das Akkordeon das populärste Instrument Äthiopiens. Aufgewachsen ist er in der Nähe der Stadt Addis Ababa. Bevor er die traditionellen Folk Songs spielen konnte, sang er sie. Nach und nach erspielte er sich dann eine musikalische Unabhängigkeit. Zwei Jahre spielte er als Teil des Militärs, bevor er danach mit gleichgesinnten die achtköpfige Walias Band gründete. Meistens spielten sie im Club des Hilton Hotels in Addis Ababa oder anderen Hotels. Sie traten mit ausgeliehenen Instrumentena auf und spielten für ein paar wenige Dollar.  Je nach Publikum variierte der Sound – am frühen Abend spielten sie für vermögende Reisende und Diplomat:innen alte Jazz-Standards, teilweise französische oder japanische Lieder. Je später der Abend, desto ausgefallener wurden die Sessions. Nach der Übernahme des Militärregimes der Dreg 1974 spielten sie, um die Ausgangssperre zu umgehen, die ganze Nacht durch. Das Album „Hailu Mergia & Walias“ vermittelt einen Eindruck vom goldenen Sound dieser Zeit.

Die Walias Band war stilprägend für eine Szene, welche heute als goldene Ära des äthiopischen Jazz gilt. Sie spielten Mischung aus klassischen pentatonischen Folk Songs, gemischt mit westlichem Bop, Soul und eigenen Abwandlungen. 1981 waren sie die erste äthiopische Band, die jemals die USA betourte. Nach zwei Jahren blieben viele der Bandmitglieder dort – unter anderem auch, um dem militärischen Regime in Äthiopien und den Massakern zu entfliehen.

In den 90er Jahren hörte Hailu Mergia auf, live aufzutreten, aber nicht mit dem Spielen. Als Taxifahrer hatte er immer sein batteriebetriebenes Keyboard im Kofferraum und übte zwischen den Fahrten, nahm Melodien mit seinem Handy auf. Der Grund, warum er jetzt wieder unterwegs ist, war eine Wiederveröffentlichung, die das amerikanische Label "Awesome Tapes from Africa" von einer Kassette gemacht hat, die er 1985 allein im Studio aufgenommen hatte. „Hailu Mergia & His Classical Instrument: Shemonmuanaye“ war eine Rückbesinnung auf die äthiopischen Volksmelodien der 50er Jahre, allerdings gespielt mit verschiedenen Keyboards, Drum Machines und einem Moog-Synthesizer. Ein Album, das zugleich nostalgisch und futuristisch klingt.

Mittlerweile veröffentlicht Hailu Mergia wieder neue Alben und ist auf Tour. Anstatt nächtelang für äthiopische Jugendliche in Addis Ababa zu spielen, welche die Ausgangssperre umgehen wollten, tritt er jetzt vermehrt vor westlichem Publikum auf, welches die einstige Ikone nun neu am entdecken ist. Morgen Abend auch in der Kaserne, ab 20:30 Uhr im Rahmen des Theaterfestivals Basel.

Und hier noch unsere Berichterstattung von der letzten Festivalausgabe, wenn du noch ein bisschen verweilen und in den Erinnerungen schwelgen möchtest: