Das IRAN Update
Seit dem Tod der 22jährigen Kurdin, Mahsa Jina Amini setzen täglich tausende Menschen in Iran ihr Leben aufs Spiel. Aus den Protesten, die im September begonnen haben, hat sich eine Revolution entwickelt. Seither strömen jeden Tag neue, schreckliche, aber auch beeindruckende News über Twitter, Instagram und TikTok zu uns. Den Überblick über die aktuelle Situation in Iran zu behalten, ist eine Herausforderung.
"Das IRAN Update" setzt genau da an und verschafft einen wöchentlichen Rückblick auf die Geschehnisse in Iran. Die Hosts, Gilda Sahebi und Sahar Eslah, besprechen die wichtigsten Themen, werfen einen kritischen Blick auf Kommentare von Expert*innen, Journalist*innen und Politiker*innen und erklären politische und geschichtliche Zusammenhänge.
Eine Produktion von 190p GmbH.
Weil es uns von Radio X wichtig ist, unsere Hörer:innen regelmässig und mit der nötigen Tiefe über die Lage im Iran zu informieren, haben wir bei Gilda Sahebi und Sahar Eslah angefragt, ob wir ihren Podcast ausstrahlen dürfen. Du hörst ihn ab dem 2. Dezember jeweils freitags um 14 Uhr auf Radio X. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten.
Alle Podcast-Folgen zum Nachhören
Freiräume von A(JZ) bis Z(ack)
Seit der Hausbesetzung und Räumung des Zack (Zone Autonome Culturelle Klybeck) Anfangs Juli wird das Thema Freiräume und Hausbesetzungen diskutiert. Doch es ist kein neues Phänomen: Seit den 68ern schon gibt es in Basel immer wieder Besetzungen und Zwischennutzungen. Wir haben mit dem emeritierten Soziologieprofessoren Ueli Mäder über seine eigenen Erfahrungen und Aussichten gesprochen. von Miriam Lubrich
26.08.01 Freiräume
Wir sprechen mit dem Soziologen Ueli Mäder über die Geschichte von Freiräumen und Besetzungen in Basel.
Geschichte
Basel hat eine reiche Geschichte an legalen und illegalen Freiräumen. Eins von den ersten war das AJZ (Autonomes Jugendzentrum wo erst in den 1970ern am Claragraben, dann in den 1980ern an der Hochstrasse Häuser besetzt hat. In den 1980ern ist dann Die Stadtgärtnerei besetzt worden, die besonders auch ein Ort für Künstler:innen war. Für die 1990er war die Grossgarage Schlotterbeck prägend, die legal durch einen Vertrag mit der Schweizerischen Volksbank als Zwischennutzung funktioniert hat. Die 2000er wurden vor allem durch das NT Areal als Zwischennutzung geprägt, was dann in den 2010ern durch das Klybeckareal abgelöst wurde.
Es gab also seit den 1970ern quasi immer Zwischennutzungen und Besetzungen, die sich aber von ihrer Lage, den Gruppierungen und Nutzungsverhätnissen unterschieden haben. Das Zack heute zeigt, dass das Bedürfnis nach Freiraum immer noch präsent ist.
Ueli Mäder
Der emiritierte Soziologe Ueli Mäder hat zu Freiräumen wie dem Hafenareal, dem Klybeck und der Reithalle in Bern geforscht. Als Jugendlicher war er selbst in der Szene aktiv. Er erzählt wie er mit 17-Jahren Häuser ausgekundschaftet hat. Er zeigt auch die Wiedersprüche. Einerseits habe eine Freundin von ihm ihren ersten Lohn als Kapitalismuskritik zerrissen, andererseits hätten sie auch autoritäre und kleinbürgerliche Mechanismen reproduziert.
Ueli Mäder meint, heute seien die Menschen, die solche Räume nutzen tendenziell älter und dadurch auch vernetzter. Die Repressionen seien früher „hemdsärmeliger“ gewesen, die Polizisten seien im kurzen Hemd statt in voller Montur aufgetaucht. Trotzdem seien die authoritären Strukturen gleich gewesen.
Der Soziologe sagt von sich selber, er sei ein Optimist. Er hat viele Vorschläge, wie die Stadt dem menschlichen Bedürfnis nach Freiraum nachgeben kann: er wünscht sich, dass die Quartiere beruhigt werden, Wohnstrassen verbreitert werden, mehr Begrünung und, dass mehr Boden der Spekulation entzogen wird.
Er regt auch an, den Dialog mit Jugendlichen zu suchen und sie in die Stadtplanung einzubinden. Dann, hofft er, „würden auch weniger Fenster eingeschlagen werden müssen, um auf sich afmerksam zu machen.“