Woche gegen Rassismus 2019
30 Jahre Gleichstellungsgesetz: Viel erreicht, noch viel zu tun
Vor 30 Jahren trat in der Schweiz das Gleichstellungsgesetz in Kraft – mit dem Ziel, Frauen und Männer im Arbeitsleben rechtlich gleichzustellen. Seither hat sich vieles verändert, doch die Debatte um gleiche Chancen und gleiche Löhne ist bis heute aktuell. Gleichzeitig hat sich auch das Verständnis von Gleichstellung weiterentwickelt und umfasst heute weitere Personengruppen. Was hat das Gesetz in den letzten drei Jahrzehnten bewirkt – und wo besteht weiterhin Handlungsbedarf? von Mathis Zeiser
26.07.23 30 Jahre Gleichstellungsgesetz
30 Jahre lang Gleichstellungsgesetz in der Schweiz
Ein Blick zurück
Vor 30 Jahren steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Viele spielten auf der Nintendo 64, und Handys konnten kaum mehr als telefonieren. Doch auch die Arbeitswelt sah damals anders aus: Frauen verdienten deutlich weniger als Männer, arbeiteten häufiger in schlechter bezahlten Berufen und wurden in vielen Positionen im Berufsleben benachteiligt.
Gleichzeitig trat in der Schweiz ein Gesetz in Kraft, das bis heute den Arbeitsalltag vieler Menschen prägt: das Gleichstellungsgesetz. Doch warum brauchte die Schweiz überhaupt dieses Gesetz – obwohl die Gleichstellung von Frau und Mann bereits 15 Jahre zuvor in einem Artikel der Bundesverfassung festgeschrieben worden war?
Warum ein Gleichstellungsgesetz?
Der Artikel in der Bundesverfassung hat zwar ermöglicht, dass man Prozesse geführt hat aber es gab keine vergleichbaren Verfahren. Somit waren die Prozesse sehr lange und teuer. Nebstdem es keine etablierten Prozesse für diese Verfahren gab, wurde auch keine Sicherheit für die Frauen, die so ein Verfahren angetreten sind, gewährleistet.
Deshalb brauchte es zusätzlich ein Gesetz, damit die Gleichstellung auch tatsächlich gilt. Erst dadurch konnten Betroffene ihre Rechte einfordern und waren vor einer Kündigung geschützt. Das erklärt Regina Wecker. Sie ist ehemalige Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel und präsidierte sowohl die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte als auch die Gesellschaft für Geschlechterforschung.
Der Weg zum Gesetz
Am 1. Juli 1996 trat also das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann in Kraft. Vor allem auch der Frauenstreik von 1991 gab dem Ganzen nochmals neuen Schub. So entstand ein Gesetz, das die Gleichstellung nicht nur garantiert, sondern auch vor Gericht durchgesetzt werden kann.
Das Gesetz schützt vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Arbeitsleben – zum Beispiel bei der Anstellung, beim Lohn, bei Beförderungen oder bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
Die heutige Situation
Besonders die Lohnungleichheit ist nach wie vor ein aktuelles Thema und führt bis heute zu Diskussionen. Nach wie vor sind Frauenlöhne im Vergleich zu Männerlöhnen nach wie vor sehr viel niedriger. So seilaut Regina Wecker die Frage der Gleichbewertung von Frauenarbeit überhaupt noch nicht abgeschlossen.
Doch das Verständnis von Gleichstellung entwickelt sich laufend weiter. Drei Jahrzehnte später hat sich vieles verändert. Gleichzeitig sind neue Fragen hinzugekommen. Basel-Stadt hat deshalb sein kantonales Gleichstellungsgesetz erweitert – als erster deutschschweizer Kanton. Seit Juni 2025 gilt es auch für LGBTIQ-Personen.
Wie sieht es in Basel aus?
Zuständig für die Umsetzung des Gleichstellungsauftrags ist die Fachstelle für Gleichstellung und Diversität Basel-Stadt. Sie setzt sich dafür ein, dass alle Menschen im Kanton – unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung – die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Eine Aufgabe, die sich durch ganz verschiedene Bereiche zieht und immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringt, erklärt Evelyne Sturm, Co-Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Diversität.
Es gäbe weiterhin sehr viel zu tun, um die tatsächliche Gleichstellung zu erreichen. Die Herausforderung dabei sei, dass es sehr viele Handlungsfelder gibt und die Ressourcen dabei seien beschränkt. Dadurch muss priorisiert werden und man könne nicht in allen Themenfeldern gleich aktiv sein.
30 Jahre später
Nach drei Jahrzehnten zeigt sich: Das Gleichstellungsgesetz hat Spuren hinterlassen. Bei der Lohnungleichheit hat es Betroffenen ein Mittel gegeben, sich gegen Diskriminierung zu wehren.
Trotzdem zeigt sich: Bei der Bezahlung gibt es noch immer Ungleichheiten. Frauen verdienen in der Schweiz pro Monat durchschnittlich 1364 Franken weniger als Männer. Rund die Hälfte dieses Unterschieds lässt sich durch unterschiedliche Ausbildung oder Arbeitsbranche erklären. Der andere Teil bleibt bis heute unerklärt.
Wie geht es weiter?
Vollständig erreicht ist die Gleichstellung also noch nicht. Aber ohne das Gleichstellungsgesetz wären viele Fortschritte kaum möglich gewesen. Parallel dazu sind auch in anderen Bereichen wichtige Veränderungen erfolgt – zum Beispiel im Familien- und Eherecht, wo die rechtliche Gleichbehandlung von Frau und Mann gestärkt wurde.
Und wie die Erweiterung des Gleichstellungsgesetzes in Basel-Stadt zeigt: Das Verständnis von Gleichstellung entwickelt sich ständig weiter. Die Frage ist deshalb nicht nur, was in den letzten 30 Jahren erreicht wurde – sondern auch, welche Schritte noch vor uns liegen.
Die Woche
Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.
Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019
Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm
Das Programm
Montag, 18. März 2019
Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus.
19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)
Eintritt frei.
Dienstag, 19. März 2019
Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo
19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)
Eintritt frei.
Mittwoch, 20. März 2019
Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.
17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Donnerstag, 21. März 2019
Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.
Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).
Moderation: Bernard Senn, SRF
Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.
19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Freitag, 22. März 2019
Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)
Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch
19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Samstag, 23. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien
The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required.
14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen
Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg
16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr
Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.
20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Sonntag, 24. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch
14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)
Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.
Eintritt frei.
* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.
** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.
Ausstrahlungstermine
Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)
Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus
u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus
Donnerstag 21.3., 18 h & Samstag 23.3.19, 13 h
Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein
Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h
Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen
Kontakt
tatiana.vieira@radiox.ch
rebecca.haeusel@radiox.ch
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