Woche gegen Rassismus 2019

Das 'Les Georges' und der Röstigraben

In der Romandie klingt die Musikszene oft etwas anders als in der Deutschschweiz. Der Blick richtet sich stärker nach Frankreich, französischsprachige Acts prägen das Programm vieler Festivals. Doch das Open-Air-Festival Les Georges in Freiburg zeigt, dass diese Unterschiede kein Hindernis sein müssen – sondern eine Chance für Austausch und Entdeckungen. von Stefan Degen

26.07.22 Les Georges Festival und der Röstigraben

Das Les Georges ist ein Open Air Festival an sechs Abenden in Fribourg mit diversem Lineup und einer inklusiven Haltung. Wir sprechen mit den Festival:macher:innen über ihre Ansprüche und Wünsche für die Zukunft.

 

Das von einem Non-Profit-Verein organisierte Festival verwandelt jedes Jahr während sechs Abenden die Freiburger Altstadt in einen Konzertort. Drei Abende sind kostenlos zugänglich, drei kostenpflichtig. Rund 20'000 Besucherinnen und Besucher erleben dabei über 30 Konzerte auf zwei Bühnen.

Ein Line-up, das neugierig macht

Im Zentrum steht nicht ein bestimmtes Genre, sondern Vielfalt. Das Festival setzt bewusst auf nationale und internationale Acts, etablierte Namen und musikalische Entdeckungen. Dieses Jahr standen unter anderem 24 Kiara, Flora Fischbach, OK Lou, Leopardo, Jule X oder Malummí auf dem Programm.

Festivaldirektor Xavier Meyer betont, dass das Publikum möglichst breit angesprochen werden soll. Neben Künstlerinnen und Künstlern aus der Romandie gehören deshalb auch Acts aus der Deutschschweiz regelmässig zum Line-up. Viele treten zwar auf Englisch auf, dieses Jahr waren aber bewusst auch mehr Schweizerdeutsch singende Künstler eingeladen.

Freiburgs Identität prägt das Festival

Für Bookerin Lola Nada spiegelt das Festival die Stadt Freiburg wider. Die politisch engagierte und eher links geprägte Stadt finde sich auch im Programm wieder. Viele Acts beziehen auf der Bühne Stellung, thematisieren gesellschaftliche Fragen oder vertreten klare Haltungen.

Das Festival versteht sich dabei als Raum für Ausdruck und Freiheit. Weil ein Teil des Programms kostenlos ist, kann sich Les Georges erlauben, auch musikalische Risiken einzugehen und Projekte einzuladen, die nicht in erster Linie auf maximale Ticketverkäufe ausgerichtet sind. Das Ziel ist, dem Publikum neue Musik und neue Perspektiven näherzubringen.

Diversität auch vor der Bühne

Die Offenheit zeigt sich nicht nur auf dem Line-up, sondern auch beim Publikum. Unterschiedliche Altersgruppen, viele junge Besucher:innen sowie ein hoher FLINTA*anteil prägen die Atmosphäre. Das Festival wirkt weniger homogen als viele klassische Rock- oder Popfestivals und lädt bewusst dazu ein, Neues zu entdecken.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für diesen Anspruch war ein Konzert von Solann, das von Gebärdensprachdolmetscherinnen begleitet wurde. Dabei wurden nicht nur die Liedtexte übersetzt, sondern auch Rhythmus, Stimmung und Emotionen visuell interpretiert. Musik wurde so für ein hörbeeinträchtigtes Publikum zugänglicher – und gleichzeitig für alle Besucherinnen und Besucher auf eine neue Art erlebbar.

Den Röstigraben überwinden

Gerade Freiburg liegt an der sprachlichen Schnittstelle zwischen der Romandie und der Deutschschweiz. Für Lola Nada sollte diese Grenze möglichst durchlässig werden. Deutschschweizer:innen  seien eingeladen, französischsprachige Künstler:innen zu entdecken, während man sich in der Romandie ebenso für Projekte aus der Deutschschweiz interessiere.

Musik könne dabei eine gemeinsame Sprache sein – unabhängig davon, welche Sprache auf der Bühne gesprochen oder gesungen werde.

Blick in die Zukunft

Wie sich die Musiklandschaft entwickeln wird, könne niemand mit Sicherheit sagen, meint Lola Nada scherzend: «Wenn ich das wüsste, wäre ich Millionärin.»

Sie erwartet jedoch eine stärkere Rückkehr zu organischeren Live-Produktionen – mit mehr Musikerinnen und Musikern auf der Bühne statt ausschliesslich vorproduzierter Tracks. Gleichzeitig könnte auch weiblich geprägter Rock wieder an Bedeutung gewinnen.

Festivaldirektor Xavier Meyer hat derweil einen ganz persönlichen Wunsch offen: Nach den pandemiebedingten Absagen hofft er, eines Tages Bands wie Fontaines D.C. oder Viagra Boys doch noch auf der Bühne von Les Georges begrüssen zu können.

Am Ende zeigt Les Georges, dass Festivals weit mehr sein können als Konzertveranstaltungen. Sie schaffen Räume, in denen unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Musiktraditionen zusammenkommen – und der Röstigraben für ein paar Sommerabende ein Stück kleiner wird.

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*ShTheater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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