Woche gegen Rassismus 2019

albumcover

Album der Woche: Have a Heart von The Klittens

Have A Heart – es ist ein Ausruf, eine Klage, eine Bitte. Es ist auch das Debütalbum der niederländischen Band The Klittens, die einen ganzen Longplayer gemacht haben, in dem es genau darum geht: sich ein Herz zu fassen, inmitten verschiedener Zustände von Hilflosigkeit. von Mirco Kaempf

Album der Woche: Have a Heart von The Klittens

Die Klittens veröffentlichen ihr Debütalbum. Wir haben im August nach einem Gig mit ihnen gesprochen.

Vor acht Jahren haben sich The Klittens zusammengefunden, unter anderem als Ersatz für politischen Aktivismus. Kurz nach ihrem ersten Gig überhaupt in Basel, diesen August, haben sie im Interview davon erzählt. Musik aber, das haben sie gelernt, ist nicht per se rebellisch.

“I don't think music can really serve as an activist tool. But maybe it can capture what's happening right now. It's a moment in time, or a reflection of the world, more than being a political platform.” (Winnie Conradi, Gitarre)

The Klittens sind und bleiben ein work in progress, im besten Sinn. Statt fertige Antworten und Refrains zu produzieren, suchen sie im gemeinsamen Spielen nach Reibung, nach Überraschungen, nach Lösungen. Was persönlich und politisch ist, wird so zum gemeinsamen Resonanzraum.

“I really like disrupting songs, especially when I feel like the structure is too steady. I often like to either make it very dissonant or add a crazy noise part.” (Winnie Conradi, Gitarre)

Das hört man den Songs auch an. Gitarren kommen sich in die Quere, ein Groove wird plötzlich unterbrochen, eine Melodie nimmt eine unerwartete Wendung. Die einzelnen Stimmen der fünf verschwinden dabei nie ganz in der Masse. Im Gegenteil: Gerade weil nicht alles von einer einzelnen Person vorgegeben wird, bleiben die individuellen Ideen hörbar. Die Reibung wird zum Sound.

The Klittens sind eine FLINTA-Band und die Interpretation der Songs entlang einer feministischen Linie liegt nahe. Der gleichnamige Opener «Have A Heart» lädt dazu ein. Im ersten Moment erinnern die Lyrics ans Wütendsein, vielleicht an eine patriarchale Dominanz im Alltag, wo Männer das Wort ergreifen, statt zuzuhören, was im Back-and-forth von Lead- und Backingvocals lässig zur Schau gestellt wird. Wenn man weiterdenkt, ist es aber universeller. Sich ein Herz zu nehmen und der eigenen Stimme zu vertrauen – das braucht Mut.

Um Universalität geht es vielleicht auch im Song «Zelda», wo eine Form von Zeitlosigkeit verhandelt wird. Nach einer Konversation über Existenzialismus schwankt man zwischen Gleichgültigkeit und Allgemeingültigkeit. Leises Klatschen – und die Offenheit der Möglichkeiten bleibt. Bis es im nächsten Track plötzlich wieder haptischer wird, mit einer klaren Ansage in «Nothing To Teach». Vielleicht ein Song über performative Männlichkeit. Vielleicht aber auch über jeden Menschen, der meint, immer etwas zu sagen haben zu müssen.

Es spricht für die Songs von The Klittens, dass man sie mehrfach auslegen kann. Musik, sagt Winnie, sei kein Aktivismus. Aber sie könne Communities bewegen, den Fächer aufmachen. Bei The Klittens wird sie so zum punkphilosophischen Prosaalbum. Eben weil verschiedene Stimmen Eingang finden: mit verschiedenen Meinungen, Themen, Verses und Licks, weil vieles zugelassen und gemeinsam erarbeitet wird.

Eine fluide Stringenz, die mit einer einzigen Person als Chef in der Band gar nicht möglich wäre. Und vielleicht ist genau das auch der Unterschied zu einer gewissen traditionellen Punk-Geste: Es geht nicht darum, möglichst sicher zu wissen, wogegen man ist. Sondern darum, empfänglich zu bleiben – für die Mitmusikerinnen, für Widerspruch, für Unsicherheit.

“The actual work that people can do to change things – in your own surroundings, in your own personal life, or in the way you think – works better with some sensibility than just screaming your anger off the stage.” (Winnie Conradi, Gitarre)

Wer die Revolution will, muss zuerst einmal emotional verfügbar sein.

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

facebook.com

Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

Woche gegen Rassismus 2019