Woche gegen Rassismus 2019
Album der Woche: Elink von Kasimyn
Der Producer des ikonischen indonesischen Duos Gabber Modus Operandi hat vor Kurzem sein neues Album «Elink» veröffentlicht. Über eineinhalb Stunden, 20 Songs und mit der Hilfe der Physikalität von synthetischen Klängen erkundet Kasimyn fiktionale Formen von Spiritualität. Wir hören schnelle, verzerrte, elektronische Rhythmen, dichte Stimm-Samples, dicke Synthie-Schichten und Einflüsse von unter anderem Ambient, Drum and Bass und Hardcore. von Dion Monti
26.09.21 – ADW - Kasimyn - Elink - podcast
Das neue Album, Elink von Kasimyn
In den letzten 6 bis 7 Jahren ist in Kreisen von anspruchsvollen Musikhörerinnen immer wieder der Name Gabber Modus Operandi aufgetaucht. Ein Duo aus Bali, das schnelle, verzerrte, elektronische Rhythmen mit indonesischen Tonalitäten, Instrumenten und Praktiken vereint. Mit diesem Projekt wurde das Duo mittlerweile auf die halbe Welt eingeladen und hat es mit ihrem Sound geschafft, in lokalen, indonesischen aber auch globalen Clubs begeisterte Ohren zu finden – und auch faszinierte Hörerinnen bei namhaften internationalen Festivals.
In diesem Arktikel fokussieren wir uns auf eine Hälfte des Duos, den Musikproduzent Kasimyn, der nämlich letzte Woche sein neues Album «Elink» veröffentlicht hat – ein Album voller Einflüsse, von Ambient und Electronica bis Hardcore. Kasimyn stammt ursprünglich aus dem Norden von Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien, hat sich aber vor ca. 10 Jahren ein neues Zuhause in Bali gemacht, und dort hat er auch Ican Harem, den Vocalisten und Band-Partner, kennengelernt. In den Jahren seit ihrem ersten Release 2018 hat Kasimyn auch eigene weitere Projekte unter anderen Alias kreiert und auch eine Karriere als Producer und Komponist aufgebaut – mit Arbeiten für Theater, Ballett und im 2022 Songs mit Björk auf ihrem damaligen Album «Fossora».
Während das letzte Album «Bunyi Bunyi Tumbal» konzeptuell war und sich direkt einem Thema widmete, ist das neue Album «Elink» eher wie ein Mixtape – also eine Sammlung von Songs, die aus verschiedenen Gründen und mit verschiedenen Einflüssen in den Jahren 2020 bis 2025 entstanden sind. Zum Beispiel sind viele der Ideen im Ramen von Zusammenarbeiten mit anderen Künstler*innen aus Ballett, Theater und Film entstanden. Und trotzdem sagt Kasimyn, dass das Album ein übergreifendes Thema hat: In «Elink» geht es um fiktionale Formen von Spiritualität, die mit Hilfe der Physikalität von synthetischen Klängen untersucht werden. Was das bedeuten könnte, ist vielfältig zu interpretieren – und was das für Kasimyn heissen könnte, lässt sich hoffentlich in der Musik finden.
Das fast eineinhalbstündige Album ist – wie auch der Name, je nach Interpretation – voller Gegensätze. Auch das Albumcover hat etwas Widersprüchliches. Auf dem Bild sehen wir einen Golok, ein grosses Messer, das in verschiedenen Formen und Namen in ganz Südostasien zu finden ist. Es ist vergleichbar mit einer Machete und ist einerseits ein alltägliches Werkzeug, aber auch eine Waffe, die traditionell von Männern an der Hüfte getragen wurde – in den 70er Jahren aber vom indonesischen Staat verboten wurde. Auf dem Bild ist ein Golok abgebildet, der anstatt aus Stahl aus einer Platine mit elektronischen Komponenten gebaut ist. Auf instagram nennt Kasimyn das Golok, ‘Future Golok’.
Die Songtitel, die ich mit hife von Deepl aus dem Javanischen übersetzen konnte, erzählen eine eigene Geschichte. Der erste Song heisst «Ishi Bathi», was «der Stein sagt» heisst. Es ist ein mysteriös klingender Song, der als Eröffnungslied mit synthetischen Klängen, die teils wie Flöten klingen, eine Art unklare Antizipation und Spannung erzeugt. Es ist nicht immer klar, was natürliche und was synthetische Klänge sind.
Im siebten Song «Gandrung Liyane», was «Andere Sehnsüchte» heisst, hören wir Kasimyns typische Arbeit mit Stimm-Samples, wo kleine Stimmausschnitte als tonale und perkussive Mittel und ohne Wörter benutzt werden. Bei ungefähr 2:30 minuten, im letzten Drittel, gibt es mit Hilfe von choralen Schichten dann einen Moment der Erlösung von den doch irgendwie beunruhigenden Schrei-Samples.
In der Mitte des Albums ist der für mich zugänglichste Song, der ‘Saru’ – ‘der Hund’ heisst. Dort hören wir den berühmten Amen-Break in Jungle-Manier angewendet. Ein Rave- und trance-inspirierter, seltener «Hands in the Air»-Moment im Album.
Die zweite Hälfte des Albums wird deutlich lärmiger, verzerrter und rhythmisch anspruchsvoller, findet mit den zwei letzten Songs aber auch ein ruhiges Ausklingen.
Der 19. Song heisst «Asmaradhana Selamanya» (ewige Romantik / Liebe). In meinen Recherchen bin ich auch auf ein Javanisches Gedicht aus aus dem 12. Jahrhundert das (A)Smaradhana heisst gestossen. In diesem Gedicht aus der indonesischen Mythologie, geht es um die Geister von zwei verstorbenen Liebesgöttern, die für Liebe, Lust und Anziehung und die damit verbundenen Freuden und Leiden bei den Menschen verantwortlich sind.
«Elink» von Kasimyn ist ein anspruchsvolles, langes Album mit vielen spannenden Einflüssen und Songs, die durch Repetition und grelle Verzerrung, je nach Tagesstimmung, einen teils an Grenzen treiben können. Es ist als Ganzes aber auch sehr stimmig, und wer will, findet garantiert viel geistig Spannendes und Stimulierendes zum Thema Spiritualität, indonesischer Kultur, Klangsynthese, Physikalität und vielem, vielem mehr.
Die Woche
Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.
Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019
Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm
Das Programm
Montag, 18. März 2019
Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus.
19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)
Eintritt frei.
Dienstag, 19. März 2019
Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo
19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)
Eintritt frei.
Mittwoch, 20. März 2019
Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.
17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Donnerstag, 21. März 2019
Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.
Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).
Moderation: Bernard Senn, SRF
Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.
19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Freitag, 22. März 2019
Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)
Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch
19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Samstag, 23. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien
The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required.
14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen
Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg
16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr
Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.
20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Sonntag, 24. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch
14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)
Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.
Eintritt frei.
* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.
** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.
Ausstrahlungstermine
Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)
Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus
u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus
Donnerstag 21.3., 18 h & Samstag 23.3.19, 13 h
Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein
Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h
Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen
Kontakt
tatiana.vieira@radiox.ch
rebecca.haeusel@radiox.ch
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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: