Dennerclan – eine Telenovela aus Liebe, Trash und Surf

Dennerclan machen seit rund zwanzig Jahren Musik, als wäre Rock’n’Roll weniger ein Genre als eine Methode, zusammenzubleiben. Orizzonte ist das dritte Studioalbum der Basler Band und ihr erstes Longplay seit San Bernardino von 2013. Dazwischen liegen eine EP, eine Pandemie und überhaupt ein paar Jahre, in denen sich das Leben ziemlich grundsätzlich verändert hat. von Mirco Kaempf

Dennerclan releast neues Album 'Orizzonte'

Nach dreizehn Jahren veröffentlicht die Basler Kultband Dennerclan ein neues Studioalbum - hier im Interview

Musikalisch bleibt Dennerclan eingängig und dennoch schwer einzugrenzen: Surf, Blues, Cumbia, ("Jazz!" beharrt San Remo), psychedelische Ausflüge und Spaghetti-Western-Pathos treffen aufeinander. Die elf Stücke von Orizzonte wirken dabei weniger wie das Ergebnis eines übergeordneten Konzepts als wie das Nebenprodukt einer eingespielten Gruppe, die ihre Musik aus dem Moment heraus entstehen lässt. Mal klingt das nach Schabernack, mal nach Melancholie, dann wieder nach einem ziemlich lässigen Rock’n’Roll-Song.

Dass diese Leichtigkeit nicht selbstverständlich ist, gehört zur Geschichte des Albums. «Wir sind nicht auseinandergebrochen. Und hinter all dem Trouble – ob es jetzt Quarantäne war oder der Tod – ist ein Horizont aufgetaucht», sagt uns Sänger Zulu im Gespräch. Verluste, familiäre Veränderungen und die lange Unterbrechung des gemeinsamen Lärmens auf jeglichen 'hundsverlocheten' sind auf Orizzonte nicht als Konzept ausgestellt. Sie sitzen eher zwischen den Songs.

Auch die Texte verweigern sich einer eindeutigen Lesart. Gitarrist Rocco Raul beschreibt sie als «Freakouts und Assoziationen», die nicht zwingend verstanden werden müssen. «Sie sind ein Teil des Songs – wie der Bass.» Entsprechend stehen auf Orizzonte scheinbar absurde Bilder neben Stimmungen, ohne dass daraus unbedingt eine Botschaft destilliert werden soll.

Besonders deutlich wird diese Lust am Ungeplanten bei «Drifter», einem rund achtminütigen One-Take-Improvisationsstück. Für den Keyboardpart stiess die Musikerin Vree spontan zur Band. Das Ergebnis, erinnert sich Rocco Raul, sei ein «magischer Moment» gewesen.

Aufgenommen wurde Orizzonte bereits vor rund zwei Jahren im Startrack Studio in Schaffhausen, der alten Heimat von Bassist San Remo. Herausgekommen ist ein Album, das seine Widersprüche nicht auflösen will: verspielt und melancholisch, trashig und pathetisch, lose und gleichzeitig erstaunlich geschlossen. Wie kann das nach zwanzig Jahren immer noch gut gehen?

«Alles Gute kommt vom Rand», sagt Zulu. Niemand soll im Zentrum stehen und wenn man miteinander kommuniziert, soll immer direkt alles ins Gesicht gesagt werden ("Immer diräkt ind Frässi"). Das tönt nach eingespielten Team. Oder nach einer ziemlich guten Beschreibung ihrer Musik.

Am Samstag 5. September taufen sie Orizzonte ab 20 Uhr im Portland.

zwei fotos liegen auf dem rücken eines plattencovers