Album der Woche: Eye Wander von Ferries
Die anonyme Band Ferries laden auf ihrem zweiten (?) Album zu einem Traum im Kopfhörerformat ein. Geduld wird belohnt: Fiebrige Klanglandschaften, flüchtige Vocals und subtile Eingriffe in den Sound fügen sich zu einer Musik zwischen Dub und Kraut, in der Verfremdung selbst zum Gestaltungsmittel wird. von Mirco Kaempf
Ferries - Eye Wander
Die anonyme Band Ferries veröffentlicht ihr Album Eye Wander via Londoner World of Echo Label.
Mit Eye Wander veröffentlicht die anonyme Band Ferries ihr zweites Album auf dem Londoner Label World of Echo. Zwischen Dub, Krautrock und Psychedelik entfaltet sich ein dichter, zugleich offener Sound, der weniger auf Songs als auf Atmosphäre setzt.
Das Albumcover zeigt einen grinsenden, geschnitzten Kürbis – ein Bild, das Assoziationen weckt, ohne eine eindeutige Deutung vorzugeben. Genau wie die Band selbst entzieht sich Ferries festen Narrativen. Statt Erklärungen steht die Reise im Vordergrund.
Die zehn Stücke sind sorgfältig komponiert und lassen dennoch viel Raum. Im Kern ist Eye Wander ein Dub-Album, dessen 70er-Jahre-Referenzen durch Einflüsse aus Krautrock, Psychedelik und Post-Punk erweitert werden. Motorische Rhythmen treffen auf lange, tranceartige Motive, Echo und Hall schaffen weite Klangräume, während sich Stimmen und Effekte immer wieder auflösen und neu formieren.
Ferries arbeiten mit Dekonstruktion und Wiederholung. Die einzelnen Elemente mögen vertraut sein – entscheidend ist ihre Kombination. So entsteht eine eigenständige Klangwelt, die gleichzeitig hypnotisch, fragil und unberechenbar wirkt. Wer sich auf Eye Wander einlässt, entdeckt, wie nah sich die motorische Strenge des Krautrock und die räumliche Offenheit des Dub tatsächlich sind.