Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Ein Gemälde einer roten Vulva, es sind Augen auf die Labia und die Klitoris geklebt.

Die Rebellin der Moderne

Sie war unbequem, provokant und radikal eigenwillig: Carol Rama, eine Künstlerin, die sich Zeit ihres Lebens gegen gesellschaftliche Normen, das Patriarchat und den Faschismus auflehnte. Das Kunstmuseum Bern widmet ihr nun die Ausstellung "Rebellin der Moderne", die einen umfassenden Blick auf ihr Lebenswerk wirft. von Noemie Keller

25.03.07 Carol Rama im Kunstmuseum Bern

Das Kunstmuseum Bern stellt Werke der "Rebellin der Moderne" Carol Rama aus.

Eine Künstlerin gegen Konventionen

Carol Rama (1918-2015) begann in den 1930er Jahren mit ihrer Kunst, in einer Zeit, in der Faschismus, katholische Moralvorstellungen und Männerdominanz das Leben bestimmten. Frauen wurden zwar an Kunstschulen zugelassen, befanden sich aber dennoch am Rande der Kunstszene. Rama widersetzte sich dem System und schuf Werke, die den weiblichen Körper, Sexualität und Lust unverblümt darstellten.

Ihre frühen Aquarelle (Appassionata) zeigen nackte, oft weibliche Körper, mal in einem Rollstuhl mit amputierten Beinen, mal umringt von Männern, die ihre Geschlechtsteile präsentieren, mal beim Stuhlgang. Immer wieder präsent ist die Zunge, ein Symbol für Lust und Widerstand. Als Rama 1945 die Aquarelle in Turin ausstellen wollte, wurde die Ausstellung noch vor Eröffnung von der Polizei wegen Obszönität verhindert.

Das Aquarellbild zeigt eine nackte Frau in einem Krankenbett. Sie trägt Stöckelschuhe, hat eine Art Kranz auf dem Kopf und streckt die Zunge heraus.
Carol Rama, Appassionata, 1940 || Foto: Studio Fotografico Gonella, by courtesy of the Fondazione Torino Musei, © 2025 Archivio Carol Rama, Torino

Wandel und Kontinuität in 70 Jahren Kunst

Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern zeigt Rama in sechs Phasen ihres künstlerischen Schaffens. Obwohl sie rund alle zehn Jahre neue künstlerische Ansätze fand, ziehen sich die gleichen Themen durch ihr Werk: Rebellion, Körperlichkeit, die menschliche Psyche, gesellschaftliche Ungerechtigkeit, das Spiel zwischen Lust und Ekel.

In ihren abstrakten Arbeiten, die sie als Mitglied der "Movimento Arte Concreta" schuf, entfernte sie sich von der Figur, auch als Ausdruck gegen den Faschismus, nur um später in Materialexperimenten mit Alltagsgegenständen, wie Puppenaugen oder Spritzen, und der Arbeit mit Reifengummi wieder neue Ausdrucksformen zu finden. Ihre späteren Werke führen zurück zur Figuration, doch ihr Widerstand gegen Normen blieb stetig.

"Für mich war die Arbeit, die Malerei, immer etwas, das mir das Gefühl gab, weniger unglücklich, weniger arm, weniger hässlich und sogar weniger ignorant zu sein... Ich male, um mich selbst zu heilen."
Carol Rama in einem Interview mit Corrado Levi und Filippo Fossati, "Carolrama" in Impressa per l'arte contemporanea, 4. Januar 1997

Späte Anerkennung

Insbesondere Männer kritisierten Ramas Werke und wollten sie pathologisieren und als Aussenseiterin brandmarken. Doch Rama war sowohl in der Turiner Kunstszene, als auch international vernetzt, sie pflegte Kontakte zu Kunstschaffenden wie Man Ray oder Andy Warhol.  Dennoch gelangte sie erst spät zur Anerkennung. 1980 war sie Teil der Gruppenausstellung L'altra metà dell'avanguardia 1910-1940 von Lea Vergine im Palazzo Reale in Mailand. 2003, als sie bereits 85 war, erhielt sie bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Zu spät, fand sie selbst, und kommentierte: "Das macht mich natürlich stocksauer, denn wenn ich wirklich so gut bin, kapiere ich nicht, warum ich so lange hungern musste, auch wenn ich eine Frau bin."

Carol Rama in ihrer Atelierwohnung, 1994
Foto: Pino Dell'Aquila © 2025 Pino Dell'Aquila

Ausstellung in Bern

Die Ausstellung "Rebellin der Moderne" im Kunstmuseum Bern läuft bis Mitte Juli und bietet einen umfassenden Einblick in das radikale, kompromisslose Werk von Carol Rama. Eine Künstlerin, die mit Konventionen brach und sich gegen Machtstrukturen auflehnte und die man sich zweifellos auch heute als künstlerische Stimme gegen die Ungerechtigkeiten der Welt wünschen würde.

Aufgrund expliziter Darstellungen empfiehlt das Kunstmuseum, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren die Ausstellung nur in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person besuchen.

Zeitgleich zeigt das Kunstmuseum Bern die Ausstellung "Ascoltare lo spazio / In den Raum hören" der italienischen Künstlerin Marisa Merz (1926-2019).

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: