Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Eine Frau in Sportkleidung lehnt sich auf einen Just Eat Delivery Rucksack. Die Füsse sind auf dem Boden platziert, die Hüfte in der Luft, der Rücken gestützt vom Rucksack auf dem Boden. Sie schaut zur Kamera.

Zwischen Körper und Maschine

Die Maschine als grosse Befreiung des Menschen: Das war lange ein zentrales Versprechen der Industrialisierung. Doch wie sieht dieses Verhältnis aus, wenn man es aus einer feministischen Perspektive betrachtet? Die neue Ausstellung «Labouring Bodies» im Museum Tinguely geht genau dieser Frage nach und zeigt, wie der weibliche Körper seit der Moderne durch Maschinen geprägt, kontrolliert und ausgebeutet wird. von Noemie Keller

26.06.13 Labouring Bodies

Bericht zur Ausstellung Labouring Bodies im Museum Tinguely

 

Der Ausstellungstitel ist dabei bewusst doppeldeutig gewählt: Das englische Wort «labouring» bedeutet einerseits «arbeiten», andererseits aber auch «gebären» (in den Wehen liegen). Es geht also nicht nur um Fliessbandarbeit, sondern auch um die Geschichte der Reproduktion und die Degradierung des Körpers zur Maschine.

Der Körper als historische Gebärmaschine

Die Kuratorin Dr. Sandra Beate Reimann verweist auf ein düsteres historisches Kapitel der Mechanisierung:

«Die Philosophin Silvia Federici hat schon in den 70er-Jahren darauf hingewiesen, dass Frauen aufgrund ihrer Fähigkeit, Leben auf die Welt zu bringen, mehrfachen Mechanisierungsprozessen ausgesetzt waren. Ganz besonders brutal betrifft das Schwarze Frauen – vor allem in der Sklaverei, in der Frauen zur Fortpflanzung gezwungen wurden, sozusagen als Gebärmaschine für neue Sklavinnen und Sklaven, die ihnen dann auch weggenommen wurden.»

Dieses Thema greift in der Ausstellung beispielsweise ein Werk von Tabita Rezaire auf. Es befasst sich mit der brutalen Geschichte der Gynäkologie und verweist auf den sogenannten «Vater der modernen Gynäkologie», Dr. James Marion Sims, der im 19. Jahrhundert Operationen an versklavten Frauen ohne deren Einwilligung und ohne Narkose durchführte.

Ein pinker Gynäkologie-Stuhl, daran befestigt ist ein Bildschirm, auf dem ein Video läuft.
Bild: Radio X. Courtesy of Tabita Rezaire and Goodman Gallery.

Die trügerische Freiheit der Technologie

Die Mechanisierung der Reproduktion ist jedoch keine reine Angelegenheit der Vergangenheit. Das wird gleich zu Beginn der Ausstellung in einer Installation deutlich: Eine automatische Milchpumpe pumpt Muttermilch durch Schläuche. Ein Gerät, das auf den ersten Blick örtliche Freiheit für Mütter verspricht, zwingt den weiblichen Körper auf der anderen Seite in eine neue Logik der ständigen Verfügbarkeit: Die Erwartungshaltung gleichzeitig Lohnarbeit und Care-Arbeit zu verrichten.

Für Kuratorin Sandra Beate Reimann ein fortlaufender Prozess:

«Mechanisierung ist keine abgeschlossene Epoche. Es ist ein Prozess, der heute nach wie vor stattfindet und der Körper, besonders feminisierte und marginalisierte Körper, ganz unterschiedlich hierarchisiert und bis heute markiert.»

Die Vereinbarkeitslüge und das befreiende Scheitern

Dieser ständige Druck, alles perfekt zu managen, Kind, Job, einen schönen Körper, und dabei selbst wie eine optimierte Maschine zu funktionieren, ist ein zentrales Thema für die Künstlerin Ernestyna Orlowska. In der Ausstellung ist sie mit der 20-minütigen Video-Performance «Make your body your machine» vertreten. Darin kämpft sie sich mit einem riesigen, eckigen Food-Delivery-Rucksack auf dem Rücken durch absurde Fitness-Übungen, zieht am Ende ölige Spaghetti aus dem Rucksack, isst sie und singt dazu den 90er-Jahre-Hit «Freed from Desire».

Für Orlowska ist dieses Scheitern an den gesellschaftlichen Erwartungen ein bewusster Akt:

«Man wird zu der Maschine, wenn man versucht, diese Erwartungen zu erfüllen. In meiner Performance sieht man mich herrlich daran scheitern, so souverän und kontrolliert rüberzukommen. Ich struggle herum. Das hat für mich etwas sehr Reinigendes.»

Der Ausbruch aus diesem Hamsterrad beginnt laut der Künstlerin damit, sich bewusst zu machen, wer eigentlich von der Arbeit unserer Körper profitiert:

«Wenn wir uns bewusst machen, wie sehr unsere produktive und reproduktive Arbeit mit dem Kapitalismus verflochten ist, dann können wir auch vorsichtiger damit umgehen und unsere Energien gezielter lenken. Wir können uns überlegen, ob wir in die endlose Selbstoptimierung und Produktivität investieren wollen, also Geld zu verdienen, oder in Entzug und Widerstand gegen die Produktions- und Reproduktionslogik.»

Ein Appell an die Selbstbestimmung

Insgesamt 36 künstlerische Positionen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart zeigen, wie Körper zu Maschinen gemacht oder durch sie beeinflusst werden. Und genau bei der Frage, wie man sich aus diesem System löst, schliesst sich der Kreis zwischen den Generationen.

Die Werke der Malerin Doris Ziegler setzen sich mit der Realität von hart arbeitenden Frauen zur DDR-Zeit und mit weiblichen Rollenbildern auseinander. 

«Das Wichtigste ist, selbst herauszufinden, was man will, mit allen Möglichkeiten des Scheiterns natürlich. Ich kann als ältere Frau Jüngeren nur ermutigen, die körperliche Arbeit, auch das Gebären, nicht Maschinen, Ärzten oder anderen Leuten zu überlassen, sondern ganz gelassen zu bleiben mit der Arbeit ihrer Hände und ihres Geistes.»

Info zur Ausstellung und Performance

Die Ausstellung «Labouring Bodies» ist noch bis im November im Museum Tinguely in Basel zu sehen. Tipp: Wer die Künstlerin Ernestyna Orlowska live erleben möchte, hat am Montag, 15. Juni,  sowie am kommenden Samstag im Rahmen der Art-Woche im Basel Social Club die Gelegenheit dazu.

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: