Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

In Freiheit welken: The Punk Rock Birdwatching Club

Es liegt eine besondere Schönheit in der Bedeutungslosigkeit. Die Menschen, die danach suchen, stehen auf schlammigen Feldern und beobachten Vögel, schuften in holländischen Blumenfabriken oder wachen verkatert auf – nach einer durchfeierten Nacht in einem besetzten Haus. Es sind Geschichten, die ebenso gut in Vergessenheit geraten könnten, der Künstler und Musikjournalist Richard Foster jedoch, hat sie aufgeschrieben.  von Mirco Kaempf

25.04.23 The Punk Rock Birdwatching Club

The Punk Rock Birdwatching Club ist das zweite Buch des britischen Autors Richard Foster, erschienen im Ortac Press Verlag

Richard Foster schreibt direkt, zynisch, mit schnoddrigem Witz und viel Melancholie. Genau so, wie man es vielleicht von einem rund 50-jährigen Engländer erwarten würde, der einst mit Punk sozialisiert wurde. Er ist Künstler, Musikjournalist, Historiker – und vor 25 Jahren tat er das, was damals viele junge Menschen aus ganz Europa machten: Für drei Monate in die Niederlande ziehen, um Saisonarbeit in Blumenfeldern oder -fabriken zu machen. Viele blieben länger, lebten in Wohnwägen oder besetzten leerstehende Häuser, organisierten Partys und Konzerte. All das ist heute im Raum Leiden kaum noch denkbar – zu kommerzialisiert, zu viele Cafés, die nur noch Zucker und Flat Whites servieren.

there is this kind of idea of getting it down, because a history of 20 years ago is a history that often gets missed [...] that's what I wanted to reflect in the book.

Die Geschichten in The Punk Rock Birdwatching Club wollen diesen flüchtigen Momenten, die im Lauf der Zeit zu verschwinden drohen, Raum geben – und sie für Leser:innen erlebbar machen - Ganz im Sinne eines Archivars, oder Kurator kultureller Zustände. Es sind Geschichten aus der Niederlanden der frühen 2000er, von einem Alltag, der geprägt war vom Älterwerden: von der Zeit vor dem Brexit und nach der Euro-Einführung, vom täglichen Abmühen bei Saisonarbeit in Tulpenfabriken – stets begleitet von der zugrunde liegenden Idee, dass in der Bedeutungslosigkeit eine gewisse Schönheit liegt. Wir haben den Autor in Leiden in den Niederlanden getroffen und sitzen mit ihm an einem Fluss, der ursprünglich einmal der Rhein gewesen ist.

"I think there’s a certain cynicism in the fact that what’s replaced what we’ve lost just isn’t as interesting or full of potential. There’s not as much space anymore for people to simply be a mess. You know—like Kurt Vonnegut said—you just want to mess around, and that in itself can be artistic. But now, even that idea of “messing about” has been hijacked by the pressure to be creative, which is kind of awful."

Im Interview spricht Richard Foster beinahe wie seine Figuren. Die Charaktere in seinen Kurzgeschichten sind dem echten Leben entnommen: Saisonarbeiter:innen mit Drogenproblemen, launisch, meinungsstark, Ornithologen aus Leidenschaft, unterwegs mit ihren Rädern durch eine sich wandelnde Stadt. Sie fahren auf deutsche Festivals und brechen sich ihre Rippen oder stammeln sich mit gebrochenem Niederländisch durch konservative Familienbesuche. Die Geschichten sind bewusst anekdotisch gehalten – flüchtig, ephemer. Genau solche Geschichten gilt es, wie Foster sagt, zu bewahren, weil sie in der Geschichtsschreibung oft übersehen werden.

Es zieht sich ein klarer Zwiespalt durch viele dieser Erzählungen: Warum blickt ein Land mit so offenen Grenzen so herablassend auf migrantische Arbeitskräfte? Warum haben viele Familien Eltern oder Großeltern mit Wurzeln außerhalb der Niederlande – aber bei Familienfeiern wird nur Niederländisch akzeptiert? Warum rackern sich junge Leute in Tulpenfabriken ab, statt in der Heimat ein Haus zu kaufen – und sind sie dort wirklich freier?

I just, I'm really fascinated by time, the idea of, like, what is it, you know?

Zeit – das ist für Foster ein zentraler Begriff. Unterschiedlich wahrgenommen, abhängig von Lebensumständen, Perspektive, sozialem Stand. Ein Konstrukt, das uns zusammenhält – oder voneinander trennt. Besonders im Rückblick stellt sich die Frage: Wofür das alles? All die Energie, all die Gedanken, was andere über uns denken – besonders dann, wenn man ganz unten steht, am Fließband, beim LKW-Beladen, ständig unter Druck, ständig austauschbar. Vielleicht, so sinniert Foster, ist Zeit einfach Energie. Und diese Energie ist begrenzt.

The Punk Rock Birdwatching Club ist nach 'Flower Factory' das zweite Buch von Richard Foster, herausgegeben via Ortac Press. Im kommenden Buch wird er sich auf seine weise mit der Musikindustrie auseinandersetzen. Wenn er nicht an Büchern schreibt, schreibt er u.a. für die Musikmagazine The Quietus, Louder Than War, führt das digitale Museum of Photocopies oder arbeitet an PINS

Ein Buchdeckel zeigt den Autoren

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: