Woche gegen Rassismus 2020

 
Aktivitäten in Basel vom 16.-22. März 2020

Radio X organisiert in Basel-Stadt die Woche gegen Rassismus. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung setzen.

Aufgrund der "ausserordentlichen Lage" und den Verordnungen des Bundes (Stand: 16.3.2020) können die öffentlichen Veranstaltungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Programm auf dem Sender findet statt, das Programm findet ihr hier

Die Woche

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten. 

Album der Woche: I will be, forever mine von Tiramisadness

Die Musikerin Dshamilja Kalt bewegt sich zwischen unterschiedlichen Klangräumen – von der Resonanz einer Kirchenorgel bis zu sphärischen Skizzen auf dem Casio-Keyboard um vier Uhr morgens. Unter dem Namen Tiramisadness entfacht sie für ihr Debütalbum einen träumerischen Strudel flüchtiger, digitaler Intimität. von Mirco Kaempf

ADW Tiramisadness I will be, forever mine

Tiramisadness veröffentlicht ihr Debütalbum via Too Much Fun Records

Digitale Intimität – die Möglichkeit, durch elektronische Technologie ein Gefühl emotionaler Nähe zu erzeugen – ist ein zentrales Motiv im Werk der Basler Musikerin Tiramisadness. Auch ihr Debütalbum I will be, forever mine entfaltet einen Strudel aus Emotionen in einer retro-normativen Klangästhetik, die zum Treibenlassen in kosmischen Klangräumen einlädt.

Hinter Tiramisadness steht die Musikerin Dshamilja Kalt. Ihr Projekt bewegt sich in den Wogen von casiopopambientsynthdreamnoise und entstand aus einer DIY-geprägten Annäherung an Musik der späten 2000er-Jahre. Damals, Anfang zwanzig, arbeitete sie mit einfachstem Equipment – einem iPhone 3, einem Laptop sowie CD- und Kassettenrecordings. Diese haptische Form digitaler Produktion prägt ihre Arbeit bis heute.

Ihre Songs kreisen um flüchtige, schwer greifbare Zustände. Alles wirkt gegenwärtig und zugleich bereits entgleitend – wie Erinnerungen, die sich im Moment ihres Entstehens wieder auflösen. In Commuters Point of View etwa wird Alltag aus der Perspektive einer beobachtenden Passantin erzählt, in dem Abläufe und Bewegungen ineinander übergehen.

Auch in Heartbeat is my favorite number verdichtet sich dieses Prinzip: Emotionale Nähe und Liebesbekundungen entstehen aus der Distanz heraus. Sehnsucht und Berührung werden formuliert, während sich das Gefühl nach rund 1:37 Minuten wieder entzieht – als wäre Liebe selbst ein Zustand digitaler Übertragung, ständig präsent und doch nie vollständig greifbar.

Neben Tiramisadness ist Kalt in verschiedenen musikalischen Projekten aktiv, darunter Princess Pluto & Sailor Stardust, Melting Steine, glitchBABY oder Onlineshopping. Sie bewegt sich damit konsequent zwischen unterschiedlichen musikalischen Räumen. Neben Keyboard- und Laptop-Setups spielt sie gelegentlich auch Orgel in Kirchen.

Ihr Debütalbum I will be, forever mine ist kürzlich beim Basler Label Too Much Fun Records erschienen und wird am 23. Mai im Stillen Ort in Basel getauft. Wer weiss, wo, wird hier fündig.

Radio X: In Digital Intimacy von Charlotte Stone fragt sie junge Menschen mit einem alten Camcorder, ob es möglich ist, jemanden über das Internet wirklich zu kennen. Was meinst du, geht das?

Tiramisadness: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, man kann sicher einen Teil einer Person kennenlernen. Im Internet hat man die Möglichkeit, sich selbst zu kuratieren und zu entscheiden, wie man sich präsentiert – egal ob über Text, Video oder Musik. Gleichzeitig kann man nicht kontrollieren, wie andere einen wahrnehmen. Letztlich hängt es davon ab, wie viel jemand von sich preisgibt. Aber eigentlich ist die grundsätzliche Frage eher, ob man Menschen überhaupt wirklich kennen kann – unabhängig davon, ob online oder im echten Leben.

In deinem frühen Song Büsi Matrix von 2023 singst du „Hardware in my Bag, Software in my Heart“. Gleichzeitig spielst du aber auch Kirchenorgel. Was unterscheidet das Spielen von Akkorden auf einem Keyboard und auf einer Kirchenorgel?

Bei der Kirchenorgel ist das Instrument oft untrennbar mit der Architektur verbunden. Die Kirche wird Teil des Resonanzkörpers und prägt den Klang stark. Das beeinflusst auch, wie Musik entsteht und wie man sich dem Instrument nähert. Ausserdem ist eine Orgel nicht jederzeit verfügbar wie ein Keyboard zu Hause.

Für mich ist der Unterschied ähnlich wie zwischen digitaler und analoger Fotografie. Wenn ich an der Orgel spiele, habe ich eine begrenzte Zeit und plane bewusst, was ich machen möchte. Ein Keyboard dagegen kann ich jederzeit benutzen – auch nachts um vier mit Kopfhörern. So kann ich spontane Ideen sofort festhalten.

Du hast gerade die Kirche als Teil des Instruments beschrieben. Das zeigt, dass du über die Tasten hinaus denkst – darüber, wie Musik im Raum wirkt. Ist Tiramisadness eher ein Kopfhörer-Projekt?

Es ist ein bisschen von allem. Für mich geht es weniger um perfekte Produktion als darum, musikalische Ideen im Moment einzufangen. Ich arbeite mit den Mitteln, die mir gerade zur Verfügung stehen, und entwickle die Idee so weit, wie ich es in diesem Moment möchte. Deshalb entsteht eine Mischung aus verschiedenen Arbeitsweisen.

Du erwähnst, dass dich elektronische Musik aus den Jahren 2006 bis 2013 geprägt hat – also deine frühen Teenagerjahre. Geht es dabei um Nostalgie?

Damals habe ich viel Musik entdeckt, zum Beispiel Burial oder Witch House. Auf YouTube konnte man unglaublich viele Tracks finden, die keine grosse Reichweite hatten. Wenn man gezielt gesucht hat, hat man eine riesige Vielfalt entdeckt. Viele Leute haben einfach ihre Ideen umgesetzt und online geteilt – oft mit Sampling, DIY-Vocals oder experimentellen elektronischen Sounds.

Wenn ich heute zu Hause mit einem ähnlichen Setup arbeite und mit den verfügbaren Mitteln experimentiere, tauchen diese Einflüsse automatisch wieder auf. Manchmal höre ich alte Playlists durch und denke: Jetzt ergibt alles Sinn.

Vielen Dank für das Interview!

Programm

Montag, 16. März

11.30/16.30 Uhr

20.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass und texten mit dringlicher Zärtlichkeit gegen Hetze und performen mit "Hate Speech" gegen "Hate Speech". Das Line-Up: Alex Hadjistamov, Lea Butscher, Mary Milanovic, Susan Reznik, Jeremy Chavez, Julie Roth u.a. Das WORTSTELLWERK organisiert den Anlass im Literaturhaus Basel (Barfüssergasse 3, 4051 Basel). Eintritt frei.
  • Ausstrahlung der Texte auf Radio X am Donnerstag 19. März, 18 Uhr und Samstag 21. März, 13 Uhr (Wdh.)

 

Dienstag, 17. März

11.30/16.30 Uhr

 

Mittwoch, 18. März

11.30/16.30 Uhr

 

Donnerstag, 19. März

11.30/16.30 Uhr

18.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

 

Freitag, 20. März

11.30/16.30 Uhr

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Eine Tour durch die Altstadt: Spannendes und Unerwartetes über Basels Verflechtungen mit Afrika in Vergangenheit und Gegenwart. Führung auf Deutsch. Besammlung: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). Eintritt frei.

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Theatertraining und Improvisation zu: Die Begegnung mit «dem Fremden». Was ist mir fremd? Was passiert bei Vorurteilen? Offenes Training mit dem Theater Niemandsland im UNION (Klybeckstrasse 95, 4057 Basel), 1. Stock. Mitnehmen: Gemütliche Kleider. Eintritt frei.

 

Samstag, 21. März

11.30/16.30 Uhr

  • Beitrag auf Radio X : BaobabBooks «el reloj / die Uhr» von Nacha Vollenweider

13.00 Uhr

  • Gegen Hass - Junge Poetinnen und Poeten setzen ein Zeichen gegen Hass. Ausstrahlung derTexte.

14.00 Uhr

  • +++abgesagt+++ Join us for a tour of the inner city and learn more about the entangled history of Basel and Africa. Meeting point: vis-à-vis Restaurant Atlantis (Klosterberg 13). The tour will take place in English and is free of charge.

16.00 Uhr

19.30 Uhr

  • +++abgesagt+++ Talk zu hate speech/Hass im Netz: Am Internationalen Tag gegen Rassismus diskutieren Jolanda Spiess-Hegglin, Feministin, Netzaktivistin, Gründerin und Geschäftsführerin von #NetzCourage und Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Anwältin und Mediatorin sowie Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist. Begrüssung: Michael Wilke, Leiter Fachstelle Diversität und Integration des Präsidialdepartements Basel-Stadt. Moderation: Bernard Senn, Redaktor. In der Kaserne Basel, Rossstall 2. Eintritt frei. Ausstrahlung auf Radio X am Sonntag 22. März 10 Uhr, Donnerstag, 26. März 18 Uhr, Samstag, 28. März 13 Uhr.

22.00 Uhr, doors: 21 Uhr

  • +++abgesagt+++ Konzert der Gaddafi Gals aus Berlin und Wien, die sich musikalisch zwischen Cloud-Rap und Avant-Garde-Pop bewegen. In ihren englischen Lyrics verbinden Gaddafi Gals gesellschaftliche Themen mit einer Prise Humor und Coolness. Ihre Musik ist Kunst und Politik in einem. Nicht politisch zu sein, sei in Zeiten von AfD und Trump gefährlich, so Gaddafi Gals. Eintritt 15 CHF, in der Kaserne Basel, Rossstall 1.

 

Sonntag, 22. März

10.00 Uhr

  • Ausstrahlung der Diskussion vom 21. März: Talk zu "hate speech/Hass im Netz" mit Jolanda Spiess-Hegglin, Nora Refaeil, Martin R. Dean, Bernard Senn

11.30/16.30 Uhr

16.15 Uhr

  • +++abgesagt+++ "Du heiratest einen von uns!" Wie erkennen wir rassistische Diskriminierung bei der Partnerwahl und wie gehen wir damit um? Speed Dating und partizipative Diskussion mit jungen Erwachsenen diverser Religionstraditionen, Fachpersonen und Vertreter*innen weiterer Interessengruppen. Die Veranstaltung wird im Rahmen von "Dialogue en Route" IRAS COTIS mit der Fachstelle Zwangsheirat organisiert. In der KLARA (Clarastrasse 13, 4058 Basel). Eintritt frei.

 

Samstag, 28. März

16.00 Uhr

  • Sendung «(k)ein Rassismusproblem?»: Das Stadtrand-Team von Radio X mit dem anderen Blick auf Rassismus. Sonntag, 29. März um 10 Uhr (Wdh.)

 

 

Kontakt

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch: