Radio X und das Jugendkulturfestival sind seit Gründungszeiten eng miteinander verbunden. Radio X sendet auch in der Ausgabe 2021 live vom Festival: Wir übertragen Konzerte, Talks, Interviews, Slams und Lesungen von den Standorten Sommercasino und Klybeck live zu dir ins Wohnzimmer. Und an unserem "Bad-Taste-Henna"-Stand verunstalten JKF Artists deine Haut mit Motiven, die das "Wheel of Destiny" für dich bestimmt hat.

Wir senden an beiden Festivaltagen zwischen 17h und 01h live von den Standorten "Sommercasino" und "Padelhalle Klybeck".

Das Festivalprogramm ist online! Folgende Programmpunkte werden bei uns auf dem Sender stattfinden:

Freitag, 3.September 2021

Konzerte:

Talks/Lesungen/Slam-Poetry:

 

Samstag, 4.September 2021

Konzerte:

Talks/Lesungen/Slam-Poetry:

 

 

#badtastehenna

Wir wollen euch am JKF alle etwas aufhübschen! Deswegen gibt es an unserem Sendebus vor dem Sommercasino eine Henna-Tattoo-Session der etwas anderen Art. Kulturschaffende, die am JKF auftreten, sind die Tattoo-Artists, du ihre Leinwand. Schöne Schnörkel und Mandalas werden wohl eher Seltenheitswert haben, denn unsere Artists sind mehrheitlich Masters of Trash - dafür vollgas! Und auch bei der Wahl des Motivs hast du nicht viel mitzureden, denn die liegt ganz beim "Wheel of Destiny". Die Wahl des Orts, an dem du dein Henna-Tattoo willst, die überlassen wir dir aber natürlich noch, schliesslich gehört dein Körper dir und nur dir allein - vergiss das nicht! Vor zwei Jahren gab es einen regelrechten Ansturm und es entstand ein Sammelsurium an grandiosen Trash-Kuriositäten. Komm vorbei, triff die JKF-Artists und lass ein bisschen Trash in dein Herz!! wir sind an beiden Tagen zwischen 17h und 01h für dich da! #badtastehenna

Album der Woche: Musicks von Connie Converse (1956)

Sie war ein Genie, mit halben Wesen im All schwebend, von einer tiefen Melancholie umgeben. Das sagen Zeitgenoss:innen über Connie Converse, welche in den 1950er Jahren Songs komponierte, die aus der Zeit zu fallen schienen. Bis sie schliesslich ganz vom Erdboden verschwand. Einen Einblick in ihr Wesen und Schaffen gibt nun das Album "Musicks", welches sie in ihrer Küche aufnahm. von Mirco Kaempf

Album der Woche: Musicks von Connie Converse

Connie Converse war in den 1950er Jahren eine Pionierin des Singer Songwriter Genres - sie blieb jedoch ohne Anerkennung und gilt bis heute als verschollen. Zu ihrem 99. Geburtstag wurde nun Musicks - ein homemade Recording veröffentlicht, welches sie 1956 bei sich zu Hause aufnahm.

Connie Converse war eigentlich näher am modernen Brooklyn-Hipster-Archetyp als am traditionellen Rollenbild einer jungen Frau in den 40er und 50er Jahren. Dennoch war sie ein Kind ihrer Zeit. Sie wuchs in einem strengen christlichen Haushalt auf, ihre Großtante wurde als Hexe verbrannt, ein Cousin verendete in einer Nervenheilanstalt, depressive Krankheitsbilder wurden familiär vererbt. 

In diesem Umfeld wuchs Connie, eigentlich Elizabeth Eaton Converse, als Mittelkind mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf. Zeitgenoss:innen sagen, sie sei ein Genie gewesen. Sie galt in der Highschool als die Beste ihres Jahrgangs, erhielt ein Stipendium fürs College, brach jedoch im zweiten Studienjahr ab, um alleine durch Amerika zu reisen. Sie fand schließlich einen Job in einer New Yorker Druckerei. Während dieser Zeit brachte sie sich selbst das Gitarrenspielen und Komponieren bei. Sie wurde zur Singer-Songwriterin, lange bevor dieses Genre überhaupt existierte. Darauf folgten unchristliche Zigaretten, Alkohol und manche sagen, auch queere Liebschaften.

Connie Converse am komponieren auf ein Notenblatt
Elizabeth As Harried Composer (zvg via The Musick Group)

Connie Converse ist schwer zu fassen. Ihre Lieder sind inspiriert von klassischen englischen Volksliedern, Bibeltexten, Shakespeare-Sonetten und subversivem Storytelling. Subversiv, weil sie die Welt durch ihre weibliche, introspektive Linse beschreibt. Die Protagonist:innen ihrer Lieder sind Frauen, die alleine auf Reisen gehen, sich in die verruchte Seite der Stadt verirren, sehnsüchtig in die Weite des Ozeans blicken oder verloren, traurig und einsam sind – dies wird alles stets auch als eine Form der Schönheit inszeniert.

Diese eigenartige Mischung aus Einflüssen verleiht ihrer Musik eine zeitlose Note, aber auch einen Hauch von Traurigkeit. Familie und Freunde berichten, dass Connie Converse wie niemand war, die sie je gekannt haben. Sie sagen, es sei, als käme sie aus dem Weltall oder als habe sie immer einen Fuß in einer anderen Welt gehabt.

Das Album "MUSICKS", das anlässlich zu ihrem 99. Geburtstag vor 2 Wochen digital via Bandcamp veröffentlicht wurde (Spotify etc folgt am 31. August), nahm Connie Converse 1956 an ihrem Küchentisch auf. Auf zwei Doppel-Tonbandspulen nahm sie 34 Songs auf, die sie vor allem in den vorangegangenen fünf Jahren geschrieben und immer wieder in kleineren Veranstaltungen aufgeführt hatte. Die Bänder waren eigentlich privat und als Geschenk an ihren jüngeren Bruder und dessen Frau gedacht - "with love and modest pride". Ein handgeschriebenes Programm mit Informationen zu den Liedern war dabei, das auch als PDF beim Bandcamp-Release enthalten ist. 

Connie Converse spielt am Küchentisch
Christmas Schenectady 1955 (zvg via The Musicks Group)

Es war jedoch auch eine Art Abschluss. Nach vielen gescheiterten Versuchen, als professionelle Musikerin Fuß zu fassen, wandte Connie der Musik den Rücken zu, zog nach Michigan und engagierte sich auf akademischem Niveau für soziale Gerechtigkeit. Nach ihrem 50. Geburtstag schrieb sie einen Abschiedsbrief, und niemand weiß, was dann geschah.

"Musicks" von Connie Converse ist ein faszinierender Liederzyklus, nicht nur wegen der Geschichte der verkannten "weiblichen Dylan", sondern auch wegen der intimen, innovativen, dichterischen und zeitlich weit vorausblickenden Songs, die auf diesem Album so persönlich performt werden.

Und hier noch unsere Berichterstattung von der letzten Festivalausgabe, wenn du noch ein bisschen verweilen und in den Erinnerungen schwelgen möchtest: