Album der Woche: Atrice stellt mit "Default Settings" ihr Debütalbum vor

Default Settings heisst das Debütalbum des schweizerisch-kolumbianischen Duos Atrice aus Zürich. Der Titel bezeichnet normalerweise die Standardeinstellungen elektronischer Geräte. Doch mit dem Begriff «Standard» hat der Sound von Atrice wenig zu tun. Im Gegenteil: Das Duo hat in den vergangenen Jahren eine ganz eigene musikalische Handschrift entwickelt. Ihre elektronische Musik bewegt sich fernab des konventionellen Clubsounds. von Danielle Bürgin

Album der Woche: Default Settings von Atrice

Atrice veröffentlichen ihr Debütalbum auf Ilian Tape

Angefangen hat bei den beiden Musikern alles im Teenageralter. Damals spielten sie noch gemeinsam Punk, Ska und Reggae. Erst später entwickelte sich ihre Musik allmählich in jene Richtung, die Atrice heute ausmacht. Auslöser war unter anderem ein Schulprojekt, bei dem sich einer der beiden erstmals mit Modularsynthesizern und Musikproduktion beschäftigte.

Während der eine Sound Arts und Informatik studierte, absolvierte der andere eine Ausbildung in Audio Design. Entscheidend für ihren heutigen Sound waren die körperliche Erfahrung von Bass vor grossen Soundsystems und die Entdeckung der sogenannten akusmatischen Musik, bei der der Klang selbst zum künstlerischen Material wird.

Gegenüber Radio X sagen sie zu ihrem neuen Album, ausgehend davon, dass sich die Platte wie eine Geschichte anhören lässt: "Alle Kapitel verbindet ein kalter, metallischer Klang, und trotzdem unterscheiden sie sich in Luft, Temperatur und Tageszeit. Auch die Tracknamen spielen damit: Beim ersten Lesen meint man zu wissen, worum es geht, beim zweiten merkt man, dass etwas nicht stimmt und man in die Irre geführt wurde. Diese Mischung aus Verwirrung und Klarheit steckt auch in der Musik".

Auf dem Album treffen tatsächlich metallische, eiskalte, klirrende und kratzende Klänge auf warme Bässe. Eine Mischung aus absoluter Klarheit und gleichzeitiger Verwirrung. Ein gutes Beispiel dafür ist «Stainless Steel».

Atrice arbeiten in ihrem Studio in Zürich-Wiedikon. Beim Produzieren beginnt alles mit einer Skizze. Zunächst arbeitet jeder für sich zu Hause an eigenen Ideen. Fertig komponiert werden die Tracks anschliessend gemeinsam im Studio. Besonders kreativ sind Atrice, wenn sie sich an einem ruhigen, abgelegenen Ort Zeit für lange Studiosessions nehmen können. So war das beispielsweise bei Freunden in der Toskana oder im Winter im Engadin möglich.

Oft ist ein technisches Element der Ausgangspunkt für einen neuen Sound. "Ein neues Plug-in, eine Synthesemethode oder eine Effektkette auf dem ganzen Mix, die alle Klänge gleichzeitig beeinflusst. Wir produzieren dann direkt in diese Kette hinein und entscheiden im Moment, je nachdem, wie das System reagiert. So entscheidet es den Prozess mit, und es entstehen chaotische, unerwartete Resultate", erzählen sie im Radio X Interview.

Das neue Album Default Settings ist am 29. Oktober auf dem Label Ilian Tape erschienen.