Basel-Land zu teuer? Neues Steuersystem soll Fachkräfte locken
Basel-Landschaft schneidet im Steuerwettbewerb schlecht ab. Die Handelskammer beider Basel fordert deshalb ein neues Einkommenssteuersystem, das vor allem Fachkräfte und den Mittelstand entlasten soll. Doch die Reform könnte Kanton und Gemeinden rund 130 Millionen Franken kosten. von Nahom Mehret
26.07.09 Neues Steuersystem soll Basel-Landschaft attraktiver machen
Neues Steuersystem soll Basel-Landschaft attraktiver machen
Basel-Landschaft soll ein neues Einkommenssteuersystem erhalten. Zumindest, wenn es nach der Handelskammer beider Basel geht. Der Grund: Im schweizweiten Steuerwettbewerb schneidet der Kanton schlecht ab, insbesondere im Vergleich mit den Nachbarkantonen.
Die hohe Steuerbelastung werde zunehmend zum Problem im Wettbewerb um Fachkräfte, argumentiert die Handelskammer. Denn bei der Wahl des Wohnorts spiele neben dem Lohn auch die Steuerbelastung eine wichtige Rolle. Wer in der Region Basel arbeitet, kann seinen Wohnsitz vergleichsweise einfach über eine Kantonsgrenze hinweg verlegen. Basel-Landschaft habe dabei einen Standortnachteil.
Hinzu kommt: Das heutige Steuersystem gilt als kompliziert. Die Steuerbelastung wird mit einer mathematischen Formel berechnet und ist für viele Steuerzahlende nur schwer nachvollziehbar. Deshalb hat die Handelskammer beim Forschungs- und Beratungsunternehmen Ecoplan eine Studie in Auftrag gegeben. Untersucht wurden alternative Modelle, die einfacher verständlich sind und die Einkommensbesteuerung wettbewerbsfähiger machen sollen.
Dreistufige Flat Rate Tax als Favorit
Am besten abgeschnitten hat laut Studie eine sogenannte dreistufige Flat Rate Tax. Ein Modell, das bereits in Basel-Stadt angewendet wird.
Vom neuen System sollen insbesondere Fachkräfte und der Mittelstand profitieren. Vorgesehen wäre eine steuerliche Entlastung ab einem steuerbaren Einkommen von rund 90'000 Franken. Das Ziel: Das Steuersystem soll einfacher werden und Basel-Landschaft als Wohnort attraktiver machen. Die Handelskammer will die Reform in den kommenden zwei Jahren umsetzten.
Reform kostet 130 Millionen Franken
Doch die geplante Steuerreform hätte ihren Preis. Auf kantonaler Ebene wird mit Steuerausfällen von rund 80 Millionen Franken gerechnet. Bei den Gemeinden kämen weitere 50 Millionen Franken hinzu. Insgesamt geht es damit um rund 130 Millionen Franken.
Das dürfte politisch für Diskussionen sorgen. Mehrere Gemeinden stehen bereits heute finanziell unter Druck. Entscheidend wird deshalb sein, wie mögliche Steuerausfälle auf Gemeindeebene abgefedert werden können.
Reichen tiefere Steuern allein?
Fraglich ist zudem, ob tiefere Steuern allein ausreichen, um Basel-Landschaft als Wohnort für Fachkräfte attraktiver zu machen. Denn im Standortwettbewerb spielen auch Faktoren wie Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle.
Basel-Stadt setzt etwa auf einkommensabhängige Subventionen für die Kinderbetreuung. Für Familien mit Anspruch auf Betreuungsbeiträge sind die monatlichen Kosten für einen Vollzeitplatz auf maximal 1'600 Franken begrenzt. Damit gehören subventionierte Kita-Plätze in Basel-Stadt im nationalen Vergleich zu den günstigeren Angeboten.
Gemeinden als Knackpunkt
Ohne eine Lösung für die Gemeinden dürfte es die Baselbieter Steuerreform politisch schwer haben. Und selbst bei einer Einigung bleibt die Frage offen, ob tiefere Steuern allein genügen, um den Kanton im Wettbewerb um Fachkräfte und attraktive Wohnstandorte nach vorne zu bringen.