Album der Woche: Hassan von 7EMA
Auf seinem Debütalbum HASSAN verbindet der algerisch-schweizerische Musiker 7EMA Raï, Chaâbi, Gnawa und elektronische Sounds mit seiner klassischen Ausbildung in Barock. Aufgewachsen zwischen Algerien und Belgien und später an der Hochschule für Musik Basel, bewegt er sich zwischen mehreren Sprachen, Kulturen und musikalischen Traditionen. von Mirco Kaempf
Album der Woche: 7EMA - Hassan
Im Interview spricht 7EMA über sein Debütalbum 'Hassan', erschienen am 28. August 2026 via Irascible
Raï begleitet ihn seit seiner Kindheit: Im Auto mit seinem Vater hörte er Oum Kalthoum, Cheb Hasni, Khaled und andere Klassiker. Die Musik sei für Algerier eine Art «Volksmusik» – und zugleich viel mehr als Unterhaltung. Sie erzählt von Liebe und Festen, aber auch von Ghorba: dem Gefühl, im Exil zu leben und nicht mehr ganz zuhause zu sein.
Auf HASSAN wird diese Geschichte zur Gegenwart. 7EMA interessiert sich für das, was er als «South in the North» beschreibt: eine Position zwischen den Welten, die sich nicht eindeutig Algerien oder Europa zuordnen lässt. «Not South or North, but a third place», sagt er.
Auch seine klassische Ausbildung fliesst in diese Musik ein. Barock und Raï verbindet für ihn vor allem der Pathos – die direkte Stimme, das Drama, die Lust am Rhythmus. Der entscheidende Unterschied liegt für ihn weniger in der Musik als in ihrer sozialen Situation: Während klassische Musik oft Distanz zwischen Bühne und Publikum schafft, gehören im Raï Tanzen, Reden und Zuhören zusammen.
Diese Verbindung von Körper und Gefühl ist zentral für HASSAN. Elektronische Sounds, Autotune, Fingerpicking und mikrotonale Synthesizer treffen auf Wüstenrhythmen und Gnawa-Instrumente. Das Album will dabei nicht nostalgisch zurückblicken, sondern unterschiedliche musikalische Welten miteinander verbinden.
Sein Wunsch an das Publikum fasst 7EMA am Ende des Gesprächs selbst zusammen: Musik könne einen «weinen und gleichzeitig tanzen» lassen. Genau in diesem Zwischenraum bewegt sich HASSAN.