Ein Dorf wird wieder zur Galerie
Kunst nicht hinter verschlossenen Museumstüren, sondern mitten im Dorf, dort, wo Menschen Kaffee trinken, einkaufen oder aufs Tram warten: In Arlesheim verwandelt sich der öffentliche Raum zum zweiten Mal in eine weitläufige Freilichtausstellung. Unter dem Titel «Inklusiv Arlesheim: Ein Dorf wird wieder zur Galerie» begegnen sich Kunstschaffende mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe. von Noemie Keller
Inklusion Arlesheim: Ein Dorf wird wieder zur Galerie
Wer Kunst erleben will, muss dafür oft ins Museum. Doch wer schaut hin, wenn Werke genau dort auftauchen, wo das Leben ohnehin pulsiert? In Arlesheim verwandelt sich der öffentliche Raum bereits zum zweiten Mal in eine weitläufige Galerie unter freiem Himmel. An über 20 frei zugänglichen Standorten im Dorf sind Werke ausgestellt.
Die Idee hinter dem Format: Kunst als Katalysator für echte Begegnungen auf Augenhöhe zu nutzen. «Wir wollten die Kunst als gelebten Alltag inszenieren», erklärt Projektleiter Tiziano Seewer von der Wohn- und Lebensgemeinschaft Wydehöfli. «Dort, wo die Menschen Kaffee trinken oder einkaufen, sollen die Werke stehen und das Publikum direkt mit Kunst, Inklusion und den Kunstschaffenden selbst konfrontieren.»
Plakate in der Begegnungszone: Kunst im Vorbeigehen
Das Spektrum der Arbeiten reicht von Skulpturen über Malerei bis hin zu Fotoprojekten. Entstanden sind die Werke in einer Zusammenarbeit von lokalen Künstler:innen, Bewohner:innen des Wydehöfli und Kunstschaffenden aus der Kreativwerkstatt des Bürgerspitals Basel. Leihgaben ergänzen die Ausstellung.
Eine der Beteiligten ist Anouk Born, Künstlerin in der BSB Kreativwerkstatt:
«Es ist der Hammer, bitte mehr davon! Ich stelle heute hier in Arlesheim aus, direkt bei der Tramhaltestelle hängen vier Plakate von mir.»
«Inklusion durch alle Schichten»
Teilweise wird das Thema Inklusion auch direkt in denausgestellten Werken thematisiert. Die fotografischen Inszenierungen «All-INKLUSIVE-Gesellschaft?», welche direkt vor dem Wydehöfli zu sehen sind, rückt das Recht auf Selbstbestimmung in den Fokus und hinterfragt die gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeit. Dabei geht es oft um scheinbar banale Alltagsentscheidungen, die für Menschen mit Behinderung zur Hürde werden:
«Wenn du oder ich uns ein Tattoo stechen lassen wollen, machen wir einen Termin im Studio und gehen hin. Bei unseren Leuten sprechen sehr oft Eltern, Beistand und Betreuungspersonen mit, obwohl es eigentlich ihr eigenes Recht wäre.» — Anne Gunti, Teamleiterin Wydehöfli
Kunst, Freude und neue Perspektiven
Inklusion leben, Türen öffnen und die Kunstschaffenden ins Zentrum stellen, ist das Ziel der Ausstellung. Für Anne Gunti steht dabei der Abbau von Hemmungen im Vordergrund, während Tiziano Seewer betont, wie wichtig es ist, «die Kunstschaffenden in ihrer unbezahlbaren Arbeit ernst zu nehmen».
Den besten Schlusspunkt setzt Künstlerin Anouk Born selbst mit ihrem Wunsch an alle Passant:innen: «Gute Eindrücke und gute Inspiration.»
Ausstellungs-Info: Die Freilichtausstellung «Inklusiv Arlesheim: Ein Dorf wird wieder zur Galerie» ist bis Ende September 2026 im gesamten Dorfgebiet von Arlesheim frei zugänglich zu erleben.