Roy Lichtenstein: Zwischen Comic, Konsum und Kunst
Selbst Menschen, die behaupten, keine Kunst zu mögen, dürften Roy Lichtensteins Bilder kennen. Leuchtende Farben, Sprechblasen, Comic-Soundeffekte wie «POW!» und die charakteristischen Ben-Day-Dots: Das Kunstmuseum Basel widmet dem amerikanischen Pop-Art-Künstler nun eine Ausstellung zu seinen Druckwerken in «Sweet Dreams Baby». von Mirco Kaempf
26.08.30 Roy Lichtenstein - Sweet Dreams Baby
Die Sammlung des Kupferstichkabinetts des Kunstmuseum Basels zeigt eine Gesamtschau der Druckgrafiken von Roy Lichtenstein, zu sehen noch bis am 14. März 2027
Rund 50 Werke zeigen Lichtensteins Schaffen mit einem Fokus auf seine Druckgrafik. In den 1960er-Jahren erhob er den Comic zur Hochkunst und machte die Bildsprache der amerikanischen Konsumgesellschaft zum Thema. Seine Frauenfiguren, Möbel und Spiegel wirken auf den ersten Blick simpel und zugänglich – dahinter steckt aber ein durchaus cleveres Spiel mit Kunstgeschichte und Kommerz.
So finden sich in der Ausstellung auch Anspielungen auf Monet, Van Gogh oder spätmittelalterliche Bildmotive. Lichtenstein übersetzte sie in seine comichafte Ästhetik und schrieb sich damit gleichzeitig selbst in den Kunstkanon ein.
Besonders ist die Ausstellung auch wegen einer Schenkung der Roy Lichtenstein Foundation aus dem Jahr 2023. 33 Drucke gingen damals unter anderem ans Kupferstichkabinett Basel. Einige der ausgestellten Blätter sind technisch enorm aufwendig und durchliefen bis zu 30 verschiedene Druckprozesse.
Und wie passt ein Künstler, dessen Werke heute Millionen wert sind, zu einer antikapitalistischen Haltung? Lichtenstein wollte Kunst durchaus zugänglich machen: Er produzierte neben Drucken auch Plakate, Tapeten und sogar Pappteller für einen Dollar. Gleichzeitig profitierte er massiv vom Kunstmarkt. Genau dieser Widerspruch macht seine Pop Art bis heute interessant: Sie kritisiert die Konsumgesellschaft und ist gleichzeitig selbst Teil davon.
«Sweet Dreams Baby» ist deshalb nicht nur farbenfroh und unterhaltsam, sondern zeigt auch, wie eng bei Lichtenstein Kunst, Konsum und Kommerz miteinander verbunden sind. Die Ausstellung ist noch bis 14. März 2027 im Kunstmuseum Basel zu sehen.