Das IRAN Update
Seit dem Tod der 22jährigen Kurdin, Mahsa Jina Amini setzen täglich tausende Menschen in Iran ihr Leben aufs Spiel. Aus den Protesten, die im September begonnen haben, hat sich eine Revolution entwickelt. Seither strömen jeden Tag neue, schreckliche, aber auch beeindruckende News über Twitter, Instagram und TikTok zu uns. Den Überblick über die aktuelle Situation in Iran zu behalten, ist eine Herausforderung.
"Das IRAN Update" setzt genau da an und verschafft einen wöchentlichen Rückblick auf die Geschehnisse in Iran. Die Hosts, Gilda Sahebi und Sahar Eslah, besprechen die wichtigsten Themen, werfen einen kritischen Blick auf Kommentare von Expert*innen, Journalist*innen und Politiker*innen und erklären politische und geschichtliche Zusammenhänge.
Eine Produktion von 190p GmbH.
Weil es uns von Radio X wichtig ist, unsere Hörer:innen regelmässig und mit der nötigen Tiefe über die Lage im Iran zu informieren, haben wir bei Gilda Sahebi und Sahar Eslah angefragt, ob wir ihren Podcast ausstrahlen dürfen. Du hörst ihn ab dem 2. Dezember jeweils freitags um 14 Uhr auf Radio X. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten.
Alle Podcast-Folgen zum Nachhören
R.I.P. Asbest (2016-2026)
Asbest steht für giftige Musik. Zehn Jahre lang machte das Basler Noise-Rock Trio Lärm für eine kaputte Welt. Nun setzen sie einen Schlusspunkt: Am Samstag 30.5. spielt die Band ihr letztes Konzert in der Kaserne Basel. Wir blicken zurück auf die Bandgeschichte, zusammen mit Sängerin & Gitarristin Robyn Breitinger. von Mirco Kaempf
26.05.29 RIP Asbest 2016-2026
Diesen Samstag spielen Basler Noiserockband Asbest ihr letztes Konzert. Wir reden mit Sängerin, Texterin und Gitarristin der Band, Robyn Breitinger.
Als Post-Punk- und Noise-Trio aus der DIY- und Underground-Szene haben Asbest Musik geschaffen, die gleichzeitig emotional aufwühlt und gesellschaftliche Fragen stellt. Besonders die Texte von Robyn Breitinger verhandeln Themen wie Ausgrenzung, Identität, Wut, Angst und Widerstand. Viele Songs lassen sich als verdichtete Reflexionen über das Leben in einer hyperkapitalistischen und normierten Gesellschaft lesen – aus einer Perspektive, die in der Schweizer Musiklandschaft noch immer selten zu hören ist. Gleichzeitig funktionieren Asbest aber auch ganz unmittelbar: laut, roh und körperlich.
Nach rund zehn Jahren Bandgeschichte endet dieses Kapitel nun. Für das Abschiedskonzert haben Asbest mit Coilguns aus der Westschweiz eine Band eingeladen, die ähnlich kompromisslos unterwegs ist. Vor dem letzten Auftritt war Robyn Breitinger bei Radio X zu Gast. Im Gespräch blickt sie auf die Geschichte von Asbest zurück, was auch eine Familiengeschichte ist, und spricht über gesellschaftliche Entwicklungen, persönliche Veränderungen und darüber, warum es manchmal besser ist, einen Schlussstrich zu ziehen, bevor sich etwas zu wiederholen beginnt.
In zehn Jahren Asbest hat sich viel verändert. Wie blickst du auf die Themen der Band zurück?
Robyn: Viele Themen sind heute sogar aktueller. Anfangs ging es stark um persönliche Erfahrungen mit Ausgrenzung und gesellschaftlichen Mechanismen. Später wurden die Texte allgemeiner und philosophischer. Gleichzeitig sehen wir heute wieder stärkere konservative bis faschistoide Tendenzen. Die Fragen, die uns beschäftigt haben, sind nicht verschwunden.
Viele jüngere Aktivist:innen setzen heute eher auf Zärtlichkeit als auf Wut. Wie siehst du das?
Robyn: Für mich widerspricht sich das nicht. Gegen Ungerechtigkeit muss man sich laut wehren. Die Wut in Asbest war nie gegen Zärtlichkeit gerichtet, sondern eher ein Hilfeschrei: Warum gehen wir nicht zärtlicher miteinander um?
Was braucht es, um eine Band wie Asbest zu gründen?
Robyn: Eine gewisse «Fuck-it»-Attitüde. Nicht darauf achten, wie etwas klingen sollte, sondern herausfinden, was einem selbst entspricht. Haltung ist wichtig. Man sollte Musik machen, weil man es will, nicht weil man glaubt, dass anderen gefallen könnte.
Auf welchen Song bist du besonders stolz?
Robyn: «Interstates» von der ersten EP. Der Song ist sehr simpel und macht genau das, was er soll. Er entstand aus Überlegungen zu Transidentität und dem Gefühl, zwischen den Stühlen zu stehen, lässt aber bewusst verschiedene Interpretationen zu.
Was wünschst du dir für die Basler Musikszene?
Robyn: Mehr Mut und mehr Weirdness. Weniger Vorsicht, weniger Orientierung an Erwartungen. Erfolg lässt sich nicht planen. Oft entstehen die spannendsten Sachen, wenn Menschen einfach ihr eigenes Ding machen.
Und für dich selber?
Robyn: Ich beschäftige mich gerade mit Synthesizern, Sounddesign und Tape-Loops. Wohin das führt, weiss ich noch nicht. Ich habe Lust auf Musik, muss aber zuerst dieses Kapitel abschliessen und eine neue musikalische Sprache finden.
Was sollen die Leute ans Abschiedskonzert mitbringen?
Robyn: Neugier und Offenheit – auch für etwas rauere Klänge. Wir spielen eine Art Best-of aus zehn Jahren Asbest. Und ich hoffe, dass viele Menschen kommen, um diesen Abschluss mit uns zu feiern. Es ist schön, wenn eine Band die Möglichkeit hat, ihr Ende bewusst zu zelebrieren.
Zum Schluss: Gibt es ein richtiges Leben im Falschen?
Robyn: Wahrscheinlich nicht. Aber wir sind alle ungefragt in diese Existenz hineingeworfen worden, und deshalb verstehe ich nicht, warum wir uns das Leben zusätzlich schwer machen sollten. Für mich geht es darum, das Falsche überhaupt zu erkennen und herauszufinden, wie man ihm etwas entgegensetzen kann. Natürlich sind wir alle Teil bestehender Systeme und können uns ihnen nicht vollständig entziehen. Die wichtigere Frage ist für mich, wie wir die Möglichkeiten, die wir als Gesellschaft geschaffen haben, für das Gemeinwohl nutzen können – statt nur für individuelle oder wirtschaftliche Interessen.