Neu diese Woche: Eric Hall, DJ Narciso, ZU und St. Panther
Die Radio X Musikredaktion stellt dir wöchentlich ihre schönsten Neuentdeckungen genauer vor. Die Rubrik “Früsch” gibt es live jeden Donnerstag um 14 Uhr und in der Wiederholung am Sonntag um 16 Uhr. von Dion Monti
Die Woche ist das «Frisch» so kontrastreich wie selten – von Minimal-Music zu Batida, zu progressivem Jazz-Core und Indie-Pop. Macht euch heute also auf ein Abenteuer gefasst.
Eric Hall – A Folk Study
Der erste Song ist von Eric Hall, einem Multi-Instrumentalisten und Komponisten aus den USA. Er hat in den letzten Jahren mehrere Preise mit seinen Interpretationen zeitgenössischer klassischer und neuer Musik gewonnen. Am 23. Januar erscheint eine neue Platte von ihm mit dem Titel «Solo Three», die über das Label Western Vinyl veröffentlicht wird. Auf dieser Platte finden sich vier Interpretationen der Komponist:innen Glenn Branca, Charlemagne Palestine, Steve Reich und Laurie Spiegel, von letzterer auch der heutige Song stammt. Laurie Spiegel ist eine Pionierin der Computermusik, die bereits in den 70er Jahren mit Algorithmen komponierte. Eric Halls Interpretation ist minimalistisch, klingt aber dennoch sehr rund und voll durch die Verwendung von Klavier, Rhodes, Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer und anderen sehr warm klingenden Instrumenten, die er alle selbst spielt.
DJ Narciso – Objetivos
Der nächste Song ist vom Producer DJ Narciso, der sich in der Welt von Batida eine ganz eigene Nische geschaffen hat. Vor einem Monat hat er sein neues Album «Dentro De Mim» auf dem chinesischen Label SVBKVLT veröffentlicht – einem Label, das konstant sehr interessante und herausfordernde Musik veröffentlicht. In «Dentro De Mim» kehrt DJ Narciso nach innen und erkundet Gefühle, die er in verschiedenen Abschnitten seines Lebens erlebt hat. Mein Lieblingssong vom Album heisst «Objetivos» und hat einerseits eine düstere, aber auch festliche Stimmung mit klassischen Batida-Elementen, die mich auch an Gqom erinnern.
Zu – Golgotha
Wir gehen nach Rom zur ikonischen Band Zu, die diese Woche ihr neues Album «Ferrum Siderum» veröffentlicht hat. Die Band ist seit 1999 höchst produktiv, veröffentlicht teils zwei Alben pro Jahr, lädt immer wieder verschiedene Gastmusiker ein und gibt nebenbei auch noch richtig viele Konzerte. Ihre Musik ist instrumental, mit charakteristisch verzerrtem Saxofon als Lead-Instrument. Ihr Sound ist zerebral wie auch viszeral – Lieder die durch ihre Rhytmen teils an die Band Meschugga erinnern, aber auch so wuchtig und heavy sein können wie es wenige andere Bands schaffen. Das neue Album hat ausnahmsweise einen externen Producer dabei, und zwar keinen anderen als den schweizerisch-italienischen Star-Producer Marc Urselli, der übringens schon drei Grammys gewonnen hat.
St. Panther – Everybody Is
Zum Abschluss gibt es jetzt noch etwas Sanftes, wenn auch Seriöses. Das Label Western Vinyl, das ich am Anfang erwähnt habe, hat nämlich eine Fundraiser-Compilation veröffentlicht: «Passages: Artists in Solidarity with Immigrants, Refugees, and Asylum Seekers». Mit dieser Compilation sammeln die Künstler:innen, um Flüchtende in Texas zu unterstützen. Mein Lieblingssong von der Compilation ist von St. Panther und heisst «Everybody Is». Ein Song, voller Ruhe und Schönheit, der über weniger schöne Dinge reflektiert – von der Stimmung her erinnert mich dieser Song ein bisschen an Radiohead und ist wie ein Balsam auf der aufgerauten Seele nach dem letzten Song von Zu.