„Perceptions“ macht Alltagsrassismus auf der Bühne sichtbar
Im Theater Roxy bringt "The Collective" rassistische Erfahrungen von schwarzen Männern auf die Bühne. Mit Tanz, Musik und spoken words soll zum Nachdenken angeregt werden. von Mathis Zeiser
26.05.20 Perceptions im Theater Roxy
"Perceptions" bringt Tanz, Musik und Spoken Words auf die Bühne vom Theater Roxy
Die Idee
Rassistische Erfahrungen auf die Bühne bringen. Genau das macht das Tanzstück „Perceptions“, das heute und morgen Abend im Theater Roxy in Birsfelden aufgeführt wird. Nach verschiedenen Stationen in der Schweiz hat das Gastspiel nun seinen Weg nach Basel gefunden.
„Perceptions“ bedeutet übersetzt „Wahrnehmungen“. Das Tanzkollektiv setzt sich mit dem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander und möchte damit zur Selbstreflexion anregen.
Auf der Bühne
Vier Tänzer stehen auf der Bühne. Vier Männer mit unterschiedlichen Hintergründen und unterschiedlichen Erfahrungen, die sie im Theater Roxy verhandeln. Während der Entstehung des Stücks gab es deshalb viel Freiraum, damit die Tänzer ihre ganz persönlichen Erlebnisse einbringen konnten.
Thematisiert werden unter anderem Übersexualisierung, die Zuschreibung von Gewaltbereitschaft und auch Racial Profiling im Zusammenhang mit der Polizei.
Neben viel Hip-Hop und Breakdance wird auf der Bühne auch mit Musik und Spoken Word gearbeitet. Denn gewisse Dinge lassen sich durch Tanz spürbarer machen, andere wiederum besser mit Worten auf den Punkt bringen.
Aktuelle Zahlen
1245 Fälle rassistischer Diskriminierung wurden im vergangenen Jahr schweizweit im Beratungsnetz für Rassismus gemeldet – ein Anstieg von drei Prozent. Gerade in der Schweiz werde über strukturellen oder alltäglichen Rassismus oft noch zurückhaltend gesprochen.
Anna Chiedza Spörri leitete bereits vor drei Jahren das Projekt „Perspectives“, das sich mit Rassismus aus der Sicht von Frauen beschäftigte. Für sie war aber von Anfang an klar, dass dieses Thema nicht bei einer einzigen Perspektive stehen bleiben kann. So entstand „Perceptions“, das nun die Perspektive von Männern einnimmt.
Die Botschaft
Auch wenn wir im Vorfeld nicht mit einem der Tänzer sprechen konnten, ist für Anna Chiedza Spörri die Botschaft des Stücks klar: Auch Verletzlichkeit zu zeigen, über Gefühle zu sprechen oder Hilfe anzunehmen, sollte gestärkt werden. Genauso wie gegenseitige Unterstützung und Solidarität.
Das Stück „Perceptions“ ist heute und morgen jeweils um 20 Uhr im Theater Roxy in Birsfelden zu sehen. Morgen, am Donnerstag, findet im Anschluss an die Vorstellung zudem ein Publikumsgespräch mit dem künstlerischen Team statt – eine Möglichkeit, Perspektiven zu wechseln und andere Wahrnehmungen besser zu verstehen.