Woche gegen Rassismus 2019

Farbenflut auf Leinwand: Helen Frankenthaler im Kunstmuseum Basel

Sie gilt als eine Grande Dame des amerikanischen abstrakten Expressionismus. Mit ihrer sogenannten Soak-Stain-Technik inspirierte Helen Frankenthaler Generationen von Künstler:innen. Trotzdem ist ihr Werk in den Sammlungen vieler europäischer Museen bis heute kaum präsent. Eine Lücke, die das Kunstmuseum Basel nun mit einer grossen Ausstellung schliessen will. von Mirco Kaempf

26.04.23 Helen Frankenthaler

Das Kunstmuseum Basel zeigt die bisher grösste Malerei Ausstellung in Europa der abstrakt-expressionistischen Künstlerin Helen Frankenthaler

Willem de Kooning, Arshile Gorky, Jackson Pollock – und Helen Frankenthaler. Als junge Künstlerin stösst sie Anfang der 1950er-Jahre zur New Yorker Kunstszene, in der in kurzer Zeit vieles radikal neu gedacht wird. Nach ihrer Ausbildung am Progressive Women’s College in Bennington (Vermont) zieht sie nach Manhattan und bezieht bereits mit 20 Jahren ein eigenes Atelier. Inspiriert von der Arbeitsweise Jackson Pollocks legt sie die Leinwand auf den Boden und lässt stark verdünnte Farbe über die ungrundierte Fläche fliessen – ein Verfahren, das die Malerei nachhaltig verändern sollte.

So entstehen ihre charakteristischen, zart verlaufenden Farbfelder. Wie bei einem Rorschach-Test können Betrachterinnen und Betrachter darin Landschaften, Figuren oder Fantasieszenerien erkennen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel zeigt diese Entwicklung chronologisch: von frühen, noch beinahe figurativen Farbformen über die grossen, transparenten Farbfelder der 1960er-Jahre bis hin zum Wechsel von Öl- zu Acrylfarben in den 1970er-Jahren.

Frankenthaler malte so, wie man sich abstrakten Expressionismus aus dem Bilderbuch vorstellt: auf grossen Leinwänden, mit kraftvoller Gestik und einer unverwechselbaren eigenen Handschrift. Selbstbewusst, unabhängig und stets experimentierend.

Im Dezember 2011 verstarb die Künstlerin 83-jährig. Die aktuelle Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Helen Frankenthaler Foundation. Auf die Frage, welche Charakterzüge der Künstlerin sich in ihren Bildern widerspiegeln, betont deren Direktorin und Frankenthalers Stieftochter Lise Motherwell vor allem ihre Verspieltheit und Offenheit im Umgang mit Material und Regeln:

"I see a lot of playfulness, which really reflects who she was. Helen was a serious painter, but she also had a great sense of humor and loved jokes and wordplay.

If you look closely at her paintings, you’ll find unexpected marks—like a barefoot print where she walked across the canvas, or even a dog’s paw print in one work. There are also doodles that turn out to be plants, animals, or cartoon-like figures. She embraced accidents instead of correcting them. Rather than painting over something, she would explore what could happen if she worked with it. The colors in her paintings also have a very uplifting, playful quality."

ein gemälde öl auf leinwand
Titel: Eden Künstler:in & Beteiligte: Helen Frankenthaler Entstehungszeit: 1956 Material / Technik: Öl auf Leinwand Masse: 261.6 x 297.2 cm; Rahmenmass: 266.9 x 302.6 x 5.6 cm

Frankenthaler arbeitete ohne starre Hierarchien im Atelier: Sie malte auf dem Boden, bearbeitete die Leinwand von allen Seiten und traf oft radikale Entscheidungen – etwa mit Filzstift direkt auf der Leinwand zu arbeiten oder die Farbe frei fließen zu lassen. Schon in den 1960er-Jahren wurde sie damit zu einem Star der Kunstszene – allerdings häufig noch mit der Bezeichnung „woman painter“ statt einfach „painter“.

Politisch verstand sich Frankenthaler selbst nicht. Ihre Malerei folgt keinem klaren Narrativ. Statt aktuelle politische Ereignisse abzubilden, setzte sie sich intensiv mit der Geschichte der Malerei auseinander. Das Kunstmuseum Basel macht diese Bezüge sichtbar und stellt ihre Arbeiten in Dialog mit historischen Vorbildern – etwa mit Tizian oder Manet aus der eigenen Sammlung. So wird auch deutlich, wie sehr Frankenthaler in einer Tradition steht, die lange vor allem von männlichen Künstlern geprägt war.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel ist die bislang grösste Präsentation von Helen Frankenthalers Malerei in Europa. Sie ist noch bis zum 23. August 2026 zu sehen.

acryl auf leinwand, malerei
Titel: Salome Künstler:in & Beteiligte: Helen Frankenthaler Entstehungszeit: 1978 Material / Technik: Acryl auf Leinwand Masse: 239 x 409.8 cm

Stellen wir uns Helen Frankenthaler Anfang der 1950er-Jahre in ihrem Atelier vor: Sie legt die Leinwand auf den Boden und arbeitet mit dem ganzen Körper. Warum war dieser Moment so revolutionär für die Kunstgeschichte?

Anita Haldemann (Kuratorin):
Sie hat das Verhältnis von Farbe und Leinwand grundlegend verändert. Die Farbe liegt nicht mehr nur auf der Oberfläche, sondern wird von der ungrundierten Leinwand aufgesogen. Dadurch entsteht eine neue Einheit von Farbe und Bildträger – und auch eine neue Art, Malerei wahrzunehmen. Das hat viele neue Möglichkeiten für die Malerei eröffnet.

Frankenthaler selbst war nicht besonders politisch. Trotzdem gehört ihre Generation zur Nachkriegszeit. Gibt es eine existenzielle Dimension in dieser Malerei?

Anita Haldemann:
Ja. Viele Künstlerinnen und Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg haben abstrakt gearbeitet, statt sich direkt mit historischen Ereignissen auseinanderzusetzen. Auch das ist eine Haltung: sich der Kultur zuzuwenden und neue Bilder zu schaffen. Gleichzeitig hat Frankenthaler immer wieder auf die Kunstgeschichte zurückgeblickt und die Kontinuität der Malerei betont.

In der Ausstellung im Kunstmuseum Basel werden solche Bezüge sichtbar, etwa zu älteren Meistern.

Anita Haldemann:
Genau. Obwohl sie sehr innovativ und abstrakt gearbeitet hat, hat sie sich von älterer Kunst inspirieren lassen. Für sie war das eine Art Sehschule: Sie hat von früheren Malern gelernt – etwa im Umgang mit Farbe und Schichten – und daraus etwas völlig Eigenes entwickelt.

Viele bekannte Vertreter des abstrakten Expressionismus waren Männer mit einem stark selbstzerstörerischen Image. War Frankenthaler anders?

Anita Haldemann:
Natürlich hatte auch sie schwierige Momente im Atelier und Werke, die nicht gelungen sind. Aber sie wollte nicht, dass man diese Kämpfe in den Bildern sieht. Darin unterscheidet sie sich von manchen männlichen Kollegen.

Warum wurde sie in Europa lange weniger wahrgenommen?

Anita Haldemann:
Die Kunstgeschichte hat lange nur einen Teil der Geschichte erzählt – vor allem die heroischen Erzählungen über männliche Künstler. Erst in den letzten Jahren wird deutlicher, wie wichtig viele Künstlerinnen waren. Frankenthaler ist in den USA schon lange in grossen Museumssammlungen vertreten.

Sie selbst hat sich nie ausdrücklich als Feministin bezeichnet.

Anita Haldemann:
Nein. Sie wollte vor allem als Malerin gesehen werden – als jemand, der starke Bilder schafft. Aber durch ihre Unabhängigkeit und ihren eigenen Weg ist sie für viele ein Vorbild geworden.

die künstlerin im atelier mit mehreren leinwänden
Titel: Helen Frankenthaler in ihrem Atelier, East 83rd Street und Third Avenue, New York, 1961

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*ShTheater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

Social Media

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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