Woche gegen Rassismus 2019

Gucci, Prada, Antifa - RAPK im Interview

RAPK – das sind Tariq, Victor und Gustav aus Kreuzberg – haben mit Scherbenland einen neuen Track veröffentlicht und ihn gleich beim NoBordersNoNations Festival in der Reitschule Bern zum ersten Mal live performt. In dem Song geht es um die Verdrängung aus dem eigenen Kiez, den Verlust von Orten der Kindheit und das Gefühl, dass die Welt in Scherben liegt. von odile šobačić

25.09.05 [zu Infozeiten 11.30/16.30] RAPK at NoBordersNoNations Bern

RAPK im Interview am NoBordersNoNations Festival in der Reitschule Bern

Gucci, Prada, Antifa – das ist RAPK. Das Kreuzberger Rap-Trio, bestehend aus Tariq, Victor und Gustav, hat mit «Scherbenland» einen neuen Track veröffentlicht – und ihn gleich zum ersten Mal live in der Schweiz performt: am NoBordersNoNations Festival in der Reitschule Bern. Autonome Orte wie die Reitschule feiern RAPK sehr – in Berlin gebe es davon kaum noch welche, erzählen sie. Diese Verdrängung aus dem Kiez, der Verlust von Orten aus ihrer Kindheit, ist ein zentrales Thema von «Scherbenland». Die Plätze, an denen RAPK früher gechillt hat, seien jetzt Parkhäuser. Als Tariq den Song schrieb, ging es ihm mitunter darum, diese Trauer zu verarbeiten und damit abzuschliessen. Gleichzeitig greift der Song ein grösseres, kollektives Gefühl auf: dass die ganze Welt in Scherben läge.

RAPK scheuen nicht davor zurück, Position zu beziehen – politisch wie künstlerisch. Sie seien gegen jedes rechte Regime, gegen alle Nationalisten, und, wie es Tariq auf den Punkt bringt, für Menschenrechte für alle, und zwar überall. Sie spielen Konzerte für den Kiez am 1. Mai, schwenken beim Auftritt am NoBordersNoNations Festival die palästinensische Flagge und sampeln im neuen Song das Intro von «La Haine» (1995), dem schwarz-weissen Kultfilm über Rassismus, Polizeigewalt und die vergessene Jugend der Pariser Banlieues.

«La Haine» zählt zu den Lieblingsfilmen von RAPK, sie können sich stark damit identifizieren. In ihren Tracks rappen sie über persönliche Erfahrungen mit Racial Profiling, Polizeigewalt und dem Aufwachsen in Kreuzberg. Wie in vielen Grossstädten gebe es dort Jugendliche, die kaum Aufmerksamkeit erhalten und deren Bedürfnisse von Entscheidungsträger:innen oft ignoriert würden, erzählt Victor. Das System sei so aufgebaut, dass es nach aussen hin funktioniere und geordnet wirke, während bestimmte Gruppen marginalisiert werden und keine Privilegien geniessen.

Im Musikvideo zu «Scherbenland» wird das Verhältnis zwischen den Privilegierten und den Verdrängten nicht nur lyrisch, sondern auch visuell dargestellt: Gustav filmt von den Balkonen der Hochhäuser hinunter in den Kiez und macht Alltagsgeschichten sichtbar, die sonst oft übersehen werden. Gustav beklagt sich darüber, dass die sogenannten «Schlipsträger und Strippenzieher» häufig herablassend auf diese Lebensrealitäten blicken würden und diese Schicksale als irrelevant in Bezug auf das grössere Ganze werten würden.

Im Video werden auch die Zuschauer:innen auf die Balkone der Blocks transportiert, was zusammen mit dem melancholischen Hook einen Blick von oben erzeugt – eine Distanz, die Ohnmachtsgefühle auslöst. Dieses Gefühl kennen nicht nur die Menschen in Kreuzberg. Gerade in der Schweiz geniesst die Bevölkerung einen gewissen Wohlstand, der aber direkt mit der Ausbeutung anderer und der Natur einhergeht. Während diese Ausbeutung anhält, kann der Eindruck entstehen, dass man vom Goldberg herab auf die Scherben der Welt schaue und sich dabei hilflos fühle. Direkt betroffen sei man in dieser Situation aber nicht, bemerkt Tariq, weswegen dieses Gefühl der Ohnmacht noch immer aus einer privilegierten Position stamme.

Obwohl derzeit vieles krumm laufe, sieht Victor noch immer viel Hoffnung und Handlungsspielraum für die Jugend. Privilegien können auch genutzt werden, um Sachen zu verändern, die man nicht gut findet. Ob nun Verdrängung aus dem öffentlichen Raum, staatliche Kriegspolitik oder rassistische Polizeikontrollen – die Jugend solle sich organisieren und etwas dagegen machen, findet Victor: «Seid laut und positioniert euch, ihr habt Power!»

Auch RAPK ziehen mit Power weiter und werden weiterhin Musik und Videos veröffentlichen und bald schon wieder auf Tour gehen. Eiskalte Systemkritik, heisse Beats – RAPK sprechen mit ihrer Musik direkt auf Augenhöhe mit der jungen Generation.

RAPK
RAPK am NoBordersNoNations Festival der Reitschule Bern (c) Dana Vollenweider

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*ShTheater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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