Woche gegen Rassismus 2019
Chrüsimüsi Records in Biel: Schräge Sounds für schöne Seelen
Mitten durch Biel verläuft der Röstigraben – doch manchmal klingt dieser wie ein gemeinsamer Akkord. Chrüsimüsi Records zeigt, wie aus Sprachgrenzen Begegnungen werden, und lädt mit dem Dauerwelle Festival (13. + 14.3.) dazu ein, die Stadt und ihre Szene neu zu entdecken. von Mirco Kaempf
26.03.03 Chrüsimüsi und Dauerwelle
Chrüsimüsi ist das Event & Recordlabel dreier Wahlbieler:innen. Einige ihrer Bands spielen nächste Woche am Dauerwelle Festival in der Bieler Altstadt.
Der Röstigraben in der Schweiz: Viel zu selten treffen Acts aus den verschiedenen Sprachregionen aufeinander. Viel zu selten hört man, was in den unterschiedlichen Szenen gerade passiert. Die sogenannte „Barrière“ ist aber nicht unüberwindbar. Ein Blick nach Biel lohnt sich, wo nächste Woche das Dauerwelle Festival stattfindet. Hier durchquert man den Röstigraben nicht nur symbolisch, sondern spielt Musik wirklich miteinander, nicht nur nebeneinander. Auf dem Festivalprogramm stehen nationale und internationale Acts wie Leopardo, The Hobknobs, Anika oder Userband. Auch das kleine Label Chrüsmüsi Records bucht während des Festivals Acts in das Cafe du Commerce.
Radio X: Du hast schon in einigen Bands und Clubs gespielt. Wie erlebst du die Musikszene in Biel, einer Stadt mit zwei [ofiziellen] Sprachkulturen?
Chrüsi-Elias: Für mich hat dieser Graben nie wirklich existiert. Ich habe vor 10–15 Jahren angefangen, in Bands zu spielen, und war schnell in Lausanne, Genf und anderen Städten unterwegs. Ich hatte Freunde in beiden Sprachregionen, daher war es für mich immer selbstverständlich. Für andere mag es schwieriger sein, aber persönlich habe ich keinen grossen Unterschied gespürt.
Radio X: Wie ist Chrüsimüsi Records entstanden?
Chrüsi-Elias: Ich kenne Romain vom Röstigraben. Er hat Konzerte organisiert, ich habe in seinen Projekten gespielt. Gabrielle kam später dazu; sie hat ebenfalls Konzerte in Straßburg organisiert. Irgendwann haben wir alle beschlossen, nach Biel zu ziehen und sowohl das Label als auch Konzerte unter einem Namen zu organisieren.
Radio X: Was macht eine Band interessant für euch?
Chrüsi-Elias: Vor allem die Verbindung. Wir arbeiten mit Freunden und Leuten aus unseren Kreisen. Wir suchen aber auch neue Projekte und versuchen, pro Konzert mindestens eine Schweizer oder regionale Band einzubauen. Stilistisch sind wir offen—Gitarrenbands, Synthesizer, Akustikprojekte—es geht mehr um Begeisterung als um Genre.
Biel hat rund 160 Nationalitäten und etwa 54.000 Einwohner:innen—die Hälfte davon ist musikalisch aktiv, zumindest kann das einem so vorkommen. Die Stadt ist ein idealer Nährboden für Kreativität: Schuldenvorbelastet, keine Spur von Gentrifizierung, kulturell reich, und seit 1950 ist die Stadt konsequent bilingual. Sogar grosse Ketten wie Subway oder H&M mussten hier schliessen, weil zu wenig Umsatz generiert wurde.
In diesem Umfeld hat sich eines der spannendsten Schweizer Musiklabels etabliert: Chrüsimüsi Records, geführt von Romain Savary, Gabrielle D’Alessandro und Elias Gamma, welchen wir für diesen Beitrag im Atomic Café direkt neben dem Bahnhof treffen.
Radio X: Erzähle uns vom Dauerwelle-Festival. Wie ist es entstanden?
Chrüsi-Elias: Dani [Digler] hat viele Konzerte in Biel organisiert und die Idee für ein Wochenendfestival gehabt. In Biel gibt es so viele kleine Spielorte—da lag es nahe. Wir übernehmen jetzt die Buchungen für Bands wie Userband, Spearflower, Hob Knobs und Blanche Piau.
Radio X: Soll das Festival den Röstigraben überbrücken?
Chrüsi-Elias: Ja, teilweise. Wir bringen französisch- und deutschsprachige Acts zusammen, dazu internationale Künstler. Es passiert oft organisch. Das Festival fördert kulturellen Austausch.
Radio X: Wie findet ihr neue Musik?
Chrüsi-Elias: Touren hilft enorm. Man trifft Gleichgesinnte und erfährt von neuen Projekten. Auch Plattenläden oder bestimmte Plattformen sind nützlich. Wichtig ist, über Algorithmen hinaus Musik zu entdecken—über Menschen, Labels und Empfehlungen.
Radio X: Spielt Sprache für euch eine Rolle?
Chrüsi-Elias: Absolut. Der Klang der Sprache ist entscheidend, egal ob ich sie verstehe oder nicht. Französisch, Schweizerdeutsch, Schwedisch, Niederländisch, Italienisch—jede Sprache bringt eigene Texturen mit.
Chrüsimüsi Records organisiert mittlerweile zwei Konzerte pro Monat und veröffentlicht alle zwei Monate ein neues Album—alles ehrenamtlich. Die Motivation ist nach drei Jahren unverbraucht, die Leidenschaft für Musik und die Plattform ungebrochen.
Die grosse Frage, für die wir den Beitrag machen wollten, stellt sich Elias Gamma, der in der Innerschweiz aufwuchs, nie: Wie überwindet man den musikalischen Röstigraben in der Schweiz?
Antwort: Einfach miteinander reden. Egal wie.
Das Dauerwelle Festival, Biels Underground-music in the Old town, findet nächste Woche statt: Freitag, 13. März und Samstag, 14. März. Spielorte sind das Café du Commerce, die Stadtkirche, Le Singe, Atomic Café und das Literaturcafé. Mit der direkten Zugverbindung aus Basel ist auch diese kleine Barriere schnell überwunden.
Radio X: Amateurismus ftw! Würde ein garantiertes Einkommen eure Arbeit verändern?
Chrüsi-Elias: Nicht wirklich. Wir machen das nebenbei, das hält die Arbeit leidenschaftlich. Wenn es ein Job würde, könnte das Herzblut verloren gehen. Der DIY-Spirit ist ein zentraler Teil davon.
Radio X: Was steht dieses Jahr noch bei Chrüsimüsi an?
Chrüsi-Elias: Wir planen noch einige Konzerte, unter anderem im neuen Quai du Bas 30 in Biel. Die Stadt hat viele offene Orte—man muss nur die Idee präsentieren und es durchführen wollen, die Leute ziehen oft mit.
Radio X: Warum sollte man Biel während des Dauerwelle-Festivals besuchen?
Chrüsi-Elias: Es ist der perfekte Zeitpunkt: Das Festival bietet einen Rahmen, um die Altstadt zu entdecken, Leute zu treffen, Konzerte zu genießen und die Stadt zu erleben. Vielleicht inspiriert es jemanden sogar, hierherzuziehen.
Die Woche
Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019
Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.
Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.
Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019
Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm
Das Programm
Montag, 18. März 2019
Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus.
19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)
Eintritt frei.
Dienstag, 19. März 2019
Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo
19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)
Eintritt frei.
Mittwoch, 20. März 2019
Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*Sh, Theater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.
17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Donnerstag, 21. März 2019
Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.
Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).
Moderation: Bernard Senn, SRF
Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.
19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Freitag, 22. März 2019
Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)
Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch
19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Samstag, 23. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien
The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required.
14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen
Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg
16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel
Eintritt frei.
Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz
ab 19 Uhr
Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.
20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)
Sonntag, 24. März 2019
Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch
14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)
Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.
Eintritt frei.
* Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.
** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.
Ausstrahlungstermine
Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)
Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus
u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus
Donnerstag 21.3., 18 h & Samstag 23.3.19, 13 h
Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein
Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h
Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen
Kontakt
tatiana.vieira@radiox.ch
rebecca.haeusel@radiox.ch
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