Woche gegen Rassismus 2019

Album der Woche: I will be, forever mine von Tiramisadness

Die Musikerin Dshamilja Kalt bewegt sich zwischen unterschiedlichen Klangräumen – von der Resonanz einer Kirchenorgel bis zu sphärischen Skizzen auf dem Casio-Keyboard um vier Uhr morgens. Unter dem Namen Tiramisadness entfacht sie für ihr Debütalbum einen träumerischen Strudel flüchtiger, digitaler Intimität. von Mirco Kaempf

ADW Tiramisadness I will be, forever mine

Tiramisadness veröffentlicht ihr Debütalbum via Too Much Fun Records

Digitale Intimität – die Möglichkeit, durch elektronische Technologie ein Gefühl emotionaler Nähe zu erzeugen – ist ein zentrales Motiv im Werk der Basler Musikerin Tiramisadness. Auch ihr Debütalbum I will be, forever mine entfaltet einen Strudel aus Emotionen in einer retro-normativen Klangästhetik, die zum Treibenlassen in kosmischen Klangräumen einlädt.

Hinter Tiramisadness steht die Musikerin Dshamilja Kalt. Ihr Projekt bewegt sich in den Wogen von casiopopambientsynthdreamnoise und entstand aus einer DIY-geprägten Annäherung an Musik der späten 2000er-Jahre. Damals, Anfang zwanzig, arbeitete sie mit einfachstem Equipment – einem iPhone 3, einem Laptop sowie CD- und Kassettenrecordings. Diese haptische Form digitaler Produktion prägt ihre Arbeit bis heute.

Ihre Songs kreisen um flüchtige, schwer greifbare Zustände. Alles wirkt gegenwärtig und zugleich bereits entgleitend – wie Erinnerungen, die sich im Moment ihres Entstehens wieder auflösen. In Commuters Point of View etwa wird Alltag aus der Perspektive einer beobachtenden Passantin erzählt, in dem Abläufe und Bewegungen ineinander übergehen.

Auch in Heartbeat is my favorite number verdichtet sich dieses Prinzip: Emotionale Nähe und Liebesbekundungen entstehen aus der Distanz heraus. Sehnsucht und Berührung werden formuliert, während sich das Gefühl nach rund 1:37 Minuten wieder entzieht – als wäre Liebe selbst ein Zustand digitaler Übertragung, ständig präsent und doch nie vollständig greifbar.

Neben Tiramisadness ist Kalt in verschiedenen musikalischen Projekten aktiv, darunter Princess Pluto & Sailor Stardust, Melting Steine, glitchBABY oder Onlineshopping. Sie bewegt sich damit konsequent zwischen unterschiedlichen musikalischen Räumen. Neben Keyboard- und Laptop-Setups spielt sie gelegentlich auch Orgel in Kirchen.

Ihr Debütalbum I will be, forever mine ist kürzlich beim Basler Label Too Much Fun Records erschienen und wird am 23. Mai im Stillen Ort in Basel getauft. Wer weiss, wo, wird hier fündig.

Radio X: In Digital Intimacy von Charlotte Stone fragt sie junge Menschen mit einem alten Camcorder, ob es möglich ist, jemanden über das Internet wirklich zu kennen. Was meinst du, geht das?

Tiramisadness: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, man kann sicher einen Teil einer Person kennenlernen. Im Internet hat man die Möglichkeit, sich selbst zu kuratieren und zu entscheiden, wie man sich präsentiert – egal ob über Text, Video oder Musik. Gleichzeitig kann man nicht kontrollieren, wie andere einen wahrnehmen. Letztlich hängt es davon ab, wie viel jemand von sich preisgibt. Aber eigentlich ist die grundsätzliche Frage eher, ob man Menschen überhaupt wirklich kennen kann – unabhängig davon, ob online oder im echten Leben.

In deinem frühen Song Büsi Matrix von 2023 singst du „Hardware in my Bag, Software in my Heart“. Gleichzeitig spielst du aber auch Kirchenorgel. Was unterscheidet das Spielen von Akkorden auf einem Keyboard und auf einer Kirchenorgel?

Bei der Kirchenorgel ist das Instrument oft untrennbar mit der Architektur verbunden. Die Kirche wird Teil des Resonanzkörpers und prägt den Klang stark. Das beeinflusst auch, wie Musik entsteht und wie man sich dem Instrument nähert. Ausserdem ist eine Orgel nicht jederzeit verfügbar wie ein Keyboard zu Hause.

Für mich ist der Unterschied ähnlich wie zwischen digitaler und analoger Fotografie. Wenn ich an der Orgel spiele, habe ich eine begrenzte Zeit und plane bewusst, was ich machen möchte. Ein Keyboard dagegen kann ich jederzeit benutzen – auch nachts um vier mit Kopfhörern. So kann ich spontane Ideen sofort festhalten.

Du hast gerade die Kirche als Teil des Instruments beschrieben. Das zeigt, dass du über die Tasten hinaus denkst – darüber, wie Musik im Raum wirkt. Ist Tiramisadness eher ein Kopfhörer-Projekt?

Es ist ein bisschen von allem. Für mich geht es weniger um perfekte Produktion als darum, musikalische Ideen im Moment einzufangen. Ich arbeite mit den Mitteln, die mir gerade zur Verfügung stehen, und entwickle die Idee so weit, wie ich es in diesem Moment möchte. Deshalb entsteht eine Mischung aus verschiedenen Arbeitsweisen.

Du erwähnst, dass dich elektronische Musik aus den Jahren 2006 bis 2013 geprägt hat – also deine frühen Teenagerjahre. Geht es dabei um Nostalgie?

Damals habe ich viel Musik entdeckt, zum Beispiel Burial oder Witch House. Auf YouTube konnte man unglaublich viele Tracks finden, die keine grosse Reichweite hatten. Wenn man gezielt gesucht hat, hat man eine riesige Vielfalt entdeckt. Viele Leute haben einfach ihre Ideen umgesetzt und online geteilt – oft mit Sampling, DIY-Vocals oder experimentellen elektronischen Sounds.

Wenn ich heute zu Hause mit einem ähnlichen Setup arbeite und mit den verfügbaren Mitteln experimentiere, tauchen diese Einflüsse automatisch wieder auf. Manchmal höre ich alte Playlists durch und denke: Jetzt ergibt alles Sinn.

Vielen Dank für das Interview!

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*ShTheater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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