Marcel Hörler steht links und Michèle Degen rechts vor einer gelben Wand, darauf sind Archivbilder zu sehen.

Reconnect 2026: Michèle Degen und Marcel Hörler

Im Rahmen der Reconnect-Residenz auf dem Landgut Castelen in Augst entwickeln das Künstler:innen-Duo bestehend aus Michèle Degen und Marcel Hörler das Projekt «Oh look, a balloon!». Gemeinsam mit der Bevölkerung bauen sie einen grossen Ballon aus Seidenpapier und machen den Bauprozess zu einem offenen Experiment zwischen Kunst, lokaler Begegnung und Geschichte. von Noemie Keller

26.07.15 Reconnect Michèle Degen und Marcel Hörler

Im Rahmen des Reconnect-Stipendiums erarbeiten 3 Künstler:innen-Duos während zwei Wochen Projekte auf dem Landsitz Castelen. Heute stellen wir Michèle Degen und Marcel Hörler vor.

 

Die Faszination für Ballons hat auf dem Landgut Castelen historische Wurzeln: 1932 organisierte der damalige Besitzer René Clavel auf seinem Landsitz einen Empfang für den internationalen Gordon-Bennett-Ballonwettflug. In einer politisch angespannten Zeit stiegen diese Gasballons in den Himmel, als Zeichen von Aufbruch und Imagination. An genau diese Geschichte knüpfen die Künstlerin Michèle Degen und der Kulturarbeiter Marcel Hörler mit ihrem Projekt an. Doch anstatt ein fertiges Kunstwerk zu präsentieren, setzen die beiden auf einen stark partizipativen, gemeinschaftlichen Ansatz.

Fantasie kennt keine Grenzen

Den Auftakt des Projekts bildete eine Feldstudie in der Region. Die Bevölkerung wurde schlicht gebeten, aufzuzeichnen, wie ihr ganz persönlicher Wunschballon aussehen würde. Obwohl viele Menschen anfangs zögerten und meinten, sie könnten gar nicht zeichnen, bewiesen die Ergebnisse das Gegenteil: Die Entwürfe reichten von FCB- und Herz-Ballons über fliegende Snack-Bars und PET-Flaschen-Konstruktionen bis hin zu Zeppelinen und Ballons in Menschen- oder Fischform. Diese Vielfalt an Fantasie und Ideenreichtum bildet nun das Fundament für das eigentliche Bauvorhaben.

Gemeinsames Bauen am Rhein

Gemeinsam mit Interessierten baut das Duo einen grossen Ballon aus einem Drahtgerüst und Seidenpapier. Da sich die Menschen an heissen Sommertagen vorzugsweise am Wasser aufhalten, verlegen Degen und Hörler ihre Bau-Werkstatt kurzerhand auf den nahen Campingplatz am Rhein. Der entstehende Ballon wird dabei kein perfektes, glattes Modell sein. Er darf eine gewisse Porosität und etwas Rohes aufweisen und bricht damit bewusst mit der gängigen Ästhetik.

Aufgrund der aktuellen Wetterverhältnisse und der Waldbrandgefahr wird der fertige Ballon zwar nicht abheben. Doch genau das wirft für das Duo eine spannende künstlerische Frage auf: Was bleibt von einem Ballon, wenn man ihm seine Flugfunktion nimmt?

Kunst als soziale Praxis und Türöffner

Für Degen und Hörler liegt die Antwort in der Gemeinschaft. Auch wenn der Ballon nicht fliegen kann und damit nicht klassisch für Aufstieg und grenzenlose Freiheit steht, soll er Staunen und Freude auslösen. Das Projekt lebt von den Begegnungen, den geteilten Kindheitserinnerungen an landende Heissluftballons und dem gemeinsamen Erschaffen.

Gleichzeitig hat das Vorhaben eine gesellschaftliche Dimension. Historische Ballonwettrennen und Herrschaftsvillen wie das Landgut Castelen strahlten historisch oft eine gewisse Exklusivität aus: Man brauchte Geld und Wissen, um teilzuhaben. Durch den heutigen «Bottom-up»-Ansatz, bei dem die lokale Bevölkerung direkt eingebunden wird, öffnet sich dieser ehemals exklusive Raum. Der fertige Ballon, der schliesslich in der Villa präsentiert wird, ist somit das Resultat einer kollektiven Erfahrung – und damit weit mehr als nur heisse Luft.

Zeichnungen von Ballons hängen an der Wand. Marcel Hörler und Michèle Degen stehen davor und schauen die Wand an.

Am 17. Juli 2026 öffnet der Garten der Villa Clavel seine Tore für einen öffentlichen Einblick in diese Arbeit.

Nebst Michèle Degen und Marcel Hörler, stellen auch folgende Künstler:innenduos ihre Projekte vor:

  • Esther Ernst und Jörg Laue erkunden Landschaft und Wahrnehmung in zeichnerischen und performativen Kartografien.
  • Olivia Ronzani und Eevi Kinnunen verbinden in «Metal Tears» Tanz, Stimme und Metal-Klänge zu einer intensiven Performance.

Interessierte haben an diesem Nachmittag die Möglichkeit, den Stipendiati:nnen persönlich zu begegnen und mit ihnen über ihre Projekte und Arbeitsweisen ins Gespräch zu kommen. Das Ticket ist mit dem Museumseintritt verbunden.

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