Album der Woche: Whack's Museum von Tierra Whack

Tierra Whack's neuesten Projekt geht zurück zu ihren Roots, wo sie sich als Teenager in Philadelphia in Rap-Battles einen Namen gemacht hat. Ihre Lyrics sind clever, vielfältig im Flow, haben viel Humor und Selbstvertrauen und sind darum wie geschaffen für diese Art von Battle-Raps. In diesem Mixtape zeigt uns Tierra Whack mit messerscharfer Intelligenz, vielschichtigen und komplexen Ideen, dass sie immer noch extrem unberechenbar, innovativ und radikal ist – wie sonst fast niemand. von Dion Monti

26.07.13 – ADW Tierra Whack – Whacks Museum - Podcast

das neue Album whacks world von Tierra Whack

 

 

«Whack's Museum» heisst das neue, zweite Mixtape von Tierra Whack, das am 19. Juni erschienen ist. In ihrem neuesten Projekt geht es zurück zu ihren Roots, wo sie sich als Teenager in Philadelphia in Rap-Battles einen Namen gemacht hat. Die knapp 25 Minuten Gesamtspielzeit sind inhaltlich so dicht und konzentriert, dass sie sich wie viel mehr anfühlen – und gleichzeitig ist es dann doch zu schnell vorbei.


In den vergangenen 10 Jahren ihrer Karriere ist viel gelaufen – und das immer auf ihre ganz eigene Art. Ihre Single «Mumbo Jumbo» von 2017 war zum Beispiel eine radikale Einführung von Tierra in die Rap-Welt. Der Song hat nämlich keinen Text – durch das ganze Lied singt sie nur musikalisch klingendes Kauderwelsch. Das Video dazu bekam zwei Jahre später sogar eine Grammy-Nomination. 2018 erschien dann ihr Debut-Mixtape «Whack World», und auch dort hat sie alles anders gemacht. Das Mixtape besteht aus 15 einminütigen Songs, begleitet von einem wahnsinnig cleveren und durchdachten Musikvideo bzw. Kurzfilm, der alle 15 Songs des Albums enthält. Seitdem ist sie unberechenbar geblieben – ob das in der Musik ist oder dass sie sich früh in ihrer Karriere eine Auszeit genommen hat und monatelang in Japan war.

Zurück in die Gegenwart
«Whack's Museum» ist möglicherweise ihr direktestes Projekt und das, das noch am ehesten sich wie ein Mixtape anfühlt – anders gesagt: Es ist eine Sammlung von Songs, die nicht von einem offensichtlichen übergreifenden Konzept zusammengehalten werden. Und obwohl die Beats super sind, geht es vor allem um ihre Texte, die so geladen sind mit Wortspielen, Doppeldeutigkeiten und Referenzen an die amerikanische Popkultur, dass ich mir viel Zeit habe nehmen müssen, um die Texte zu lesen und Referenzen zu recherchieren. Ein gutes Beispiel ist der 4. Song des Albums, «WHiGGIDY WHACK», der aus vielen cleveren Punchlines zusammengebaut ist – mit Referenzen zum Film «101 Dalmatiner», den Brüdern Lyle und Eric Mendez, die Ende der 80er ihre Eltern ermordet haben, oder etlichen Nutzungen von Homophonen – also Wörtern, die gleich klingen, aber anders geschrieben sind und andere Bedeutungen haben. So sind die Texte wie ein Puzzle, das man Satz für Satz analysieren und recherchieren kann.


Auch ihr Stil ist vielseitig. Tierra Whack benutzt gerne verschiedene Stimmen, Flows und Stimmungen. Manchmal singt sie auch, was sie in «Whack's Museum» aber deutlich weniger macht als in ihrem Debut-Album «World Wide Whack», das vor zwei Jahren erschienen ist. Ein sehr spannendes wiederkehrendes Element ist das Verlangsamen und Beschleunigen von Songs. In mehreren Songs klingt es manchmal so, als ob jemand an eine laufende Kassette bzw. an ein laufendes Tape langen würde und so das Tempo und die Tonlage manipuliert, und gleichzeitig passt Tierra ihren Flow entsprechend an. Das gibt diesen Momenten etwas Surreales oder Psychodelisches.

Produktion und Sound
Das ist auch auf Produktionsentscheidungen zurückzuführen. In «Whack's Museum» sind etwa die Hälfte der Beats von Conductor Williams produziert – ein Producer, der bekannt ist durch seine Arbeit mit dem New Yorker Label und Kollektiv Griselda. Sein Stil ist recht traditionell und nostalgisch mit einem Sound, der an die 90er erinnert, eine Zeit in der von Platten gesamplet wurde und nur mit Samplern wie dem MPC oder SP303 gearbeitet wurde. Dieser Sound unterstreicht auch ihren Battle-Rap-Stil auf diesem Album. Die Pitch-Effekte, die ich vorhin erwähnt habe, geben dem Ganzen dann aber wieder eine Farbe, die ein bisschen insane und typisch für Tierra Whack ist.
Tierras Intelligenz ist so scharf, hat so viel Humor und Selbstvertrauen und ist geschaffen für diese Art von Battle-Raps. Es gibt aber auch ein paar Songs wie «EAR WHACKS» und «TWO FIFTEEN», wo die Texte ein bisschen persönlicher und verletzlicher sind. Aber diese Art von Songs sind in diesem Projekt seltener. Tierra Whack bleibt unberechenbar, innovativ und radikal wie sonst niemand im Mainstream.