Woche gegen Rassismus 2019

Bildausschnitt einer Malerei zeigt blasse Figuren unter goldenem Licht

Janiva Ellis: “I definitely paint for the present.”

Die New Yorker Künstlerin Janiva Ellis malt für die Gegenwart. Mit ihrem Pinsel nimmt sie Bezug auf den langen Kanon der Kunstgeschichte – allerdings nicht, ohne diese Tradition aufzubrechen. In ihren Arbeiten geht es um Machtverhältnisse, historische Gewaltstrukturen sowie intime, psychologische Dynamiken zwischen Menschen. von Mirco Kaempf

26.05.12 Janiva Ellis Kunsthalle

Die Kunsthalle präsentiert die erste institutionelle Einzelausstellung der New Yorker Malerin Janiva Ellis in Europa

 

Gemälde hängen oft über Jahrhunderte an den Wänden grosser Institutionen. Doch wie lange überdauert ein Bild wirklich? Für wen spricht es – und wer sind die Menschen, die es betrachten? Diese Fragen stellen sich unmettelbar am Anfang der Ausstellung „Geneva“ der New Yorker Malerin Janiva Ellis in der Kunsthalle Basel. Die Künstlerin greift Motive aus der Kunstgeschichte auf – und verschiebt sie gleichzeitig. Ihre Bilder wirken vertraut und fremd zugleich. Die Frage, weshalb das so ist, ist dabei sehr relevant.

Schon bevor man die Ausstellung betritt, beginnt diese Verschiebung. Im Treppenhaus der Kunsthalle hängt seit 1877 das Wandbild  Das Wiedererwachen der Kunst von Ernst Stückelberg. Ein historisches Gemälde mit weissen Engeln. Daneben hat Ellis eines ihrer eigenen Bilder installiert: ein schwarzer Engel mit dem Titel Glint.

Was zunächst wie eine Provokation erscheinen könnte, ist in Wirklichkeit etwas anderes – ein sensibles Porträt einer schwarzen Figur. Und gleichzeitig ein Moment, der zeigt, wie stark unsere Wahrnehmung von Kunst bereits politisch aufgeladen ist. 

Der Kontext der Ausstellung ist dabei bemerkenswert: „Geneva“ ist Ellis’ erste Einzelausstellung in einer europäischen Institution. Und sie findet in Basel statt – einer Stadt mit einer der ältesten öffentlichen Kunstsammlungen der Welt.

Dabei ist klar: die europäische Kunstgeschichte, auf die sich Ellis bezieht, wurde über Jahrhunderte hinweg vor allem von weissen Männern geprägt. Diese Tradition ist für sie nicht einfach Hintergrund, sondern Material als etwas, mit dem sie arbeitet, das sie erweitert und hinterfragt.

Radio X: I want to start with a slightly unusual question. I read that you used to enjoy clubbing. Do you see any connection between painting and dancing?

Janiva Ellis: That’s a great question. I love both. They share a sense of catharsis. Painting is very isolating, while clubbing is communal—you’re sharing that release with others. Painting is where I process difficult emotions privately, and clubbing lets me release them in public. In that sense, they’re two ends of the same experience.

This is your first institutional exhibition in Europe. Did you think differently about your audience here?

Janiva Ellis: Yes. In New York I make work knowing many of my friends will see it, so the references and humor can be very specific. With this show, I didn’t fully know the cultural context, so I approached things more broadly. I thought about what Switzerland represents symbolically and about my experiences here, which shaped the tone of the work.

Your exhibition title echoes your own name and references Switzerland. There’s also a clear dialogue with art history in the show.

Janiva Ellis: When I visited the site, all that history and prestige was very present. My work often examines the frameworks through which art—especially Black art—is viewed within the Western canon. Naming the show Geneva felt fitting because people have mistaken my name for the Swiss city my whole life. It created a personal link to this place.

Zwei Bilder hängen in einem Kunstraum
Janiva Ellis, Glint, 2026, Installationsansicht, in: Janiva Ellis, Geneva, Kunsthalle Basel, 2026, Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel

Do you paint for the past, the present, or the future?

Janiva Ellis: For the present. I’m always in dialogue with the past—for example, one painting references John Martin’s The Last Judgment. But I want the work to respond to what we’re experiencing right now.

Do you ever feel weighed down by art history?

Janiva Ellis: It used to feel overwhelming, but it also offers a lot to work with. I try to build on what exists while reframing it from broader perspectives. There’s a huge archive of history to engage with, and it’s an opportunity to question the myths embedded in it.

Some viewers might interpret your work very narrowly through identity politics. Is that something you think about?

Interpretation is part of the work. If people come in with assumptions, that reflects their own history with art, race, and the world. I’m interested in creating space for overlapping psychological experiences, not just straightforward readings about power or history.

Your work carries political weight. Do you see yourself as a political painter?

Janiva Ellis: Not really. All art exists in a political context, but I don’t define my practice that way. Often artists from marginalized positions are automatically framed as political, which can be limiting. Political ideas appear in the work, but they’re not the starting point.

Last question: what kind of art would you like to see more of?

Janiva Ellis: Art that feels honest and generous—work that invites you in and asks you to spend time thinking. I’m drawn to sincerity. Cynicism and resentment feel alienating and short-lived to me.

ausstellungsansicht mit 3 bildern im vorderraum
Janiva Ellis, Geneva, Ausstellungsansicht, Kunsthalle Basel, 2026, Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
bildansicht
Janiva Ellis, May Day, 2026, Installationsansicht, in: Janiva Ellis, Geneva, Kunsthalle Basel, 2026, Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel

Ihre Bilder zeigen Figuren unterschiedlicher Typen – vereinfacht ausgedrückt, sind helle und dunkle Figurationen zu sehen. Viele dieser 'weissen' Figuren erscheinen verletzlich oder fragmentiert. Gesichter fehlen, Körper lösen sich im Licht auf. Szenen wirken gleichzeitig intim und unheimlich. Ellis wurde in den letzten Jahren häufig im Zusammenhang mit dem Diskurs um Black Lives Matter gelesen. Doch sie selbst sieht ihre Arbeit nicht primär als politische Malerei.

Formell arbeitet Ellis mit Ölfarbe, oft in pastelligen Farbtönen und mit starken Kontrasten aus Licht und Schatten. Goldene Lichtkegel treffen auf gesichtslose Silhouetten, dämonisch wirkende Körper tauchen aus dunklen Farbfeldern auf. In einem Bild zieht ein blauer Strudel den Blick an – vielleicht eine Anspielung auf das  Forschungszentrum CERN. Die Bildwelten wirken teilweise apokalyptisch, doch sind diese fest in der Gegenwart verankert.

Denn ihre Bilder bewegen sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Fragen nach Machtverhältnissen und historischen Gewaltstrukturen sind darin präsent – aber ebenso intime psychologische Dynamiken zwischen Menschen.

Besonders eindrücklich zeigt sich das in einem der letzten Räume der Ausstellung. Dort hängt ein grosses Gemälde mit ungewöhnlich gebogener Form. Die Oberfläche ist fast vollständig in dunklen Blau-, Braun- und Schwarztönen gehalten. Erst mit der Zeit tauchen Figuren aus dem Dunkel auf – je nachdem, wie sich Betrachterinnen und Betrachter im Raum bewegen und wie das Licht auf die Oberfläche fällt.

Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieser Ausstellung. Die Malerei von Janiva Ellis gibt keine schnellen Antworten. Stattdessen stellt sie Fragen – über Geschichte, Wahrnehmung und darüber, wie wir Bilder lesen. Zu sehen noch bis zum 9. August in der Kunsthalle Basel.

Die Woche

Lesungen, Theater, Diskussion, Musik, Ausstellungen und vieles mehr: Die Woche gegen Rassismus 2019 in Basel bietet ein vielfältiges Programm, sie findet statt von: Montag, 18. März bis Sonntag, 24. März 2019

Radio X setzt in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen und Beteiligten ein Zeichen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung. Ziel ist es, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam in einen Dialog zu treten.

Während der ganzen Woche strahlt Radio X jeweils um 11:30 Uhr und um 16:30 Uhr thematische Beiträge aus.

Flyer Woche gegen Rassismus in Basel 2019

Medienmitteilung Woche gegen Rassismus 18.-24.3.19 mit Programm

 

 
Das Programm


Montag, 18. März 2019

Forumtheater "Sans Frontières" - Ein interaktiver Theaterabend zum Thema Diskriminierung und Rassismus. 

19.30 Uhr, KLARA (Clarastrasse 13)

Eintritt frei. 

 

Dienstag, 19. März 2019

Uni von unten: «Alltäglicher Ausnahmezustand: Racial Profiling in der Schweiz» mit Mohamed Wa Baile, Sarah Schilliger und Claudia Wilopo

19 Uhr, Internetcafé Planet 13 (Klybeckstrasse 60, 4057 Basel)

Eintritt frei.

 

Mittwoch, 20. März 2019

Liveübertragung Radio X, mit Interviews live vor Ort: Abendschule Import, Bla*ShTheater Niemandsland, Kulinarisches von Schnaboule Schnaboule und Musik zum Thema «Migration und Musik» mit Leila Moon.

17-22 Uhr, Keck Kiosk (Kaserne)

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Donnerstag, 21. März 2019

Podiumsdiskussion «Racial Profiling» mit szenischen Sequenzen des Theaters Niemandsland.

Auf dem Podium: Michel Hostettler (Community Policing Kleinbasel), Tobias Burkhard (Ausbildungsleiter KaPo BS), Nahom Mehret (Schweizer, geb. in Eritrea), Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (SP Politikerin Zürich, Künstlerin).

Moderation: Bernard Senn, SRF

Mit dabei: BastA!, STOPP Rassismus u.a.

19 Uhr, Offene Kirche Elisabethen

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Freitag, 22. März 2019

Bla*Sh, Legion Seven, Brandy Butler (CH)

Mehrstimmige Lesung, Performance, Konzert, Büchertisch

19 Uhr (Doors: 18.30 Uhr), Rossstall II, Kaserne Basel

Eintritt frei.

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

Samstag, 23. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien

The tour will take place in English and is free of charge. Reservations are requested but not required. 

14 Uhr, meeting point: at the pyramides in front of the Offene Kirche Elisabethen

 

Offener Hörsaal: Interaktiver Parcours**, über Hürden und Weichen auf dem schweizerischen Bildungsweg

16.00-18.30 Uhr, Foyer Junges Theater Basel

Eintritt frei. 

 

Ausstellung*: Bundes(asyl)lager- Zunehmende Isolierung und Kontrolle im Migrationsregime Schweiz

ab 19 Uhr 

Input: Wie die Schweiz Migrant*innen 2019 isoliert und verwaltet.

20 Uhr in der Carambolage (Erlenstrasse 34, 4058 Basel)

 

 

 

Sonntag, 24. März 2019

Afrika-Stadtrundgang des Zentrums für Afrikastudien auf Deutsch

14 Uhr, Treffpunkt: Pyramiden-Platz (Elisabethenstrasse)

Reservierung erbeten, aber nicht zwingend erforderlich.

Eintritt frei.

 

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

 

** Bildungsparcours: Sprichst Du ausreichend Deutsch, um in der Schule mitzukommen? Wirst Du bei/auf deinem Bildungsweg unterstützt? Entsprichst Du den Bewertungskriterien des Schulsystems? Reicht das Geld für eine Ausbildung? Bringst Du die geforderten/nötigen Dokumente mit, um eine Ausbildung zu beginnen? Haben alle Menschen in der Schweiz dieselben Chancen auf Bildung? In einem interaktiven Parcours erfährst Du, welche Weichen gestellt werden und welche Hürden es zu überwinden gibt auf dem schweizerischen Bildungsweg. Ähnlich einem Leiter-Spiel, wirst Du, ausgestattet mit einer neuen Identität, unterschiedliche Aufgaben lösen, um Stufe für Stufe deinem Ziel näherzukommen.

 
Ausstrahlungstermine

 

Montag 18.3. - Sonntag, 24.3.19, täglich um 11.30 h (Wdh. 16.30 h)

Redaktionelle Beiträge auf Radio X zu diversen Themen in der Woche gegen Rassismus

u.a. mit FIASKO und STOPP Rassismus

 

Donnerstag 21.3., 18 h  & Samstag 23.3.19, 13 h

Sendung X-Plus von Schüler/innen der FMS Münchenstein

 

Samstag 23.3., 16 h & Sonntag 24.3.19, 10 h

Ausstrahlung der Podiumsdiskussion zu "Racial Profiling" vom Donnerstag 21.3.19 in der Offenen Kirche Elisabethen

Kontakt

tatiana.vieira@radiox.ch

rebecca.haeusel@radiox.ch

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Die Woche gegen Rassismus wird unterstützt durch:

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