Album der Woche: Creature of Habit von Courtney Barnett
Manchmal führen uns unsere eigenen Muster an unerwartete Orte – und manchmal eben nicht. Beides kann okay sein. Melbourner-Rockerin Courtney Barnett schenkt ihrem Publikum auf ihrem neuen Album Creature of Habit viel Wärme und Introspektion. Gefunden hat sie diese zwischen der kalifornischen Wüste und Los Angeles – ihrer neuen Heimat. von Mirco Kaempf
podcast ADW Courtney Barnett - Creature of Habit
Courtney Barnett veröffentlicht ihr neues Studioalbum Creature of Habit via Mom+Pop
Seit ihrem Debütalbum Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit aus dem Jahr 2015 erzählt Barnett mit ihrer charakteristisch nonchalanten Stimme von sarkastischen Alltagsbeobachtungen. Ihre Songs sind geprägt von lakonischer Slacker-Poesie und einem leichten Lächeln zwischen den Zeilen. Mit der Zeit hat sie aber auch ruhigere Töne angeschlagen und sich verspielt, aber bestimmt Themen wie Mental Health, Orientierungslosigkeit oder Überforderung gewidmet – etwa auf den Nachfolgealben Tell Me How You Really Feel und Things Take Time, Take Time.
Fünf Jahre lang hat man nun kein neues Studioalbum von Barnett gehört, in welchem auch ihr Gesang presänt war. Auf die Frage nach dem Warum gibt sie eine ehrliche Antwort: In einem Interview mit The Guardian erzählt sie, wie sie nach zehn Jahren ihr eigenes Label Milk! Records in Melbourne geschlossen hat. Danach zog sie nach Kalifornien und nahm sich erstmals bewusst Zeit für sich selbst. In der Wüste von Joshua Tree ging sie spazieren, begann zu töpfern – und schrieb, wie sie sagt, ganz nebenbei auch neue Songs.
So entstand ein Album, das beides vereint: Texte über Sehnsucht und Ankommen, über Verwirrung und Entspannung – und über ein liebevolles Aufgehen in der Natur. Neben den Drum-Parts von Stella Mozgawa, der Schlagzeugerin der Band Warpaint, steht auch Barnetts E-Gitarre im Zentrum und sorgt mit einigen Soli für zusätzliche Dynamik.
Auf „Creature of Habit“ wirkt es, als hätte Courtney Barnett eine gewisse Ruhe in der Orientierungslosigkeit gefunden. Die Wärme der Wüste ist hörbar, ihr Gesang fühlt sich stellenweise an wie eine mentale Umarmung. Nach Jahren, in denen sie immer wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen hatte, präsentiert sie Musik, die nicht unbedingt kantig sein will – dafür aber einen errungenen Optimismus ausstrahlt. Einen, der erdet, selbst wenn man noch nicht genau weiß, wohin die Reise geht.