Lärmen gegen die Overlords - Hothotschrott releasen Debüt-CD

Sie sind die neuste Art-School-Lo-Fi-Punk-Sensation: Das Basler Duo Hothotschrott veröffentlicht mit «Swiss Demontage» ihr erstes Album mit sieben kurzen Songs für die Mittelstandsverwahrlosung. Das muss man nicht wirklich ernst nehmen. Oder vielleicht eben doch? von Mirco Kaempf

26.05.29 Hothotschrott - Swiss Demontage

Hot Hot Schrott sind ein Artschool Punkduo aus Basel. Sie veröffentlichen heute ihr erstes Album.

 

Hothotschrott bestehen aus Babette Walder und Jodok Achermann. Kennengelernt haben sich die beiden während ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Entstanden ist das Projekt aus selbstorganisierten Jam-Sessions, bei denen zunächst ohne grossen Plan improvisiert wurde. Was als spontanes Experiment begann, entwickelte sich zu einer Band mit klarer Haltung und unverwechselbarer Ästhetik.

"Ich muss auch sagen, ich hatte dort zum ersten Mal überhaupt einen Bass in der Hand. Also das ist so ein bisschen das Niveau."

Ein grosser Teil des Materials auf «Swiss Demontage» stammt noch aus der ersten Session vor drei Jahren. Obwohl die Songs inzwischen ausgearbeitet wurden, ist der improvisierte Ursprung hörbar geblieben. Der Sound wirkt parolenhaft, roh und direkt.

Sie sleber bezeichnen ihre Musik als «ein bisschen doof» und «ein bisschen silly». Hinter der selbst-ironischen Oberfläche steckt jedoch ein gravierendes politisches Unbehagen. Themen wie A.I., Konsumkultur oder gesellschaftliche Prioritäten ziehen sich durch die Texte.

Besonders deutlich wird das auf dem Stück «Scheiss AI». Der Song funktioniert als eingängiger Slogan ebenso wie als Ausdruck einer grundlegenden Skepsis gegenüber einer zunehmend automatisierten Welt. Dabei geht es Hot Hot Schrott weniger um differenzierte Analysen als um unmittelbare Reaktionen. Die Songs formulieren Frustrationen, die viele kennen, aber selten laut aussprechen.

"Ich glaube nicht, dass wir damit Elon Musk stürzen. Aber an Konzerten entsteht viel Resonanz im Publikum. Manchmal Verwunderung, manchmal Begeisterung – und oft auch gemeinsames Mitschreien bei sehr reduzierten politischen Aussagen. Das ist vielleicht plakativ, aber für mich hat es etwas sehr Verbindendes."

Passend dazu entstand das Album unter denkbar einfachen Bedingungen. Aufgenommen wurde auf Kassette nach dem Prinzip «Next Take, Best Take» Prinzip. Statt Perfektion setzt das Duo auf Spontaneität. Kleine Fehler, Ungenauigkeiten und Ecken bleiben erhalten und werden Teil der Ästhetik.

Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Projekt.  Ihre Stärke liegt vielmehr darin, komplexe Themen auf einfache, manchmal fast kindlich wirkende Formeln herunterzubrechen. Das wirkt gelegentlich plakativ, entfaltet aber gerade dadurch eine unmittelbare Wirkung.

Die Band beschreibt ihre Musik selbst als Soundtrack einer «Mittelstandsverwahrlosung». Dahinter steckt eine kritische Auseinandersetzung mit Bünzlitum, gesellschaftlicher Selbstzufriedenheit und den Widersprüchen einer Generation, die sich ihrer eigenen Privilegien durchaus bewusst ist.

Was regt euch am meisten auf in der Schweiz? 

All das. Wir sagen ja oft, wir machen Musik für die «Mittelstandsverwahrlosung» – das bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Wir thematisieren indirekt viel Bünzlitum.

Es werden viele falsche Prioritäten gesetzt: Geld wird an Orte investiert, wo es es nicht braucht, während an anderen Stellen stark gespart wird. Auch der ÖV ist zu teuer.

«Swiss Demontage» ist ab sofort digital über Bandcamp erhältlich. Physisch erscheint das Album als CD inklusive Zine mit Songtexten und Poster. Bleibt auf dem Laufenden und meldet euch für ihren Newsletter an via hothotschrott.ch

zwei menschen stehen auf dem gras, sie schauen zur kamera
Vor dem Ateliergebäude der HGK - Hothotschrott (pic by mirco kaempf)