Rezension: Verbundensein von Kae Tempest

Verbundensein von Kae Tempest ist ein Buch, das im Kopf bleibt. Denn das grossartige lyrische Können von Kae Tempest entlockt beim Lesen ganz eigenene, individuelle Erkenntnisse. von Julia Brogli

22.08.07 Verbundensein

Rezension zum Buch "Verbundensein" von Kae Tempest.

Danielle (Head of Music bei Radio X) und ich haben Verbundensein unabhängig voneinander gelesen und beim Austausch darüber festgestellt, dass es uns beide berührt hat; dies jedoch aus verschiedenen Gründen. Denn Verbundensein verfügt nicht über eine Hauptaussage, das Werk ist gespickt mit zahlreichen eye opening moments. Jede:r Leser:in kann somit eigene Lehren und Schlüsse aus dem Buch ziehen.

In Verbundensein erörtert Kae Tempest (they/them) die Wechselwirkung des Verbundenseins und der Kreativität. They zeigt auf, wie die beiden Kräfte ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken können. Die Kunst als Brücke zwischen gesellschaftlichen Gräben, Verbindung – zu anderen, wie zu sich selbst – als Antrieb und Inspiration zur Kreativität.

Dabei liess Kae Tempest viele Erzählungen von persönlichen Erlebnissen und Anekdoten aus dem Küstler:innen-Dasein in das Werk miteinfliessen, zeigt anhand dessen den eigenen Prozess: Wie they sich in einem Zustand der Abgestumpftheit, genährt durch Drogen und Arroganz befand, und sich dem bewusst wurde. Die «Umerziehung» (wie they es selbst nennt) und Kaes Journey nach dem eigenen tieferen Selbst.

«Die eigenen Unzulänglichkeiten in den Griff zu bekommen, ist keine Sache von fünf Minuten; es dauert ewig. Man muss es ständig aufs Neue versuchen. Und selbst nach Jahren, wenn ich denke ich hab’s geschafft, betrachte ich mich durch die Linse einer Beziehung und merke, dass ich noch genau da bin, wo ich vorher war.»

Kae Tempest ist 1985 in London geboren und seit vielen Jahren als Spoken Word Artist, Lyriker:in und Rapper:in tätig und dies sehr erfolgreich – they ist auf Bühnen weltweit anzutreffen. Im April erschien Kaes viertes Studioalbum «A Line is a Curve».