Stopp Gewalt! 16tage.ch

16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Am Dienstag, 25. November hat die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ begonnen. Sie startet jedes Jahr am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. In diesem Beitrag erfährst du alles über die diesjährige Kampagne und das Fokusthema "Geschlechtsspezifische Gewalt und Behinderung".  von Emma Klugermann

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Am 25.11. haben die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen begonnen

Warum ist die Kampagne so wichtig?

Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen ist leider immer noch alltäglich, auch in der Schweiz. Im Jahr 2024 waren 60% der von häuslicher Gewalt betroffenen Personen Frauen. Frauen und weiblich gelesene Personen haben ein besonders hohes Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen zu sein. Das hat vor allem mit der fehlenden Gleichstellung zu tun, und mit Geschlechterstereotypen, die sich immer noch hartnäckig halten. Geschlechtsspezifische Gewalt kann unterschiedliche Formen annehmen. Neben physischer Gewalt zählen auch psychische Gewalt, Gewaltandrohung, Freiheitsberaubung oder sexualisierte Gewalt darunter.
Wenn sich diese Gewaltformen aufbauen und zuspitzen, kann es im schlimmsten Fall zum Femizid kommen. Also die Tötung einer Frau, aufgrund ihres Geschlechts. 2024 wurden allein in der Schweiz 20 Femizide gezählt. Der Frauenbund Schweiz interessiert sich genau für diese Zuspitzung von Gewalt an Frauen und weiblich gelesenen Personen.
«Femizide sind keine Einzelfälle und auch keine tragischen Familiendramen, wie es lange in den Medien zu lesen war. Sie sind die Konsequenz eines Systems, in dem Frauen abgewertet und kontrolliert werde. Erst wenn man welche Strukturen dahinter liegen, kann man auch wirksam handeln. Erklärt Sarah Paciarelli, Fachverantwortliche für Kommunikation und Politik beim Frauenbund Schweiz.

Inhalt und Fokusthema

Als „Eine Wunde unserer Gesellschaft“ bezeichnet der Frauenbund die Gewalt an Frauen und weiblich gelesenen Personen. Die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ will genau deshalb über das Thema informieren, sensibilisieren und Prävention betreiben.
Das alles mit Hilfe eines niederschwelligen Programms. Bis zum 10. Dezember gibt es Workshops, Performances, Vorträge und mehr zur Prävention und Aufklärung über Gewalt an Frauen und weiblich gelesenen Personen. Das Programm richtet sich an Interessierte, Mitarbeitende von Hilfsorganisationen und ist oft barrierefrei gestaltet. Denn vor allem dieses Jahr will „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ auch Menschen mit Behinderung ansprechen.

Auch 2025 beleuchtet die Kampagne nämlich ein Fokusthema.
Dieses Jahr: „Geschlechtsspezifische Gewalt und Behinderung“
Menschen mit Behinderung werden oft vergessen und übersehen. Viele von ihnen leben in Abhängigkeitsverhältnissen, die gegen sie ausgenutzt werden, erklären Anna-Beatrice Schmaltz, Programmverantwortliche für Prävention gegen Geschlechtsspezifische Gewalt bei der feministischen Friedensorganisation Frieda und Kampagnenleiterin von „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ und Beat John Geschäftsleiter der Opferhilfe beider Basel.
Die Opferhilfe hat in diesem Kontext den Song „Stopp, hani gseit!“ gegen Gewalt mit Menschen mit Behinderung produziert. Dieses Projekt soll dabei helfen, ihnen ihre Stimme und Macht zurückzugeben.

Die Istanbul-Konvention

Um gegen Gewalt an Frauen und weiblich gelesenen Personen zu bekämpfen, hat sich die Schweiz seit 2018 dazu verpflichtet die Istanbul-Konvention umzusetzen. Die Istanbul-Konvention ist ein Abkommen des Europarats zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und Gewalt an Frauen. Aber obwohl es Maßnahmen gibt, mit denen man die Istanbul-Konvention umsetzen will, steigt die Zahl der von Gewalt betroffenen Frauen in den letzten Jahren an. Anna-Beatrice Schmaltz sagt Frieda und andere NGOs hätten die Umsetzung der Istanbul-Konvention bewertet. Sie sind zum Ergebnis gekommen, dass die Umsetzung ungenügend ist. Weil es keine nationale Koordinierung gibt, herrschen zwischen den Kantonen grosse Unterschiede. Das stellt für Betroffene ein grosses Problem dar.

Der Frauenbund teilt die Ansichten von Frieda. Sarah Paciarelli sagt, dass es für eine wirksame Umsetzung auch Ressourcen bräuchte. Deshalb seien Massnahmen wie Forschung und Prävention leider auch eine Finanzierungsfrage.
Bei der Opferhilfe sehe man, das Prävention über die Jahre langsam Wirkung zeigt. Beat John äussert aber auch Sorgen. Er hat Angst, dass die Aktionsmasnahmen irgendwann gestoppt werden, wenn man der Meinung ist, dass genug getan wurde. Beat John findet man könne nie aufhören, da unsere Welt Gewalt produziere und man dagegen vorgehen muss.

 

Hier bekommst du Hilfe

Du bist vielleicht selbst von Gewalt betroffen, Angehörige oder Angehöriger einer betroffenen Person und suchst Hilfe?
Für Hilfe und Beratung kann man sich jederzeit an die Opferhilfe oder Frauenhäuser wenden. Egal ob eine Beratung in Person oder über Chat stattfindet, sie kann immer anonym sein. Ausserdem unterliegen die speziell ausgebildeten Mitarbeitenden der Opferhilfe einer gesetzlichen Schweigepflicht.

Alle Infos zum Hilfsangebot findest du auf opferhilfe-beiderbasel.ch.
Alle Infos und Veranstaltungen zu «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» findest du auf 16tage.ch