Album der Woche: Glut von District Five
Das neue Album der Zürcher Band District Five heisst GLUT und ist vollgepackt mit Einflüssen von Punk, Jazz, Krautrock, Grunge bis hin zu verschiedenen psychedelischen Stilen. Mit ihrer zehnjährigen gemeinsamen Erfahrung als Band vermag District Five voller Sicherheit einen Sound zu kreieren, der für all das und noch mehr Platz hat. Für neugierige Hörer*innen mit offenen und nimmersatten Ohren ist GLUT von District Five ein Muss. von Dion Monti
26.06.08 ADW- District Five - Glut - Podcast
Das neue Album Glut, von District Five via Stone Pixels
Die Zürcher Band District Five hat vor knapp über einer Woche ihr neues Album auf dem Genfer Label Stone Pixels veröffentlicht. Der Name kann auf verschiedene Arten – oder beziehungsweise Sprachen – verstanden werden. Auf Deutsch heisst das Album «Glut», also die heissen Überbleibsel eines Feuers. Auf Englisch würde das Wort Überfluss oder Exzess bedeuten. Beide Bedeutungen würden passen, und man könnte aus fatalistischer, poetischer Perspektive auch das eine als Resultat des anderen verstehen.
Das Quartett spielt schon seit über 10 Jahren zusammen, und das ist eine Qualität, die immer seltener wird – und auch schwierig zu bewerten ist. Was ich aber in den letzten 25 Jahren bei Konzertbesuchen beobachtet habe, ist, dass ein intimes Verhältnis zwischen allen Bandmitgliedern – im Gegensatz zu Session-Musiker*innen, die für ein Konzert oder eine Tournee dabei sind – zu ganz besonderen und magischen, unerzwungenen Performances führen kann, bei denen die Band wirklich eins wird.
District Five findet auf «GLUT» eine musikalische Sprache, die live und spontan wirkt und auch sehr gut komponiert und durchdacht klingt. Ihr Sound ist beeinflusst von vielen Stilen – von scheinbar transzendentalen Krautrock-Improvisationsmomenten zu nackten Bass- und Drummomenten mit viel Drive, die ein bisschen an Stoner-Rock erinnern. Dann gibt es aber auch viel Polyrhythmisches und Arpeggios und lieder mit ungeraden Takten, das mich ein bisschen an Radiohead erinnert. Eine Band, an die ich oft denke, wenn ich mir das Album anhöre, ist die L.A.-Band SML, von denen ihr Debut-Album für mich das beste Album von 2024 war. Gute Beispiele für diesen Sound sind die Songs «Twist the Wire» und «Chalk».
Die Band hat viel Groove, Funk und Soul – ist rastlos, treibend, aber nie gestresst – immer voller Selbstvertrauen. Sogar Punk-Elemente fühlen sich natürlich an in diesem Album, wie im Song «Company Man», der in der Mitte sich mit Saxofon wieder in Richtung Grunge verwandelt und gegen Schluss per dissonantem Klavier in ein Mathrock-artiges Ende holpert.
In der Mitte des Albums ist dann auch noch der Song «Push» zu finden, auf dem sie mit dem US-amerikanischen Dichter Saul Williams zusammenarbeiten. Trotz schnellem Beat bildet dieser Song eine Art geerdetes Zentrum. Und das ist für mich ehrlich gesagt auch ein seltener Kritikpunkt des Albums – falls es überhaupt wirklich einer ist. «GLUT» erinnert mich an viele sehr gute Bands, und ich habe das Gefühl, dass wenn ich mit den vier Jungs von der Band zusammen sitzen würde, dass wir uns den ganzen Tag gegenseitig Musik zeigen könnten, die uns gefällt. Das musikalische Universum von District Five ist gross – fast ungreifbar gross.
Produktion und Mix
Diese extreme Vielfalt lässt auch zur Produktion überleiten: Ich habe keine Produktions-Credits gefunden, aber die Produktion des Albums ist lobenswert. Für ein Album, das mit so vielen verschiedenen Einflüssen arbeitet, haben sie es geschafft, einen einheitlichen Sound zu formen, der all die verschiedenen Stimmungen und Launen mag beherbergen. Der Sound ist generell mit mehr oder minder sanfter Verzerrung saturiert, was vor allem bei den Drums deutlich wird. Der Mix ist klar, und alle Elemente sind gut voneinander zu unterscheiden. Die einzige Kritik, die ich habe, ist, dass neben viel Saturation auch viel Kompression vorhanden ist. Vielleicht ist auch beim Mastering für meinen Geschmack ein bisschen zu viel komprimiert worden, was es ein bisschen anstrengend macht, es lange und laut zu hören. Ich habe mich immer wieder ertappt beim Lauterstellen und dann wieder Leiserstellen, weil ich irgendwie keinen Sweetspot finde. Sobald es so laut ist, wie ich es gerne hätte, fühlt es sich für mich ein bisschen abrasiv und zu nah auf den Ohren an.
«GLUT» ist ein wunderbar persönliches Album von vier Freunden, die schon ganz lange zusammen unterwegs sind und – ganz offensichtlich – neben exzellenten Musikern auch sehr offene und endlos neugierige Musik-Liebhaber sind und sicherlich auch eine äusserst sehenswerte Live-Band sind. Die nächsten Konzerte in der Schweiz sind am 19. Juni am Festival des Arcs in Ehrendingen oder am 28. Juni im Helsinki Club in Zürich. Die info ist auf der hübschen Website der Band zu Finden.