Wenn Kino zur politischen Bühne wird
Menschenrechte unter Druck, Kriege und autoritäre Regime auf dem Vormarsch: Das Internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte in Genf will genau darüber diskutieren – und Perspektiven sichtbar machen, die sonst oft wenig Raum erhalten. von Nahom Mehret
26.03.07 Internationales Film Festival und Forum für Menscherecht in Genf
Autoritäre Regime nehmen zu, Demokratien geraten unter Druck. Das Filmfestival FIFDH in Genf bringt seit über 20 Jahren Kino und Menschenrechte zusammen – und schafft einen Raum für Diskussion über aktuelle politische Krisen.
Menschenrechte, die weltweit unter Druck geraten. Autoritäre Regime, die zunehmen. Demokratien, die zunehmend herausgefordert werden.
Wer heute auf die globale politische Lage blickt, kann schnell ein Gefühl von Ohnmacht, Überforderung oder auch Einsamkeit verspüren.
Genau hier setzt das Internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte in Genf an. Das Festival hat gestern begonnen und dauert noch bis zum 15. März.
Seit mehr als zwanzig Jahren zeigt das Festival Filme zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Gleichzeitig versteht es sich als Ort des Austauschs und der Diskussion. Filme sollen nicht nur informieren, sondern auch Gespräche anstossen.
Dass das Festival zeitgleich mit der mehrtägigen Sitzung des UNO-Menschenrechtsrats in Genf stattfindet, ist kein Zufall. Das Internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte möchte damit auch Themen, Stimmen und Perspektiven sichtbar machen, die im offiziellen Rahmen der UNO oft wenig Platz finden.
Das Programm ist thematisch breit aufgestellt. Es geht unter anderem um Dekolonialisierung, Krieg und Konflikte, zivile Bewegungen, Klima und Umwelt, Rassismus sowie um die Rechte von Frauen und Mädchen. Auch wirtschaftliche und politische Machtstrukturen werden thematisiert.
Ein Film im diesjährigen Programm ist etwa „Facing War“ von Tommy Gulliksen. Der Dokumentarfilm begleitet den damaligen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hinter den Kulissen und zeigt, wie innerhalb der NATO in einer Zeit geopolitischer Spannungen wichtige Entscheidungen getroffen werden.
Ein anderer Film ist „Black Water“ von Natxo Leuza. Er erzählt die Geschichte einer Familie in Bangladesch, die wegen immer extremerer Klimabedingungen gezwungen ist, in Richtung Hauptstadt Dhaka zu fliehen.
Auch historische Stoffe finden Platz im Programm. Der Film „Palestine 36“ von Annemarie Jacir erzählt von einem jungen Mann, der während des britischen Mandats in Palästina zunehmend in den politischen Widerstand seiner Generation hineingezogen wird.
Eine Herausforderung für die Programmierung des Festivals besteht darin, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Da das Programm meist bereits im Januar feststeht, können sehr kurzfristige Ereignisse nur begrenzt berücksichtigt werden. Trotzdem versucht das Festival, aktuelle Debatten aufzugreifen und Raum für Diskussionen zu schaffen.
Neben den Filmvorführungen finden zahlreiche Gespräche, Panels und Foren statt. Das Festival versteht sich bewusst als Plattform für Austausch und Meinungsbildung und bringt Filmemacher:innen, Journalist:innen, Aktivist:innen und das Publikum zusammen.
Bis zum 15. März wird das Internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte in Genf damit zu einem Ort, an dem Filme, Diskussionen und Begegnungen zusammenkommen – mit dem Ziel, globale Krisen sichtbar zu machen und über Menschenrechte ins Gespräch zu kommen.