Eine Zeichnung: Menschen sitzen an Tischen, sie sind bunt gemalt, sehen fröhlich aus. Im Vordergrund sind zerbrochene, graue Stühle.

Theater gegen das Schweigen

Das Spital, das eigene Wohnzimmer oder der Gerichtssaal: Orte, an denen man Hilfe, Geborgenheit oder Gerechtigkeit erwarten würde, werden in der Realität oft zu Schauplätzen von Machtmissbrauch. Das Theater Niemandsland bringt mit seinem neuen Doppelprojekt eine Auseinandersetzung mit patriarchaler Gewalt auf die Bühne im KHaus. von Noemie Keller

26.03.27 Lorenzo und Monica - Und dann frass er mein Herz

Das Theater Niemandsland behandelt in ihrem neuen Stück patriarchale Gewalt und ihre Strukturen.


Das Stück besteht aus zwei Teilen: «Monika und Lorenzo» sowie «Und dann frass er mein Herz». Es ist kein klassisches Theaterstück, beide Geschichten sind eine Collage aus Stimmen, Bildern und Bewegungen, die das Schweigen über sexualisierte und patriarchale Gewalt brechen wollen.

In intensiven Choreografien werden verschiedene „Konfliktzonen“ wie das eigene Zuhause oder Verhörräume zum Leben erweckt. Dabei wird deutlich, dass Gewalt viele Gesichter hat, von verbaler Erniedrigung bis hin zur institutionellen Kälte, die Betroffene oft ein zweites Mal zu Opfern macht.

In «Monika und Lorenzo» versuchen eine Pädagogin und ein Pädagoge ein Märchen für Jugendliche zu schreiben, das patriarchale Strukturen entlarvt. Doch während der Arbeit werden ihre eigenen Prägungen sichtbar. Francesco Rizzo, der Lorenzo spielt, reflektiert im Gespräch mit Radio X die Herausforderung dieser Rolle: „Wir Männer tragen viel dazu bei, dass in der Welt Leid passiert. Es ist wichtig, diese Rolle und die eigenen Privilegien konsequent zu hinterfragen.“

«Und dann frass er mein Herz» wurde von der Performerin Vicky Brandford geschrieben und ist entstanden aus ihren persönlichen Erfahrungen als Betroffene.

„Ich spiele in diesem Stück die Überlebende, die Unberührte, das Opfer und die Staatsanwältin. Für mich sind das nicht einfach Figuren, das sind verschiedene Stimmen der Realität, die oft unsichtbar bleiben. [...] Es geht darum, das Schweigen zu durchbrechen. Es geht auch darum, dass hinter all dem nicht nur Einzelfälle stehen, sondern patriarchale Strukturen, unter denen wir eigentlich alle leiden.“

Regisseur Davide Maniscalco sieht die Produktion als Aufruf zur gesellschaftlichen Selbstkritik. Das Ziel: Empathie wecken und das Thema Gewalt endgültig aus der Tabuzone holen. Das Stück ist teils satirisch, teils schonungslos ehrlich und ein eindringliches Plädoyer zur Selbstreflektion und Veränderung.

„Und dann frass er mein Herz““, «Monika und Lorenzo» vom Theater Niemandsland wird am Samstag, 28. März, um 20 Uhr, und am Sonntag, 29. März, um 19 Uhr, im KHaus aufgeführt.

Diese Aufführung behandelt sensible Themen, darunter sexualisierte Gewalt und Suizid. Die Darstellung kann für manche Zuschauer:innen belastend sein. Bitte achte gut auf dich.